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22.10.05 - Nieder-Moos

Letzte "Volkszählung": 120 Zentner Fische - und seltene Flusskrebse

Ein ganz und gar ungewöhnliches Ereignis passierte heute am Nieder-Mooser See bei Freiensteinau im Vogelsberg: die möglicherweise letzte "Volkszählung" der Seebewohner. Und es waren mächtig viele: rund 120 Zentner haben die Männer und Frauen des Angelsportvereins Lauterbach (AVL) mit riesigen Keschern aus der teilweise braunen Brühe beim Auslauf herausgeholt. Zurück in den Nieder-Mooser See kommen die Tiere nicht, denn nach etwa zwei Jahrzehnten ist der Pachtvertrag ohne Verlängerung ausgelaufen. Die Tiere kamen jetzt zur "Zwischenlagerung" in kleinere Teiche bzw. direkt in die vereinseigenen AVL-Gewässer. Der Besitzer - dem auch der nahegelegene Campingplatz gehört - möchte mit Hilfe eines Biologen versuchen, die alljährlich auftretenden Massenalgen einzudämmen. Dies ist wichtig, denn in Badegewässern muss eine bestimmte Sehweite vorhanden sein.

Nach Angaben der beiden Vereinsvorstände Ralf Reichel und Helmut Schmelz dient in der Regel das Abfischen der Entschlammung der Abwasser- und Flutwege in der Seemitte, zur Kontrolle des Fischbestands auf mögliche Krankheiten sowie auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Raub- und Futterfischen. Als Gewässerpächter des 36 Hektar großen Niedermooser-Sees war der AVL auch gesetzlich zum Abfischen alle drei bis vier Jahre verpflichtet.

Nachdem der See in den vergangenen vier Wochen langsam fast leergelaufen ist, wurden heute mit Hilfe einer speziellen Ablaufrinne die Weißfische, Hechte, Karpfen, Zander, Aale und Forellen mit bis zu 20 Pfund Gewicht und einem halben Meter Länge mit Keschern eingefangen. Sechs Tonnen geschuppte Bewohner - darunter auch ein 25 Pfund schwerer und sehr seltener Marmorkarpfen - wurden ausquartiert. 30 Helfer vom Angelsportverein Lauterbach leisteten stundenlang Schwerarbeit und fingen die zappelnden Tiere ein. Trotz schlechten Wetters kamen mehrere hundert Zuschauer zu dem Spektakel. Überraschungen gabs auch: fast 200 europäische Flusskrebse wurden entdeckt. Die Tiere landen aber nicht im Kochtopf: sie wurden - wie auch die meisten Fische - in Vereinsgewässer umgesetzt. +++




















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