In den letzten Tagen sind durch die Nachtfröste fast alle Gewässer zugefroren. Teilweise ist es aber noch viel zu früh, die Eisflächen zu betreten, warnt Michael Hohmann, Vorsitzender der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Fulda und weist auf die Gefahren von Eisflächen hin. Das Eis könne an verschiedenen Stellen eines Gewässers recht unterschiedliche Dicken aufweisen. Ursachen dafür seien Bodenwärme, Strömungen, Zuflüsse warmer Industriegewässer, Gasbläschen aus schlammigem Grund, dünn überfrorene Fischereilöcher, Einbruchstellen und Eisrisse.
Folgende Eisdicken gelten laut DLRG als ausreichend:
Einzelpersonen: 5 cm
Personengruppe: 8 cm
Schlittenfahrzeuge: 12 cm
PKW, sonst. Fahrzeuge: 18 cm
Die größte Gefahr für eine im Eis eingebrochene Person sei eine starke Unterkühlung und die damit verbundene Abnahme der Kräfte und des Reaktionsvermögens. Zusammen mit dem Abtrieb schwerer Winterkleidung führe dies schon in wenigen Minuten zum Ertrinken. Eine Selbstrettung aus dem eisigen Nass muss innerhalb kürzester Zeit geschehen, weil bereits wenige Minuten nachdem der Verunglückte ins Wasser geraten ist, die Glieder durch die Kälte so steif werden, dass alle Versuche einer Selbstrettung scheitern. Die unmittelbare Berührung mit dem eiskalten Wasser verursache starke Schmerzen, sodass alle geistigen und körperlichen Kräfte mobilisiert werden müssten, um eine Panik zu vermeiden und möglichst schnell das eiskalte Wasser verlassen zu können. Dabei könne der Verunglückte entweder versuchen, sich flach auf das Eis zu schieben und dann über das Eis zum Ufer zu kriechen, oder das Eis mit den Fäusten oder den Ellbogen stückweise zu zerbrechen und sich so einen Weg zum Ufer oder zu tragfähigerem Eis zu bahnen. Nachfolgend lesen Sie die Rettungshinweise des DLRG für einen oder mehrere Helfer, bzw. wie Personen, die unter das Eis geraten sind, geholfen werden kann.
Rettung durch einen oder mehrere Helfer
Der Verunglückte schwimmt an der Einbruchstelle im Wasser. Hierbei stellt das nicht mehr genügend tragfähige Eis für den Helfer eine erhebliche Gefahr dar. Der Eingebrochene kann sich wegen der raschen Erstarrung seiner Glieder nur kurze Zeit an der Oberfläche halten, daher ist höchste Eile geboten. Sofern es möglich ist, wird die Rettung von Land aus durchgeführt. Der Retter reicht, schiebt oder wirft dem Verunglückten Hilfsmittel wie Bretter, Stangen, Leitern, Gartentische oder -bänke aus Holz, Türen, Leinen, Teile von Holzzäunen, Äste oder auch Strauchwerk zu. Besser wären ein Rettungsball oder Rettungsring mit Leine. Gelingt es dem Verunglückten nicht, selbst freizukommen, so muss der Retter ihm auf dem Eis zu Hilfe kommen. Hierbei darf sich der Helfer der Einbruchstelle nie stehend nähern. Er schiebt sich vielmehr liegend, möglichst mit ausgebreiteten Armen, zum Eisloch vor. Von großem Vorteil ist es, wenn er sich auf einer großflächigen Unterlage (Türe, breites Brett) liegend an den Eingebrochenen heranschiebt. Sind mehrere Retter an der Unfallstelle, so sollte der erste Retter möglichst mit einer Leine gesichert werden. Hat sich der Retter der Einbruchstelle genügend genähert, schiebt er vorhandene Hilfsmittel wie Bretter, Leitern oder ähnliches über die Einbruchstelle, um die Tragfähigkeit des Eises zu erhöhen und um dem Eingebrochenen die Möglichkeit zu geben, sich selbst daran herauszuziehen.
Rettung von unter das Eis Geratenen in stehenden Gewässern
Ist der Eingebrochene unter dem Rand des Eisloches verschwunden, so ist eine Rettung wesentlich schwieriger und der Erfolg unsicherer. Die Rettung kann durch Tauchen nach dem Untergegangenen versucht werden. Der Retter taucht in voller Kleidung (ohne Schuhe), um einer Unterkühlung zu begegnen. Er muss durch eine Leine, die von einem zweiten Helfer gehalten wird, gesichert sein. Der zweite Retter hat darauf zu achten, dass sich die Leine nicht am scharfen Eisrand durchscheuert. Wenn der Taucher nicht mit Tauchgerät und Tauchanzug ausgerüstet ist, darf nicht länger als 20 Sekunden getaucht werden. Nach Ablauf dieser Zeit muss der Taucher (auch gegen seinen Willen) herausgezogen werden. Weitere Tauchversuche dürfen von demselben Taucher nur durchgeführt werden, wenn er einen Tauchanzug trägt. Ansonsten muss ein anderer Retter tauchen. Ist der Verunglückte unter eine dünne Eisdecke geraten (2-3 cm), z.B. durch einen Sturz von einer Brücke oder einem Steg, so kann der Retter auch versuchen, die Eisdecke auf einer möglichst großen Fläche zu zertrümmern, um dem Untergegangenen die Möglichkeit zum Auftauchen zu verschaffen.
Rettung von Verunglückten, die in fließenden Gewässern unter das Eis geraten sind
Das Tauchen unter das Eis bei fließenden Gewässern ist äußerst lebensgefährlich und zudem ohne Erfolgsaussichten, da der Untergegangene abtreibt. Unter Berücksichtigung der Eigengefährdung gibt es keine Möglichkeit ohne Ausrüstung Rettungsmaßnahmen zu ergreifen - daher ist hier die einzige Hilfe ein schneller Notruf. +++