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Florian Resch aus Lahnau, Mittelhessen, ist der beste Schülerlotse Hessens - Fotos: Max Colin Heydenreich

Florian gewann heute vor Kelly Wande-Suchomsky aus Frankfurt am Main und Alexander Kirschmann aus Fulda. Die Siegerurkunden und -prämien überreichte Gerhard Beck von der Fuldaer Verkehrswacht

13.07.05 - Fulda

"Hüter sicherer Schulwege" - Florian (15) Hessens bester Schülerlotse

Der 15-jährige Florian Resch aus Lahnau, Mittelhessen ist der beste Schülerlotse Hessens. Er gewann heute im Leistungswettbewerb vor Kelly Wande-Suchomsky und Alexander Kirschmann aus Fulda. Rund 800 Mädchen und Jungen sind in Hessen als Schülerlotsen tätig. Sie stellen sich alljährlich einem Wettbewerb, der von der zuständigen Verkehrswacht auf Kreis- und Landesebene veranstaltet wird. Die besten 21 Verkehrshelferinnen und -helfer mussten mehrere Tests bestehen. Ob Fragen zum Verhalten im Straßenverkehr, angewandte Sozialkompetenz beim Rollenspiel, Reaktionsgeschwindigkeit oder Teamgeist, die drei Gewinner konnten in allen Sparten punkten und eine Siegerprämie mit nach Hause nehmen. Der Erstplatzierte wird im Herbst beim Bundeswettbewerb antreten.

Es war ein fairer Wettkampf, den die 13- bis 16-Jährigen austrugen. Der kniffelige Wissenstest - für die meisten ein Kinderspiel. Die 25 Fragen zur Straßenverkehrssicherheit und zur Allgemeinbildung waren den jungen Leuten schon aus dem Kreiswettbewerb oder aus der Ausbildung durch die Polizei bekannt. „Bevor die Schülerlotsen den Verkehr überwachen und den Schulweg sichern dürfen, werden sie zuerst von der Polizei ausgebildet und später von der Deutschen Verkehrswacht betreut“, berichtete Heiner Knapp, Vorsitzender der Landesverkehrswacht Frankfurt am Main. Was die Schüler zum Lotsen qualifiziert? „Soziale Kompetenz, Einsatzbereitschaft, Hilfsbereitschaft und Durchsetzungs- und Kommunikationsvermögen“, sagte Knapp.

Fähigkeiten, die heute auch bei einem Rollenspiel getestet wurden. Straßenverkehrsteilnehmer sollten auf ihr Fehlverhalten hingewiesen und zum korrekten Verhalten aufgefordert werden. Dabei gab es typische Alltagsszenen zu sehen wie beispielsweise die uneinsichtige Mutter, die ihr Kind auf kurzen Strecken nicht anschnallen will, der Erwachsene, der bei Rot über die Ampel geht oder pöbelnde Jugendliche. Die Schülerlotsen hatte viele gute Argumente in petto und zum Glück belehrbare und einsichtige Rollenpartner. Beim Reaktionstest am Laptop kam so mancher ins Schwitzen, denn mit dem Fahrad auf virtuellen Bahnen unterwegs zu sein, ist keine alltägliche Übung für die Schülerlotsen. Wohl aber das schnelle Reagieren in Gefahrensituationen. Und schließlich sollte auch noch die Geschwindigkeit eines vorbeifahrenden Fahrzeugs geschätzt sowie die Geschicklichkeit beim "Sommerski im Doppelpack" getestet werden. Auch wenn nur drei Schülerlotsen gewinnen konnten, der olympische Gedanke zählte und Spaß hatten sie nach eigenem Bekunden alle.

Zur Geschichte des Schülerlotsendienstes

Die Wiege des hessischen Schülerlotsendienstes steht in Fulda. 1953 wurde der damals einmalige Lotsendienst vom langjährigen Fuldaer Polizeidirektor Gerd Rupperti, der diese Idee von einem Besuch in den USA mitbrachte, initiiert. Das "Fuldaer Modell" für mehr Sicherheit auf dem Weg zur Schule fand zahllose Nachahmer in allen Bundesländern und vielen Ländern Europas. Rupperti war Anfang der fünfziger Jahre ausbildungsbedingt in den Vereinigten Staaten und entdeckte - passenderweise beim Sheriff einer kleinen Stadt - das "System traffic boys". Den Gedanken, die kleinen Fußgänger durch jugendliche Helfer auf ihrem Schulweg schützen zu lassen, brachte der damalige "Polizeikommandant" aus den USA mit und machte schon im August 1952 eine Eingabe an den damaligen OB Cuno Raabe zur "Einführung eines Schülerverkehrsdienstes an den städtischen Volksschulen".

Schon am 19. Januar 1953 gab es dann die "Offizielle Feierstunde" zu der "Indienststellung". Dann startete das neue Angebot, aber erst im April 1953 tauchte erstmals der Begriff "Schülerlotsen" auf. Inzwischen hatten auch andere Städte Interesse für solche Dienste und der Bundesverkehrsminister war für eine Verbreitung auch eingeschaltet worden. Im April 1953 sah es aber fast so aus, als ob die gute Idee wieder aufgegeben werden müsste: das Regierungspräsidium Kassel verfügte in einem Schreiben an das Kreisschulamt Fulda die "sofortige Einstellung" des Schülerlotsendienstes - wegen "straf- und zivilrechtlicher Bedenken im Schadensfall". Im Mai informierte der Fuldaer OB den RP und den "Minister für Erziehung und Volksbildung" in Wiesbaden darüber, dass in Fulda alle "Vorkehrungen zur Sicherheit" getroffen seien - die Versicherungsfrage war mit dem "Kommunalen Unfallverbund" geregelt worden.

Bei einem "Kaffee-Treffen" von Rupperti und einem Ministerialrat aus Wiesbaden im Schloss Fasanerie wurde im August 1953 dann "grünes Licht" gegeben: der "Schülerlotsendienst" bekam die mündliche Genehmigung und andere hessische Städte durften nach der rechtlichen Absicherung und der Einhaltung des "Fuldaer Modells" ebenfalls mitmachen. Das war der Startschuss für die Verbreitung in ganz Deutschland.

In Fulda wurde zum Schuljahr 1953/1954 mit ingesamt 7 Schulen - und nur mit Jungen ab 13 Jahren - gestartet, drei Jahre später kamen auch Kreiskommunen wie Großenlüder, Tann und Petersberg dazu. Ab 1958 durften auch Mädchen die gestreiften Umhänge tragen und die Kelle schwingen. Seinen Höhepunkt erlebte der "Schülerlotsendienst" zur Zeit des Wirtschaftswunders Mitte der sechziger Jahre: 11 Schulen machten mit. Doch diese Zahl nahm im Lauf der Jahre stetig ab - heute unterhalten in Fulda nur noch drei Schulen (Domschule, Sturmiusschule und Athanasius-Kircher-Schule) diesen Service für die jüngsten Schüler. Zu den Gründen für den Rückgang gehört sicher auch die allgemeine Entwicklung: durch die Schülerbeförderung in Bussen oder "den Eltern-Chauffeur-Dienst" gehen heute wesentich weniger Jungen und Mädchen zu Fuß in die Schulen und es gibt auch deutlich mehr ampelgesicherte Übergänge.

In den vergangenen 50 Jahren waren hier genau 3.616 Schülerlotsinnen und Schülerlotsen im Einsatz: ehrenamtlich, bei Wind und Wetter, immer früher als ihre Mitschüler auf den Beinen, von Polizeibeamten eigens geschult für ihren Einsatz. Als "Belohnung" gab es früher Ausflüge in die Umgebung (etwa 1979 mit Landrat Kramer "Kreuzberg-Besteigung" und Rhön-Museum in Fladungen) und den jährlichen Besuch des Fuldaer Schützenfestes. Heute fahren die jugendlichen Helfer lieber in Freizeitparks. Doch eines ist geblieben: ein besonderer "Stolz" auf das "Amt" als Schülerlotse und der Wille, durch eigenen Einsatz etwas für die Gemeinschaft zu tun und Jüngeren zu helfen. +++


Der Gewinner: ganz professionell im "Dienst-Outfit"

21 Verkehrshelferinnen und -helfer traten heute beim Landeswettbewerb an


Bürgermeister Dr. Wolfgang Dippel und Polizeidirektor Lothar Wiese begrüßten die Mädchen und Jungen

Die Atmosphäre wie bei einer Klassenarbeit - 25 Fragen mussten im Wissenstest beantwortet werden


Gar nicht so einfach! Die Reaktionsgeschwindigkeit wurde am Laptop getestet

Beim Rollenspiel mussten typische Alltagsszenen bewältigt werden


Sommerski- funktioniert nur im Doppelpack

Günther Elm war einer der ersten Schülerlotsen, die 1953 ihren Dienst aufnahmen


Bilder von damals...


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