Der gestrige 23. Juli 2005 wird in die Annalen des Golfplatzes Praforst bei Hünfeld (Kreis Fulda) sowie der beiden Golfclubs "Hofgut Praforst" und GC "Hüttenhai" als historisches Datum eingehen. Nach vielen Jahren Wartezeit und Provisorien war es am gestrigen Samstagabend endlich so weit: der futuristisch anmutende Neubau des Clubhauses nach den Plänen des Hünfelder Architekten Charly Möller wurde offiziell eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben. "Das Gebäude nicht in der Landschaft verbergen, sondern es als kompakten Baukörper hineinlegen", sagte der Architekt zu seiner Intention. Knapp 200 Kommanditisten und Gäste hatte der geschäftsführende Golfclub-Präsident Wigbert Biedenbach begrüßen können.
Insgesamt sind es derzeit über 1.500 Mitglieder, in den kommenden drei Jahren soll die Zahl auf 2.100 anwachsen. Dabei setzt Biedenbach seine Hoffnung vor allem auf mehr Firmen- und Sponsorenturniere. Rund 750.000 Euro wurden aufgewendet, um das Projekt am Rande der 27-Loch-Anlage - dem 18-Loch-Meisterschaftsplatz des Golfclubs Praforst und der 9-Loch-Anlage des Golfclubs Hüttenhai - innerhalb von nur vier Monaten zu realisieren.
...den Golfplatz und die Rhöner Berge zu Füßen
Betritt man das Clubhaus vom Parkplatz her, kommt der Besucher in einen Gang, auf dessen linker Seite der gastronomische Bereich seinen Platz hat. Er besteht aus einer Küche und dem Clubrestaurant für etwa 90 Gäste mit Theke und - als Blickfang - einem großen Kamin. Weil das Restaurant überwiegend in Eigenregie betrieben wird, gibt es vorwiegend kleine Snacks.
Wegen der ausgeprägten Saisonunterschiede gibt es keine Verpachtung - und bei Turnieren übernimmt die Fuldaer Firma "Zuspann a la Carte" die Bewirtung. Von der zusätzlichen 250 Quadratmeter großen überdachten Terrasse schweifen die Blicke der Besucher nicht nur auf den Golfplatz, sondern auf die am Horizint fast wie gemalt präsenten Berge der Rhön und des Hessischen Kegelspiels.
Auf der rechten Seite des Eingangs hat der "Pro Shop" mehr Platz gefunden und bietet "Alles, was zum Golfen gehört". Der Rest der 350-Quadratmeter-Fläche - so Clubsprecherin Alexandra Lueg - wird für Sekretariat und Büroflächen genutzt. Und im "Keller" gibt es ausreichende Flächen für Bagschränke, Technik, Golfcarts und Trolleys.
Doch die größte Überraschung bietet ganz sicher die Optik des Clubhauses mit dem auslaufenden markanten Dachdreieck. Für Architekt Charly Möller von OMW Architekten aus Hünfeld-Mackenzell soll das Haus mit großen Glasflächen "eine Hülle sein, die dem Ziel dient, den Golfsport weiterzuentwickeln".
Wörtlich beschrieb Möller seine Überlegungen zum Konzept des Clubhauses wie folgt: "Mein geistiger Anspruch an dieses Gebäude ist, sich einer veralterten Meinung zu widersetzen und eine selektive Ordnung der Grammatik in diese Architektur zu interpretieren, damit sie ablesbar wird. Dieser geistige Anspruch sollte scharf, fast unerbittlich und den Landschaftsraum verpflichtet sein, der in jeder Hinsicht als >Grenzraum< zu verstehen ist.
Das >Engagement als Verpflichtung< verstehe ich vor allem der Stadt gegenüber, die sich nicht selbstverständlich - oder gar selbstfällig - als aufgeschlossene Stadt mit moderner Kultur geben kann, in der viele Kollegen noch eine provinzionale Architektur in unserem Umfeld entstehen lassen.
Durch meine gezielte Zusammenarbeit mit Künstlern und Denkern hat Hünfeld zu einer Freizügigkeit geführt, die vergleichbar mit gewohnten Verhältnissen anderer Städte und Regionen als exterritoriales Gebiet erscheinen lässt. Dennoch ist bei unserem Clubhaus die Bescheidenheit im Bezug auf die Umgebung deutlicher denn je, weil wir dem Landschaftsraum (Waldsaum) als Thema für unser Gebäude - ökologischer Holzbau, der im rauen Klima der Vorderrhön standhalten muss - gerecht werden wollten."
Das neue Clubhaus wurde mit einer Kantenlänge von ca. 40 m entlang der Detlev-Rudelsdorf-Allee als Rücken zur Waldkante und Eingangszone entwickelt. Das dreiecksförmige Dach hat eine diagonale Kantenlänge von 52 Metern und öffnet sich zum Abschlag 1 und Driving - Range hin. Diese Dachfläche bildet zum einen den Schattenplatz in Teilbereichen von der Terrasse, als auch die notwendigen Funktionen innerhalb des Gebäudes mit Clubraum, Pro Shop, Sekretariat, Büroflächen und einer kleinen Küche mit entsprechenden Sanitärräumen.
Erstmals Holz-Beton-Verbundkonstruktion in Hessen
Die Dachkonstruktion ist in dieser Form das erste Gebäude in Hessen, das in Holz-Beton-Verbundkonstruktion hergestellt wurde. Diese Bauweise ist eher von den Gebäuden in Österreich und der Schweiz bekannt, wo größere Spannweiten bei Seilbahnstationen etc. überwunden werden. Durch diese Bauweise gibt es im Sommer ein hervorragendes Raumklima im Inneren des Gebäudes bedingt durch die extensive Grünfläche auf der Dachhaut, die gleichzeitig die 19. Spielbahn als gemeinsamen Treffpunkt darstellen soll.
Der ganz besondere Dank des Architekten ging an die Handwerker und hierbei besonders an die Herren Haupt und Faust von der Firma dob - Hünfeld, die den "fantastischen Kamin" im Innenbereich mit Design-Hilfe der Architekten für Werbezwecke mit geringer Aufwandsentschädigung (Materialkosten) zur Verfügung stellten. Die Kaminskulptur "mit wunderschöner Granitplatte" verleihe dem gesamten Ensemble im Innenraum das i-Tüpfelchen. Selbstverständlich hätten auch alle Handwerker zusätzlich zu Ihrer Auftragsleistung noch kostenneutrale Leistungen für den Golfclub erbracht, sagte Möller.
Und so ein Ereignis musste natürlich auch mit einem exzellenten Dinner gefeiert werden, das weit über die sonst normalen Snacks hinausging. Die Mannschaft vom Fuldaer Partyservice WITZEL - Inhaber Kai Möller - hatte sich extrem "ins Zeug gelegt" und einen ausgezeichneten Mix von asiastischen und italienischen Spezialitäten geboten: gebackene asiatische Köstlichkeiten als Dim-Sum, Auberginen und Zucchini im Weinteig gebacken, kleine Frühlingsrollen, gebackene Garnelen sowie Antipasti, ein Tomaten-Mozzarella-Cocktail oder vitello Tonnato an Thunfischsauce mit Mailänder Würzfleisch. Weiterhin Crispy vegetables, tangra chicken und Sea food with vegetables - alles direkt aus dem Wok, natürlich mit Beilagen und Dips sowie als Dessert Früchtefilets der Saison mit Amaretto-Sabayone. +++