Dionisio Galpasoro Martinez ist auf der Königsetappe der 24. Internationalen Hessen-Rundfahrt der SparkassenVersicherung am Freitag ein Husarenstück besonderer Güte gelungen. Nach einer Alleinfahrt über 110 Kilometer gewann der Spanier von der Mannschaft Kaiku den dritten Abschnitt der „Tour de Hessen“ von Lütter nach Gießen über 181 Kilometer mit 2:18 Minuten Vorsprung vor seinen Verfolgern Renaud Dion aus Frankreich (Team R.A.G.T.) und Cezary Zamana (Intel-Action).
Der knapp 38 Jahre alte Pole Zamana, in diesem Jahr Siebter des Rad-Klassikers „Rund um den Henninger Turm“, fuhr mit seinem dritten Platz in das Gelbe Trikot des Gesamtführenden. Sein Landsmann Piotr Wadecki (Intel Action) nahm den Verlust des gelben Leibchens gelassen, er fuhr mit einem Lächeln im Gesicht in Gießen mit dem Hauptfeld als 87. und einem Rückstand von 4:55 Minuten ins Ziel.
Zur sogenannten Königsetappe gehörte auch der höchste hessische Berg, die Wasserkuppe, mit einer Bergwertung der 1. Kategorie. Die Zahl der Fahrer reduzierte sich vor der vierten Etappe am Samstag von Gießen nach Lollar über 153,9 Kilometer von ursprünglich 106 Startern auf 95. Das Rennen beendet ist seit Freitag für Sven Krauss (Team Gerolsteiner) und René Obst (Team Wiesenhof). Ins rote BAUHAUS-Bergtrikot fuhr Ludovic Martin (R.A.G.T.), das weiße Sparkassen-Sprinttrikot sicherte sich der Tagessieger.
Völlig erschöpft, aber überglücklich erreichte der 27jährige Spanier Galparoso Martinez das Etappenziel in Gießen. „Ich habe mich gestern sehr schlecht gefühlt, aber ich weiß nicht warum. Deshalb habe ich heute alles gegeben.“ Eine nette Beschreibung dessen, was ihm innerhalb von 24 Stunden widerfahren war: eine Wandlung von Letzten zum Ersten. Denn noch am Vortag war Galparoso Martinez in Fulda nur als Träger der viel zitierten roten Laterne aufgefallen. Ganz anders das Bild in Gießen, wo unter anderen der hessische Innen- und Sportminister Volker Bouffier unter den vielen tausend Zuschauern weilte, die den abschließenden Stadtkurs säumten. Galparoso Martinez hatte die letzten Energien aus seinem Körper herausgeholt, die Stufen zum Siegerpodium erklomm er nur mit Mühe.
Etwas weniger mitgenommen wirkte der neue Träger des Gelben Trikots, Altmeister Cezary Zamana. Mit dem Etappensieg bei der Hessen-Rundfahrt setzte der Pole seine Reihe guter Ergebnisse in diesem Jahr fort: Neben dem siebten Rang beim Henninger-Rennen war Zamana noch Gesamtzehnter der Rheinland-Pfalz-Rundfahrt sowie Etappendritter der Bayern-Rundfahrt. „Wir sind in einer komfortablen Situation und haben ein starkes Team. Zudem waren wir nicht defensiv sondern offensiv, damit haben wir alle überrascht“, sagte Zamana. 1:37 Minuten Vorsprung hat der Pole nun auf seinen Landsmann und Teamkollegen Wadecki als Gesamtzweiten.
Bester deutscher Fahrer ist Christian Knees, der für das Team Wiesenhof fährt. Als 15. hat der Profi aus Meckenheim 2:46 Minuten Rückstand. Ebenso wie die T-Mobile-Profis Torsten Hiekmann und Christian Werner. Der Kasache Sergej Yakovlev ist bislang schnellster T-Mobile-Fahrer (Rang 9/+2:34). Gemeinsam ist allen Dreien, daß sie bei dem Bonner Radstall keine neuen Verträge bekommen werden. Und das Team Gerolsteiner, das im Vorjahr die Hessen-Rundfahrt dominiert hat? Titelverteidiger Sebastian Lang liegt mit 3:33 Minuten Rückstand auf Rang 33. Die Chancen, noch ganz nach vorne zu fahren, sind somit verschwindend gering. Aus der Sicht von Zamana sowieso: „Ich bin kein Zeitfahrspezialist, aber mein Vorsprung sollte reichen.“
Lob aus berufenem Munde kam am Freitag übrigens von Lucien van Impe, dem Tour-de-France-Sieger von 1976 und sechsmaligen Gewinner des Bergtrikots. Der Belgier ist mittlerweile bei dem Team MrBookmaker als Sportlicher Leiter aktiv, bester Fahrer seiner Mannschaft ist Jens Renders auf Rang vierzehn. „Ich möchte der Organisation und dem Streckenchef ein Kompliment machen“, sagte van Impe heute morgen im Tourhotel „Esperanto“ in Fulda.
Die Hessen-Rundfahrt im hr Fernsehen:
Samstag, 3.9. von 17.30 bis 18.00 Uhr
Sonntag, 4.9. von 21.30 bis 22.00 Uhr +++