Hoffnungen gab es, doch am Ende überwog die Frage "Warum?" Gestern abend um 22.15 Uhr gab es in der Fuldaer Wilmington-Halle bei den heimischen Tischtennis-Fans nur betretene Gesichter. Ihr TTC RhönSprudel Fulda Maberzell hatte gegen die vermeintlich schwächere SIG Combibloc Jülich/Hoengen mit deutlichen 3:6 verloren. Die 500 überwiegend eigenen Fans dürften diese Begegnung der 1. Herren-Bundesliga möglichst schnell abhaken, denn in der fast dreistündigen Begegnung lief sehr viel schief. Von einem Weg aus dem derzeitigen "Tal der Tränen" - wie es der Vorstand nannte - muss noch viel getan werden.
Die Doppel und ein starkes hinteres Paarkreuz waren die Hauptgaranten für den ersten Saisonsieg von SIG Combibloc Jülich/Hoengen bei Aufsteiger TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell. Der Pole Tomasz Krzeszewski kam bei seinem zweiten Einsatz nach der langen Verletzungspause zu seinen beiden ersten Einzelsiegen und blieb dabei sogar ohne Satzverlust. Thomas Keinath punktete an seiner ehemaligen Wirkungsstätte gegen Jörg Schlichter und "klaute" zusammen mit Lars Hielscher das Doppel gegen Waldner/Feng nach einem 0:2-Satzrückstand noch mit 12:10 im fünften Satz.
Einen weiteren Zähler steuerte Lars Hielscher mit seinem glatten Erfolg über Feng Zhe bei. Da half es den Gastgebern auch nichts, dass sich der schwedische Star Jan-Ove Waldner stark verbessert zeigte und neben Hielscher erstmals auch seinen "Angstgegner" Marek Klasek bezwang. Jülich/Hoengen darf nach dem ersten Saisonsieg erstmal ein wenig durchatmen, zumal man prompt die Abstiegsplätze verließ.
Für Fulda-Maberzell indes wird es nach der zweiten Niederlage in Folge gegen einen Konkurrenten um den Klassenerhalt eng. Das Spiel am Samstag zeigte erneut, dass der Ausfall des verletzten Meng Qing Yu doch nicht zu kompensieren ist. "Es sieht wohl so aus", bestätigte Trainer Hans-Jürgen Fischer, der – auch dadurch bedingt – "große Probleme im Doppel" sieht: "Wenn du 0:2 zurückliegst, nagt das am Nervenkostüm." Jülich/Hoengens Klubchef Arnold Beginn konnte zufrieden sein: "Meine Einschätzung, dass wir im unteren Paarkreuz ein Übergewicht haben müssten, hat sich bestätigt. Ich wusste schon immer, wenn die Mannschaft komplett ist, spielt sie nicht gegen den Abstieg."
Begonnen hatte es mit den verlorenen Doppel. Schlichter / Dziubanski unterlagen Klasek / Krzeszewski mit 1:3 (11:9 - 7:11 - 8:11 - 4:11) und dann ebenso das Fuldaer Spitzen-Doppel Waldner / Feng gegen Hielscher / Keinath im fünften Satz mit 2:3 (12:10 - 11:5 - 2:11 - 7:11 - 10:12). Die beiden folgenden Einzel holte sich der TTC durch Waldner - Hielscher (3:1) und Feng - Klasek (3:2). Lediglich Waldner war es dann im Einzel gegen Klasek vergönnt, doch einmal für Fulda zu punkten. Die anderen Einzel: Schlichter - Keinath (2:3), Dziubanski - Krzeszewski (0:3), Feng - Hielscher (0:3) sowie Schlichter - Krzeszewski (0:3). Nach Bällen stand es am Ende 306:349 für die Gäste und bei den Sätzen 14:21. Auch das macht die Überlegenheit von Jülich/Hoengen deutlich.
"Dann müssen wir die Niederlage halt in der Rückrunde wieder gutmachen" orakelte der 2. Vorsitzende des TTC, Claus-Dieter Schad. Mit SIG Combiblock Jülich/Hoengen präsentierte sich eine Traditionsmannschaft in der Wilmingtonhalle, die trotz zu Anfang der Saison stark ersatzgeschwächt, bisher beachtliche Ergebnisse geliefert hatte - und gestern abend bei einer Idealbesetzung - wie vorher befürchtete - "das Schlimmste in dieser Situation" für Fulda hinterließ: eine Niederlage.
Schon im Vorfeld hatte der Vorstand von einem "Schicksalspiel, das richtungsweisend sein kann" gesprochen. Jetzt setzt der TTC allerdings optimistischerweise weiter auf den Klassenerhalt. Wörtlich heißt es dazu auf der Internetseite des TTC: "Fulda braucht eine erstklassige Bundesligamannschaft, der Besuch unserer Heimspiele zeigt es, die Begeisterung der Fans ist da, "tabletennis is coming home!" Ungeachtet der momentanen Probleme wird sich der geschäftsführende Vorstand in Kürze wieder an die Arbeit machen und mit der Planung für die neue Saison beginnen und zwar erstklassig.
Dieser Verein, mit seinen tollen Fans und seiner bravourös arbeitenden Vorstandstruppe und den vielen ehrenamtlichen Helfern, hat es verdient, in der höchsten Spielklasse des Tischtennis zu sein und zu bleiben. Wir stehen, davon sind wir überzeugt, erst am Anfang einer sportlichen Erfolgsstory, die es uns ermöglichen wird, uns auf längere Zeit in der 1. Tischtennisbundesliga zu etablieren. Feiern wir doch im Jahre 2008 unser 50-jähriges Vereinsjubiläum, bei dem wir mit Stolz auf eine erfolgreiche Vereinsgeschichte zurückblicken werden."
HÖREN SIE auch das Interview mit TTC-Manager Stefan Frauenholz. BITTE OBEN KLICKEN. +++