Der "Premierentag" ist vorbei und nun kommt der Erfolg in Fahrt - beim gestrigen Weihnachtsmarkt der TSG Lütter wurde der neue Kalender "Fußball ist schön..." beim Erstverkauf sehr positiv beurteilt. Viele Besucher waren von der Qualität der Fotos und dem künstlerischen Stil mehr als angetan. Vor diesem Termin hatte es eine gewisse Kribbelspannung bei der der "Turn- und Sportgemeinschaft 1922 Lütter e.V." aus dem Eichenzeller Ortsteil Lütter (Kreis Fulda) gegeben - wegen des ungewöhnlichen Inhalts des großformatigen Kalendariums für 2006.
"osthessen-news" berichtete vor einer Woche als erstes Medium über diese besondere Aktion des Sportvereins, die vom Team des Fuldaer Fotodesigners Walter M. Rammler umgesetzt und vom Hauptsponsor der TSG, der Förstina Sprudel, teilweise unterstützt wird.
18 Fußball-Spieler der 1. und 2. Mannschaft haben sich nackt fotografieren lassen - am Netz, mit Torwarthandschuhen oder Handtuch, beim Dribbeln oder der Ballannahme. Künstlerisch, aber ohne den Kopf der Männer zu zeigen. Die Torso-Fotos in dem Hochglanzprodukt - schwarz-weiß abgebildet mit Farbakzenten - machten schon bei ihrer ersten öffentlichen Präsentation Furore: die - im übertragenen und wörtlichen Sinn - "Akt-eure" wurden von Radio (Privatsender FFH) und Fernsehen (Hessischer Rundfunk) interviewt. Und die Journalisten fragten auch die Besucher des Weihnachtsmarktes nach ihrer Meinung.
"Nackte Tatsachen" am Weihnachtsmarkt: Brust raus fürs Fernsehteam
Es spricht für Bodenständigkeit und Selbstbewusstsein der Lütterer, dass sie sich von dem Medieninteresse nicht ihren gemütlich-familiären Weihnachtsmarkt umkrempeln ließen. Und die Ansprüche des Fernsehteams waren schon deutlich: man ließ extra eine "Fotografier-Szene" im Bürgerhaus nachstellen und war wohl auch dafür verantwortlich, dass sich drei Sportler-Models trotz winterlicher Temperaturen am Verkaufsstand mit nacktem Oberkörper plus Nikolausmütze aufbauten. "Ja ja, die Presse..." war da ein Stoßseufzer zu vernehmen. Doch die Vereinsführung möchte ja auch, dass der Kalender ein Erfolg wird - der Erlös nach Abzug von Produktionskosten soll der Vereins- und Jugendarbeit zugute kommen.
Außer den Fotomodellen und den "Ideengebern" der ungewöhnlichen Vereinsförderung - Maike Braun, Marco Bieber und Marc Michel - war auch der Fuldaer Fotodesigner Walter M. Rammler vor Ort. In seinem Studio in Fulda sind die ästhetischen und raffinierten Aktbilder entstanden - gestaltet und aufgenommen von Rammler und Mediendesignerin Maike Braun, die bei ihm arbeitet. (Die Entstehung des Projektes können Sie auch unter dem Datum 5.Dezember bei "osthessen-news" im Artikel "Runde Bälle und nackte Tatsachen..." nachlesen - dazu Archivfunktion nutzen und auf Feld "Dezember" klicken, dann wird der gesamte Monat angezeigt).
Andere Angebote des "kleinen, feinen Marktes" standen etwas im Schatten
Wer gestern eine Runde über den "kleinen, aber feinen" Markt auf dem Bürgerhausplatz drehte, konnte neben der obligatorischen Bratwurst mit Pommes oder Glühwein auch sportlich passende "Balla Balla-Suppe" (hausgemacht mit Tomaten, Porree und Hackfleisch-Bällchen) genießen und originelle Weihnachtsdeko, selbstgestrickte Schals oder Puppenkleidung erstehen. Für diese Eigenproduktion haben die 18 Frauen der Gymastikgruppe der TSG seit dem Sommer ideenreich Handarbeiten und Basteleien gearbeitet. Ein wenig standen die anderen Angebote im Schatten der Sonderaktion - denn natürlich kam niemand um dem Kalender-Verkaufsstand herum. Dafür war ein Trainingstor umfunktioniert und mit einigen der Fotos geschmückt worden. Cirka 50 Kalender wurden hier gestern verkauft, zum Stückpreis von 15 Euro.
Fußballer-Models freuten sich über Lob: "Tolle Sache" oder "Schöne Bilder"
Teilweise standen die Spieler, die sich ebenso hüllenlos wie kopflos ablichten ließen, selbst am Verkaufsstand. Ist das nicht merkwürdig? Und wird man nicht dauernd gefragt: wer ist wer? "Stimmt", sagte Marc Michel. Er selbst war vor Marktbeginn "etwas nervös" wegen der Frage, wie der Anklang wohl ist, konnte sich aber schnell entspannen. "Die Meinungen sind sehr positiv. Auch ältere Herrschaften haben gesagt: Das sind aber sehr schöne Bilder", erzählt der 26-jährige. Das Lob für die "tolle Sache" habe natürlich gefreut. "Aber überwinden musste man sich schon, sich selbst herzustellen", sagt Michel, der auf der Position "Stürmer" spielt. Es hat ihn aber "nicht genervt", dass "natürlich" die häufigste Frage lautete: "Und welcher bist du?"
Reaktionen beim weiblichen Publikum: Kichern, Rätseln, Staunen
Die Aufklärung über das visuelle "Who is who" schien gestern vor allem die Frauen zu beschäftigen. In den ausgelegten Exemplaren des Kalenders wurde heftig geblättert und waren die Betrachterinnen zu mehreren, auch ordentlich gekichert. Als Besucher des Marktes bekam man auch allerlei Fragen und Gespräche mit: "Wer ist denn Mr. Oktober? (auf die zugeraunte Antwort) "...nein, das gibts ja nicht". Oder zwei junge Damen überlegten halblaut: "Wer ist denn das wohl, der hat einen leichten Bauchansatz." - "Aber nur ganz wenig..." - "Ob das der ... ist?" - "Weiß nicht - auf jeden Fall hat er einen schönen Körper... "
Vermutlich ist in Lütter spätestens heute Abend "durch", wer denn nun welche Position im Kalender besetzt. Angesichts der absehbaren öffentlichen - vor allem weiblichen - Neugier, erweist sich das Engagement der Fotomodelle als mutig. Bleibt abzuwarten, welche Resonanz der Fernsehbericht heute Abend im hessen fernsehen (18 Uhr im Boulevard-Magazin "Maintower") noch bringt. Berühmt werden wollen die Jungs von der TSG eigentlich nicht - aber vielleicht hilft eine mediale Popularität ja, die 500 Kalender-Exemplare zu verkaufen und so die Finanzen des Vereins aufzubessern. +++