Das Zentrum für präventive Dopingforschung an der Deutschen Sporthochschule (DSHS) in Köln warnt nachdrücklich vor sechs Präparaten zur Muskelstärkung der amerikanischen Firma "Sledge- Hammer", die verbotene und nicht deklarierte, gesundheitsgefährdende Anabolika in hoher Dosierung enthalten. Diese werden aus dem osthessischen Niederaula (Kreis Hersfeld-Rotenburg) verschickt.
Wie der DSHS-Biochemiker Hans Geyer auf Anfrage der Redaktion bestätigte, habe er erst vergangene Woche zum wiederholten Mal bei einer 0190er Telefonnummer ein "Met-AD-17 Diol" bezeichnetes Mittel bestellt und erhalten, das nachweislich das Hormon Methandienion enthalte. Diese Substanz rufe unter anderem schwere Leber- und Herzschädigungen hervor, führe bei Frauen zu Symptomen der Vermännlichung wie Bartwuchs, tieferer Stimme und Zunnahme von Aggressivität und bei Kindern und Jugendlichen zu Wachstumsstopp. Von der Firma werde das Mittel als so genannte Nahrungsergänzung über einen Absender "Pharm-tec" mit dem Postfach 1078 aus 36243 Niederaula in Osthessen verschickt.
Ihm sei die Firma "Sledge-Hammer", das besagte Mittel und die darin enthaltene Substanz bereits seit zwei Jahren bekannt, erklärte der Biochemiker. Von den fortlaufend aktualisierten Laborbefunden über die verbotenen Inhaltsstoffe habe sein Institut sowohl das Bundesamt für Verbraucherschutz als auch das hessische Umweltministerium schriftlich in Kenntnis gesetzt, ohne dass sich an der Zusammensetzung des Mittels oder dessen Verfügbarkeit irgendetwas geändert habe.
Trotz dieser ausdrücklichen Warnungen des Dopingforschers seien wirksame Schutzmaßnahmen bisher ausgeblieben, hatte die neueste Ausgabe des "Spiegel" am vergangenen Wochenende gemeldet. Wie Geyer berichtete, sei seines Wissens nach ein einziger Zollfahnder in Rostock mit diesem Fall befasst. Der habe die Herkunft der im Internet werbenden Firma Sledge-Hammer zwar bis nach Sarajevo und die Isle of Man zurückverfolgt, den weiteren Vertrieb der Präparate aber auch nicht unterbinden können.
Nach Auskunft der für Niederaula zuständigen Kriminalpolizei in Bad Hersfeld war der Fall dort bislang nicht bekannt. "Wir haben die Ermittlungen mit Bekanntwerden der Presseveröffentlichung sofort aufgenommen", erklärte die Leiterin der Kripo, Beate Theis. Ihrer Auskunft nach befindet sich in Niederaula eines der wenigen Briefverteilzentren der Post, von dem aus Sendungen ins gesamte Bundesgebiet weitergeleitet werden.
Alexander Bech vom Referat für Lebensmittelüberwachung im hessischen Umweltministerium ist der Fall durchaus bekannt. Man habe auf den Hinweis aus Köln so reagiert, dass man in Niederaula und Neuenstein im Kreis Hersfeld-Rotenburg bei der dort befindlichen zentralen Zollabfertigungsstelle für Warenlieferungen aus den USA recherchiert, aber nichts gefunden habe. Es gebe keine Erkenntnisse seiner Behörde, dass die besagten Produkte von dort verschickt würden.
Dem Handel per Internet sei nicht beizukommen, es sei denn, man verbiete ihn generell: "Wir kennen x solcher Firmen, das ist eine echte Katastrophe". Denn die Erfahrung seiner Behörde beim Versuch der Verbraucheraufklärung - so zum Beispiel bei Veranstaltungen wie dem Hessentag - sei dergestalt gewesen: "Da kommen dann muskelbepackte Hobbysportler und erklären, sie nähmen das Mittel, vor dem wir warnen, schon seit Jahr und Tag - mit sichtbarem Erfolg." meinte der Mann aus dem Umweltministerium. (ci) +++