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08.04.05 - Schlitz

Noch 6 Tage: Spektakuläre Püfungen bei ADAC Hessen Rallye Vogelsberg

Am übernächsten Wochenende kämpfen die Piloten der obersten Rallyeliga, der Deutschen Rallyemeisterschaft bei der ADAC Hessen Rallye Vogelsberg um Meisterschaftspunkte. Spektakuläre Fahrszenen dürften auf den ausgewählten Wertungsprüfungen garantiert sein. Mit der ADAC Hessen Rallye Vogelsberg steht vom 14. bis 16. April bereits vor der Saisonmitte einer der Höhepunkte der Deutschen Rallyemeisterschaft (DRM) an. Nachdem die Teams im März bei der Bayern Rallye Oberland ihr Können auf verschneitem und eisigem Untergrund beweisen mussten, kam es bei der Welfen-Rallye am ersten Aprilwochenende zu einem Schlagabtausch auf den unterschiedlichsten Unterlagen von Asphalt über Beton bis Schotter.

Nun muss im Hessenland für die Fahrwerke ein Kompromiss zwischen schnellen Asphaltprüfungen und ebenfalls wechselnden Belägen mit insgesamt anspruchsvollen Kurvenkombinationen abgestimmt werden. Nach der gelungenen Premiere in der Deutschen Rallyemeisterschaft im vergangenen Jahr möchten die Veranstalter der ADAC Hessen Rallye Vo-gelsberg, der Automobil-Club Schlitz und der Motor-Sport-Club „Rund um Schotten“ nun auf die Erfahrungen aufbauen und sich fest im DRM-Kalender etablieren.

Sportliches

Die amtierenden Deutschen Rallyemeister, Matthias Kahle und Peter Göbel, haben ü-ber den Winter ihren Skoda Octavia gegen ein aktuelles Skoda Fabia World-Rally-Car getauscht und dürften damit gut gerüstet sein. Allerdings bekommen sie Konkurrenz aus Dänemark: Kristian Poulsen und Ole Fredriksen sind in ein Toyota Corolla WRC umgestiegen und konnten damit bereits einen Tagessieg einfahren. Die Verfolgerteams haben über den Winter auch nicht geschlafen: Mehrere Nachwuchspiloten sind in höhere Klassen aufgestiegen.

Als Tabellenleader kommen Hermann Gaßner und Siegfried Schrankl im Mitubishi Lan-cer EVO VI nach Schlitz. Aufgrund ihrer Siege in der seriennahen Gruppe N konnten sie im Vergleich zu Matthias Kahle und Peter Göbel, die im Oberland mit Reifen- und Ab-stimmungsproblemen zu kämpfen hatten, die Maximalpunktzahl holen. Viel Zuspruch findet die ADAC Hessen Rallye Vogelsberg auch im Ausland: 27 Teams aus neun Nationen haben sich in die Nennliste eintragen lassen. Beispielsweise haben acht Teams aus den Niederlanden und sieben aus Finnland ihr Kommen zugesagt.

Natürlich greifen auch heimische Piloten und Teams ins DRM-Geschehen ein: In der Dieselklasse startete das Bernshäuser VW Golf TDI-Team Siggi Steinacker und Björn Röhm mit einem Klassensieg in das Rallyejahr. Mit einem zweiten Klassenplatz konnten sie sich weitere Punkte sichern. Die Schlitzerin Katrin Becker liest dem Schleusinger Mitsubishi-Fahrer Olaf Dobberkau das Gebetbuch vor, musste allerdings schon zwei Ausfälle verkraften. Ein Überschlag und ein Motordefekt waren kein guter Saisonauftakt. Horst Rotter und Sabrina Berdi (Großalmerode/Baunatal, Opel Corsa Super 1600) hoffen nach einer langen Ausfallserie nun endlich wieder Erfolge einfahren zu können. Ein lang ersehnter Klassensieg bei der Welfen-Rallye lässt hoffen.

Der Fuldaer Jörg Schuhey hofft gemeinsam mit Steffen Reith (Opel Astra GSI) in der seriennahen Zweiliter-klasse punkten zu können. Auch der gebürtige Schlitzer Daniel Rexhausen will gemeinsam mit Peter Bechthold bei seiner Heimrallye das Beste aus dem Mitsubishi Lancer EVO VI herausholen.

Für die hessische Rallyeszene steht die Hessen Rallye Vogelsberg als ranghöchste Veranstaltung selbstverständlich im Mittelpunkt des Interesses. Um auch den Rallye-teams zur Teilnahme zu geben, die reglementbedingt nicht bei der „großen“ Rallye mit-fahren dürfen, fahren diese nach einer kurzen Pause im Anschluss an das DRM-Feld in separater Wertung. Hier dürften die Vorjahressieger Carsten Alexy und Karlheinz (Ro-tenburg/Odenheim, Audi S2 Quattro) wieder die Favoriten sein. Das Duo konnte schon einige Gesamtsiegerpokale bei Rallyes der Kategorie „National A“ mit nach Hause nehmen. Michael Rausch / Heiko Steinacker (Opel Ascona B), Uwe Kiehm / Heiko Zie-buhr (Opel Kadett C Coupé), Christian Wohlfahrt / Thomas Schäfer (VW Golf II GTI), Walter Schaaf / Marco Goppel (VW Golf GTI) sind die Teams aus dem Schlitzer Raum, die hier um die Plätze kämpfen. Die Laubacher Brüder Markus und Thomas Schmidt-meister treten im VW Golf II GTI an.

Was? Wann? Wo?

Offizieller Start der ADAC Hessen Rallye Vogelsberg ist am Freitag um 17.31 Uhr am Starttor in der Schlitzer Bahnhofstraße, die dann quasi zur „Startmeile“ umfunktioniert wird. Während die Teams auf den Start warten, können hier eventuell Autogramme ergattert werden.

Für viele Fans dürfte aber bereits der Donnerstag interessant sein. Auf einer speziell abgesperrten Strecke werden viele Rallyefahrzeuge einem letzten Test unterzogen. Die Teilnahme hieran ist für die Teams freiwillig. Wer aber fährt, fährt meistens oft. Zwischendurch kommen die Autos immer wieder auf den Serviceplatz in der Bahnhofsstraße, um kleinere Umbauten und neue Abstimmungen vorzunehmen. Hier können technisch Interessierte den Mechanikern über die Schultern schauen. Ab 18.00 Uhr ist die Strecke bei Bernshausen für die Teams geöffnet.

Richtig ernst wird es am Freitag um 17.46 Uhr. Dann wird nämlich die erste Wertungs-prüfung von Schlitz über Bernshausen wieder nach Schlitz gestartet. Wie an allen Wer-tungsprüfungen haben die veranstaltenden Clubs, der AC Schlitz und der MSC Rund um Schotten, Zuschauerpunkte mit Streckensprecher eingerichtet. Auch für das leibliche Wohl wird hier gesorgt. Gleich im Anschluss wird der schon fast legendäre Zu-schauerrundkurs „Willofs“ unter die Räder genommen, bevor die Autos zum ersten Ser-vice in den Servicepark in Schlitz rollen. Da für Willofs wieder ein großes Zuschauerauf-kommen erwartet wird, wurde ein spezieller Buspendelverkehr vom Serviceplatz am Rallyezentrum aus eingerichtet. Die Benutzung kostet einen Euro. Die gleiche Schleife wird nach dem Service wieder gefahren. Im Willofser Talkessel dürfte sich die Stimmung dann zum Höhepunkt steigern. Unter Flutlicht kommt eine ganz besondere Atmosphäre auf. Nach einem weiteren Service werden die Boliden dann im Parc Fermé zur Übernachtung abgestellt.

Am Samstagmorgen geht es schon bei Zeiten zur Sache: Um 7.01 Uhr starten die Ral-lyeteams in Schlitz zur ersten großen Schleife der zweiten Etappe in Richtung Süden: Die Wertungsprüfungen (WP) „Stehr Special Stage“ und Schotten werden jeweils zwei-mal befahren. Während es sich bei der Stehr-WP um eine Sprintprüfung von Ober-Breidenbach über Windhausen nach Storndorf handelt, wird die WP Schotten als Rundkurs ausgetragen. Im Vergleich zum letzten Jahr wird der traditionsreiche Schot-tenring leicht verändert gefahren. Start und Ziel sind nun am Flugplatz. Auch das so ge-nannte „Infield“ wurde leicht verändert. Die altbekannten Zuschauerpunkte bleiben aber erhalten. Eine Runde plus Ausfahrt ergeben eine Gesamtstreckenlänge von 28,5 Kilo-metern. Die für Rallyeverhältnisse breiten Straßen erfordern eine große Portion Mut. Nicht nur von den Motoren, sondern auch von den Bremsen wird hier einiges verlangt Somit stellt der Schottenring neben der WP Niederaula eine der Königsprüfungen dar.

Nach der großen Reprouping-, Service- und Mittagspause um das Schlitzer Bürgerhaus wird um 13.51 Uhr die Startflagge zur neunten Wertungsprüfung, der WP Niederaula im Kreis Hersfeld-Rotenburg gehoben. Hierbei lernen die Rallyeteams das Kirchheimer Autobahn-Dreieck mal von der anderen Seite kennen: Auf 16,1 Wertungsprüfungskilo-metern ist Abwechslung geboten: Schotterstücke, breite und schmale, wellige Asphalt-wege erfordern eine clevere Reifenwahl und eine geschickte Fahrweise. Neben Können ist hier auch Erfahrung gefragt.

Neu im Programm ist die WP Ottrau. 14 Kilometer auf schnellen, kurvigen Asphaltstra-ßen durch viel Wald erfordern eine gute Ideallinie. Garniert ist die Strecke mit einem kniffligen Schotterstück. Wie alle Wertungsprüfungen werden auch diese zweimal be-fahren. Natürlich sind auch hier bewirtschaftete Zuschauerpunkte mit Streckensprecher eingeplant. Nach 174,4 WP-Kilometern und 383,6 Gesamt-Kilometern werden die Rallyeteams um 18.00 Uhr auf der Schlitzer Zielmeile erwartet. Dann können die Sieger den Sekt sprit-zen lassen. Abends sind dann alle bei der Siegerehrung im Schlitzer Bürgerhaus willkommen.

Programmheft und Zuschauertickets

Für alle, die mehr über die ADAC Hessen Rallye Vogelsberg wissen wollen, haben der Automobil-Club Schlitz und der Motor-Sport-Club „Rund um Schotten“ ein umfangrei-ches Programmheft zusammengestellt. Viele Hintergrundinformationen, Fahrer- und Teamvorstellungen sind hier genauso zu finden, wie detaillierte Streckenpläne mit Tipps für Fans und Zuschauer. Erhältlich sind die Hefte für 3,- Euro an verschiedenen Stellen im Rallyegebiet, wie zum Beispiel Tankstellen. Wer an den Wertungsprüfungen zuschauen möchte benötigt zudem ein Zuschauerticket zum Preis von sieben Euro. Diese sind wie die Programmhefte ab Donnerstag im Ral-lyezentrum erhältlich.

Organisation/Hintergrund

Rund um Rallyeleiter Friedrich Goldstein (AC Schlitz), seinen Stellvertreter Manfred Hirth (MSC Schotten) sowie Organisationsleiter Jochen Wattenbach (Fulda) hat eine Mannschaft von etwa 20 Leuten die Rallye in ihren Grundzügen vorbereitet. „Die ersten Besprechungen für die diesjährige Veranstaltung haben eigentlich kurz nach der letzt-jährigen Rallye begonnen. Konkret sind wir aber seit ungefähr einem halben Jahr am arbeiten“, erklärt Friedrich Goldstein. „Es beginnt mit der Streckenauswahl, dem Beantragen der behördlichen Genehmigung und geht mit der Erstellung des Zeitplans, der Planung der Streckensicherung und des Servicebereichs sowie allen weiteren Dingen, wie dem Programmheft, der Bewirtschaftung weiter.“ Bis zur Rallye nimmt die Zahl der eingebundenen Personen immer weiter an.

„Am Rallyewochenende sind dann etwa 600 größtenteils ehrenamtliche Funktionäre und Helfer im Einsatz. Dazu gehören Streckenposten, Ärzte, Sanitäter und jede Menge fleißige Hände, die die vielen Aufgaben um den sportlichen Teil herum übernehmen“, erläutert Jochen Wattenbach. „Allein auf der Wertungsprüfung Schotten haben wir 225 Leute im Einsatz“, ergänzt Manfred Hirth mit Fakten zur längsten Wertungsprüfung innerhalb der gesamten DRM. Der Teufel einer solchen Großveranstaltung, einige tausend Rallyefans, Fahrer und Teammitglieder in die Region lockt, steckt halt im Detail. +++




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