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Seit einem Dreivierteljahr trainiert Pfarrer Stefan Bürger für den Berlin-Marathon - Bilder: Max Colin Heydenreich

Jede freie Minute wird für das Training "freigeschaufelt". Selbst die Fragen der Redakteurin wurden beim Laufen beantwortet.

26.08.05 - Fulda

Schwitzen für die Kirche - Pfarrer Stefan BÜRGER trainiert für Marathon

Zwei Dinge hat sich der Fuldaer Pfarrer Stefan Bürger nie wirklich zugetraut: den Beruf des Pfarrers auszuüben und einen Marathon zu laufen. Inzwischen ist Bürger, der aus Kassel stammt, seit sieben Jahren Pfarrer in der Kreuzkirche in Fulda-Neuenberg und am 25. September wird er gemeinsam mit 40.000 Läufern beim Berlin-Marathon starten. Ermutigt durch Familie und Freunde, überzeugt von seiner Fitness und im Glauben an Gottes Beistand will sich Bürger der extremen Belastung stellen. Dabei verbindet der 37-jährige Familienvater Profession und sportliches Engagement auch noch für einen guten Zweck: Der Pfarrer schwitzt für seine Kirche.

Bürger nutzt die Öffentlichkeit, die er als „Marathonpfarrer“ erregt und sammelt Spenden für den Umbau der Kreuzkirche. Die Zahl der Gemeindemitglieder hat sich seit 1964 versechsfacht, die Kirche droht aus allen Nähten zu platzen. Des Pfarrers Ziel: 40.000 Euro Spenden zu sammeln. Ein ehrgeiziges Unternehmen. Bislang sind knapp 11.000 Euro ins Spendensäckel gewandert. Bei der Definition seiner sportlichen Ziele hält Bürger sich weitaus bedeckter. Auf die Frage, was er sich für Berlin vorgenommen hat, antwortet er bescheiden: „Ich will ankommen.“

Dabei trainiert Stefan Bürger erst seit einem Dreivierteljahr für den Marathon. Der Zufall half nach. Der Pfarrer hatte sich im Herbst vergangenen Jahres an einer Ausschreibung der hiesigen Lokalzeitung beteiligt. Gesucht wurde ein Freizeitläufer, der auf den Berlin-Marathon vorbereitet werden sollte. „Eigentlich habe ich nur aus Spaß mitgemacht und überhaupt nicht damit gerechnet, ausgewählt zu werden“, erzählt Bürger. Umso größer war die Überraschung als seine Frau im Oktober die Nachricht der Redaktion auf dem Anrufbeantworter hörte.

Bürger: „Ich dachte sie erzählt Quatsch. Marathon war doch nie ein Thema für mich.“ Bis dato war der Pfarrer ein Freizeitläufer. Eine Stunde am Stück durchzuhalten - kein Thema. Doch im November wurde es ernst. Nach einem medizinischen Check-up begann das Training. Kondition und Kraft wurden systematisch aufgebaut. Ein Trainingsplan von einem bekannten Triathleten erstellt. Im Hintergrund ein Netzwerk von Ärzten, Physiotherapeuten und Sportausstatter.

Inzwischen läuft der Pfarrer vier mal in der Woche. Zwischen einer und drei Stunden dauern seine Trainingseinheiten. Bürger fühlt sich fit und ausgeglichener seitdem er regelmäßig trainiert. „Ich bin ein Stück zufriedener, nehme mir mehr Auszeiten und kann beim Laufen gut über bestimmte Dinge nachdenken“, erzählt er. Doch Marathon ist das Eine, Pfarrer sein das Andere. „Die Leute wollen keinen Pfarrer, der Action macht und nur durch die Gegend läuft. Die Leute wollen einen Pfarrer, der ihnen etwas vom Glauben geben und helfen kann.“

Bürger sieht eine seiner Stärken im Umgang mit den Menschen. „Ich komme mit den meisten sehr gut aus“, sagt er selbst. Vielleicht liegt es auch daran, dass man ihn nicht auf den ersten Blick in die Schublade „verstaubter Kirchendiener“ stecken kann. Jung, dynamisch, durchtrainiert, mit positiver Ausstrahlung und gesundem Humor gesegnet, soll schon manch einer überrascht gewesen sein, wenn Bürger seinen Beruf offenbarte. Seine Erklärung: „Ich missioniere nicht mit dem Hammer.“ Bürgers Dreifaltigkeit: sich kennen lernen, etwas miteinander teilen, gemeinsam zum Glauben gelangen.

Dass Glaube und Sport nah beieinander liegen können, weiß Bürger spätestens, seit Sohn Malte zu ihm sagte: Papa, du gewinnst den Marathon!“ Ob er sich Gottes Beistand wirklich so sicher ist? Bürger lächelt, erinnert an sein persönliches Ziel ankommen zu wollen und zitiert aus der Bibel: „Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.“ Und das auch am 25. September in Berlin. +++ (Dorit Gutowski)

Weitere Informationen über das Spendenprojekt finden Sie unter http://www.marathon-gottesdienst.de


Am 25.09. startet Bürger in Berlin. Am 4.09. tritt er mit weiteren evangelischen Pfarrern zum Fulda-Marathon an.

Selbst einmal einen Marathon zu laufen, konnte sich der Pfarrer nie wirklich vorstellen.


Früher war Bürger ein Freizeitläufer, heute glaubt er daran, dass der Marathon für ihn zu schaffen ist.

Seine sportlichen Ambitionen verquickt der Pfarrer mit einem Spendenprojekt.


Er sammelt für den Umbau der Kreuzkirche in Fulda Neuenberg...

...und hofft auf viele Spendenwillige, denn insgesamt will Bürger 40.000 Euro sammeln.

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