Nach der gestrigen 1:3 Niederlage gegen Baunatal II ist der langjährige Trainer des Fußball-Landesligisten TSV Lehnerz, Karl-Josef "Kalle" Müller, mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Wer wird Nachfolger und wie geht es mit dem Verein weiter? Große Führungskrise in Lehnerz, wo - so wurde der Redaktion berichtet - der Vereinsvorsitzende Uli Dehler sich seit Wochen nicht mehr bei einem Spiel seiner 1. Mannschaft habe sehen lassen. "Wir haben vielleicht die besten Einzelspieler der Liga, aber das macht eben noch keine beste Mannschaft aus" war zu hören. Offenbar steht der TSV Lehnerz vor der schwersten Führungskrise seiner Vereinsgeschichte.
"Der Trainer ist nach dem Spiel gegangen, vom Verein hatte niemand die Möglichkeit, mit ihm zu sprechen" erklärte heute Nachmittag der Lehnerzer Pressesprecher Edgar Wager gegenüber "Osthessen-News". Offenbar habe "Kalle" erkannt, dass er die Mannschaft mit seinen Anweisungen "nicht mehr erreichen kann". Es sei doch offensichtlich, dass die Spieler nicht mehr das gemacht hätten, was der Trainer sage.
Trainer Müller habe immer auf körperliche Fitnes viel Wert gelegt, aber ein "zuviel" an Training sei auch kontraproduktiv, meinte Wager. Ganz offenbar habe "Kalle" nicht nur ein taktisches Konzept gefehlt, sondern auch eine gehörige Portion Eigenkritik, anstatt die Ursachen immer nur bei Anderen zu suchen.
Der Trainer habe wunschgemäß am Anfang der Saison neue Spieler zur Verstärkung bekommen. "Wir haben in Lehnerz wahrscheinlich die besten Einzelspieler der Liga - aber die machen halt noch lange keine gute Mannschaft" sagte Wager weiter. "Das tut schon weh". Nach der gestrigen Niederlage sei die Mannschaft über eine Stunde lang nicht aus der Kabine gekommen, so deprimiert seien die Spieler gewesen.
"Es ist ein Armutszeugnis, dass der Vorstand nicht schon vor Wochen reagiert hat" gestand Wager ein. auf die Frage nach den Ursachen sprach er ganz offen von einer "Führungskrise". Seit Wochen habe sich der Vorsitzende Uli Dehler nicht mehr auf den Platz bei den Spielen sehen lassen. Jetzt hat der Trainer mit seinem Abgang die notwendige Entscheidung selbst in die Hand genommen.
Grundsätzlich will der Lehnerzer Pressewart die Meisterschaft "nicht abschreiben", denn eine Differenz von 13 Punkten "ist einholbar". Doch dazu brauche man eine richtige Mannschaft und einen guten Trainer.
Wie es jetzt weitergeht ist eher unklar. Laut Wager muss am morgigen Montag beim Training ein Übungsleiter präsentiert werden. "Wir werden mit Oliver Starke, dem Trainer der 2. Mannschaft reden, ob er sich das zutraut". Es bleibe nach dem Weggang des alten Trainers die Frage, "ob die Mannschaft jetzt Charakter zeigt". Schließlich gäbe es noch drei Spiele bis zur Winterspause - "aber die müssen wir auch erst mal gewinnen" meinte Wager im Redaktionsgespräch.
Auch auf der Internetseite des TSV Lehnerz (www.tsv-lehnerz.de) schlägt sich die spielerische Lage des Vereins in Eintragungen des Gästebuches wieder. "KALLE DU PFEIFE WARUM BIST DU NACH DER NIEDERLAGE GEGEN BAUNATAL EINFACH ABGEHAUEN:FÜR SO EINE DESOLATE LEISTUNG HAST DU ES NICHT VERDIENT TRAINER DER1: MAN. ZU SEIN:::UND NEHM BITTE DEINE GURKEN AUS HÜNFELD GLEICH MIT " schreibt einer. Andere haben da wohl mehr Mitgefühl: "Das war wohl nix, bis zur Rückrunde, seid trotzdem ganz nette Kerle" und ein Dritter vergleicht die Internet-Website des Vereins mit der sportlichen Lage: "Die Homepage ist genauso traurig, wie die gesamte Vereinssituation". +++