Vier Tage ist es her, dass Pfarrer Stefan Bürger aus Fulda-Neuenberg (Bild mit einem Spendenscheck) seinen ersten Marathon lief. ("Osthessen-News" berichtete am Sonntagnachmittag). Eigentlich hatte er sich diesen "Extremsport" nie wirklich zugetraut. Jetzt ist er froh, die 42 Kilometer in Berlin bewältigt zu haben. Ob er noch einmal einen Marathon laufen wird? Die Antwort darauf bleibt Bürger (noch) schuldig. Statt dessen berichtet der Pfarrer über den Sonntag in Berlin. Über sein Zwiegespräch mit Gott, das Zwicken in den Oberschenkeln und das Rosinenbrötchen zum Frühstück. Aber lesen Sie selbst...
"Ich habe es geschafft und bin sehr froh darüber. Die letzten Wochen vorher hatte ich wegen der Schmerzen im Bein schon große Sorgen, ob es überhaupt etwas geben wird. Jetzt bin ich um so glücklicher. Berlin ist wirklich eine Reise wert – auch wenn ich am Marathon-Wochenende nicht so viel Gelegenheit hatte, große Sightseeing-Touren zu unternehmen – schließlich sollten ja am Sonntag noch 42 Km bewältigt werden. Am Samstag vorher habe ich sicherlich 5-6 Liter Wasser zu mir genommen, also den Flüssigkeitstank richtig aufgefüllt. Der sog. Frühstückslauf vom Schloss Charlottenburg ins Olympiastadion hat auch schon mal gute Stimmung gebracht.
„Marathon-Gottesdienst“
Gelassenheit und Stärke gab mir die ökumenische Marathon-Abendandacht in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche am Samstagabend. Der evangelische Pfarrer, der selbst viele Male den Marathon gelaufen war, erzählte kurzweilig, besinnlich von seinen Erfahrungen: „Der Marathon muss dein Freund werden, nicht dein Feind sein! Es soll doch auch Spaß machen! --- Setz dich zeitlich nicht unter Druck! --- Gott schaut bewahrend und wohlwollend auf dich herab!“
Der Marathon-Tag
Sonntagmorgen gab´s für mich beim Frühstück um 6.00 Uhr ein Brötchen mit Marmelade und zwei Rosinenbrote mit etwas Butter, dazu einen Cappuccino und diverse Gläser Wasser. Nach Toilettengang, Brustwarzen abkleben, Pulsuhr befestigen und Packen des Sacks zum Umkleiden nach dem Marathon, trafen wir uns um 7.15 Uhr vor dem Hotel. Mit der S-Bahn fuhren wir bis „Unter den Linden“ und reihten uns in die Massen der Läufer ein, um den Kleidersack an der richtigen Stelle abzugeben. Irre so eine Organisation. Es klappte wie am Schnürchen.
Los geht´s
Kurz nach 9.00 Uhr ging es dann los: Wir mogelten uns zwischen zwei Startgruppen, konnten also schon ab Start recht frei laufen, ohne im großen Pulk nur Trippelschritte machen zu müssen. Immer mal wieder dachte ich: Werden die Schmerzen am Knie, an den Oberschenkeln wiederkommen?! Manchmal zwickte es etwas, aber ich konnte es gut aushalten. Die ersten 30 km liefen wir zu zweit, unterhielten uns immer mal kurz, spornten uns an oder überlegten, wann die nächste Wasserstation kommen werde und wir wieder ein Kohlenhydrat-Gel „einwerfen“ sollten.
Gas geben
Nach 31 km lief ich allein weiter und gab, weil ich noch Kraft hatte, richtig Gas. Mein Puls ging von 145-150 auf 150-160 Schläge rauf. Jetzt begann ich viele Läufer zu überholen. Das Training und die gute Begleitung durch das Netzwerk zahlte sich jetzt aus. Auch die einen immer wieder anspornenden Zuschauer, die Trommelgruppen, die riesige Stimmung machte mir Mut. Besonders aber, dass bei verschiedenen Stationen meine Familie stand und mich abklatschte und anfeuerte. So auch bei 35 km. Sascha Wingenfeld lief hundert Meter mit mir, fragte nach meinem Befinden, ob ich Krämpfe o.ä. hätte und als ich verneinte, rief er mir zu: „Dann gib jetzt noch mal Gas!“ Jetzt lief ich bei 160-165 Pulsschlägen. Es war grandios, denn es ging noch etwas. Bald war das Brandenburger Tor zu sehen. Beim Durchlaufen war ich beinahe zu Tränen gerührt, dachte an meine Familie, die mich ein Jahr manchmal entbehrt hatte, und doch so lieb unterstützte.
Danke
Geschafft! Herrliches Wetter! Innerlich ein Dankgebet: Danke Gott, du hast mir Kraft gegeben! „Alle, die auf Gott vertrauen, bekommen neue Kraft!“ Dieses Bibelwort, was auf meinem Laufshirt stand, hatte sich mal wieder bewahrheitet. [Ein Läufer hatte mir während des Laufs zugerufen: „Ich vertraue lieber auf mein Training!“ Natürlich habe ich auch gut trainiert, aber trotzdem weiß ich um den begleitenden und kraftgebenden Gott. Das braucht sich doch nicht ausschließen, oder?! Ein anderer klopfte mir laufenderweise auf die Schultern und rief: „Das ist mein Trauspruch!“ Und er lächelte dabei. Schön Erfahrung!]
Erster und letzter Marathon?
Schon bald kommen die Fragen: „Wirst du wieder Marathon laufen?!“ Zunächst die Antwort: „Heute nicht mehr!“ Und später? „Wohl eher nicht – aber man soll nie nie sagen. Weiterlaufen werde ich sicherlich, bestimmt auch mal den einen oder anderen Halbmarathon.“
Danke allen, die mich (auch in diesem Lauftagebuch) begleitet haben. Man sieht sich – vielleicht beim Laufen …" Stefan Bürger +++