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14.04.05 - Fulda

Patrik SINKEWITZ ein "bewaffneter Räuber"? Polizei entschuldigte sich

Der 24-jährige Profi-Radfahrer Patrik Sinkewitz, der aus der Fuldaer Vorortgemeinde Künzell stammt, ist gestern Nachmittag in das "Fahndungsnetz" der Fuldaer Polizei nach einem Raubüberfall in der Innenstadt geraten. Eine Streife aus drei Polizeibeamten hielt den derzeit bekanntesten hessischen Radprofi 10 Minuten nach der Tat zunächst für den "bewaffneten Räuber", durchsuchte ihn und hielt ihn nicht nur "fest", sondern auch vom geplanten Friseurbesuch ab.

Als durch neue Täterinformationen die "Unschuldsvermutung" des 24-jährigen, der sich ordnungsgemäß ausgewiesen hatte, zunahm, ließen ihn die Beamten gehen. Und noch gestern entschuldigten sich die beteiligten Polizisten in einem Telefongespräch mit "Mutter Sinkewitz" bei ihrem Sohn und ihr. Doch der Vorfall machte heute hessenweit Schlagzeilen - vermutlich hatte ein ansässiger Sportreporter den "Publikationswert der Story" erkannt.

Gestern Nachmittag gegen 16:25 Uhr hatte ein bisher noch unbekannter Täter ein Modegeschäft am Luckenberg in der Fuldaer Innenstadt überfallen. Der Mann bedrohte die 57-jährige Angestellte mit einem etwa 20 Zentimeter langen Messer, raubte 400 Euro und machte sich zu Fuß aus dem Staub in Richtung Gemüsemarkt. Laut erster Täterbeschreibung für die Fahndung war er bekleidet mit einer "Schlabberhose", dunkler Jacke und schwarzer Wollmütze.

Polizei-Pressesprecher Martin Schäfer berichtete heute dazu, die überfallene Frau habe rasch reagiert und deshalb seien schon wenige Minuten nach der Tat Polizeistreifen unterwegs gewesen. Eine - aus drei Beamten bestehende - Streife zu Fuß habe in der Nähe des Tatorts, in der Karlstraße, 10 Minuten nach dem Raub einen Mann entdeckt, auf den die vorläufige Täterbeschreibung passte: der Mann mit "modisch-weiten Jeans", brauner Jacke und einer schwarzen Wollmütze wollte gerade einen Friseursalon betreten. Die Polizisten zogen ihn an der Jacke heraus, sagten die "üblichen" Formeln ("Halt Polizei Keine Bewegung! Hände hoch!") und begannen mit einer Durchsuchung - die in solchen Fällen normale "konzentrierte Form der Kontrolle", wie Schäfer erklärte.

Die Polizisten fanden weder ein Messer noch 400 Euro. Der 24-jährige Radprofi konnte ordnungsgemäß seinen Personalausweis vorzeigen. Und dann präzisierte sich die per Funk gegebene Täterbeschreibung: der Räuber habe auffallend viele rote Pickel im Gesicht. Ein Blick in das Gesicht des smarten blonden Leistungssportlers machte klar - das kann er nicht sein. Und da die Überprüfung der Personalien per Funk - wegen der zahlreichen Funkgespräche im Rahmen der Ringfahndung - länger gedauert hätte, machten die Beamten noch zwei Fotos von ihm und ließen den Überprüften gehen. Niemand von dem Polizei-Trio hatte den "Promi" Sinkewitz erkannt. Und in der Hektik vergaßen sie auch noch, sich bei ihm zu entschuldigen.

Genau das monierte noch gestern die Mutter von Patrik Sinkewitz: sie rief im Polizeipräsidium an, "um zu fragen, ob das alles rechtens gewesen sei" und darauf hinzuweisen, dass einem "Unschuldigen" doch wohl eine Entschuldigung hätte zuteil werden sollen. Martin Schäfer erklärte, einer der drei direkt beteiligten Beamten habe sich dann dafür entschuldigt, falls die Kontrolle ihm - Sinkewitz - ruppig erschienen sei und dass es den Beamten leid tue, dass man sich "in der angespannten Situation der Fahndung" nicht gleich entschuldigt habe.

Die Familie Sinkewitz nahm die Entschuldigung an - aber die polizeiliche Tätigkeit führte heute dann doch zu - von der Polizei ungeliebten - Schlagzeilen, da sich der Privat-Radiosender FFH und ein Fernsehteam des hr-Boulevardmagazins "Maintower" auf das Thema "stürzten". Polizei-Pressesprecher Martin Schäfer musste "kraft Amtes" vor der Kamera und über den Äther die öffentliche Entschuldigung der Polizei "hinterherschieben". Wenn er selbst im Fahndungseinsatz gewesen wäre, hätte der Fall nicht passieren können: "Ich kenne Patrik schon seit über 10 Jahren - als Kreisjugendwart - durch frühere Unterstützung und hätte ihn gewiss erkannt. Aber das kann man ja nicht von jedem erwarten." Etwas schade findet die Fuldaer Polizei, dass nun im Nachhinein Äußerungen verbreitet werden, die während der Durchsuchung nicht gefallen seien: zum Beispiel, dass der Überprüfte "verhaftet" worden sei.

Auf jeden Fall sei - so Schäfer - inzwischen alles geklärt und "...Patrik Sinkewitz und die Polizei Fulda bleiben Freunde". Polizeipräsident Gero Kolter hat den Radprofi des Teams "Quick Step" außerdem schon zu einem persönlichen Gespräch und einem Besuch im Präsidium eingeladen. +++


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