"Ich will in Zukunft noch mehr reisen und meine internationale Vortrags- und Forschungsarbeit intensivieren. Das lässt sich mit der Arbeit als Chefarzt der Klinik für Thorax- und Herzchirurgie nicht gut vereinbaren", sagt Professor Thomas Stegmann zu seinem Abschied vom Klinikum Fulda. Der Vertrag des renommierten Herzspezialisten wird "in beiderseitigem Einvernehmen" zum 31.März 2006 aufgelöst, bestätigte auch der Medizinische Vorstand des Klinikums, Professor Robert-Matthias Goerig heute auf Anfrage von Osthessen-News.
Gab es interne Querelen oder andere "heimliche" Gründe für den Weggang des auch international bekannten Herz- und Gefäßspezialisten? "Nein", sagt Stegmann, "ich glaube, die hätten mich ganz gerne hier behalten, denn die Herz-Chirurgie ist ja ein Zugpferd des Klinikums". Er müsse aber nicht bis zum 65. Lebensjahr im OP stehen, um dann im Ruhestand sofort einen Herzinfarkt zu bekommen.
Neues Leben "...nach der Chirurgie"
"Irgendwann ist mal Schluss. Es gibt ja noch ein Leben nach der Chirurgie", sagt der 59-Jährige. Durch die Gesundheitsreform sei noch ein ungeheurer Wust an Bürokratie zusätzlich dazugekommen, den lasse er gern hinter sich, resümiert Stegmann.
Ohne unbescheiden sein zu wollen, sei sein Weggang als Verlust für das Klinikum zu werten. Schließlich habe er die die Abteilung in den vergangenen 21 Jahren praktisch aus dem Nichts aufgebaut. Er sei bereits gefragt worden, ob er nicht anderswo ein großes Herzzentrum übernehmen wolle. Auch ein Angebot als Gefäßspezialist habe er bekommen. "Sowas spricht sich ja schnell rum unter Medizinern". Über die Angebote habe er aber noch nicht entschieden, sagt der 59-Jährige. Er bleibe jedenfalls in Petersberg wohnen.
Mit der ersten Herz-Transplantation "Weltnieveau erreicht"
Professor Stegmann hat während seiner Tätigkeit mehrfach für positive Schlagzeilen gesorgt: Zweifellos die sensationellste Nachricht des Jahres 1986 aus den Städtischen Kliniken war die Meldung, dass in Fulda die allererste Herzverpflanzung gelungen war und das Krankenhaus damit „Weltniveau" erreicht hatte. In einer knapp dreistündigen Operation hatten Professor Stegmann und sein Team in der Klinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie einem 43-jährigen Familienvater aus dem Landkreis das Herz eines tödlich verunglückten Soldaten eingepflanzt.
Im Oktober desselben Jahres wurde in dem - damals erst gut anderthalb Jahre bestehenden - Herzzentrum bereits die eintausendste Operation am offenen Herzen durchgeführt. 54 Prozent der Patienten stammen aus der Region Fulda und etwa ein Drittel aller Herzoperationen können als „Notfälle" eingestuft werden.
Jährlich fast 5.000 Patienten in der Klinik...
Die Klinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie wurde Anfang 1985 neu am Klinikum eingerichtet. Dadurch konnte das Leistungsangebot des Krankenhaus der Maximalversorgung um die operative Behandlung von Herz-, Thorax- und Gefäßkrankheiten erweitert werden.
Pro Jahr werden hier ca. 800 bis 1.000 Eingriffe mit der Herz-Lungen-Maschine, 800 gefäßchirurgische sowie 400 bis 500 thoraxchirurgische Eingriffe einschließlich Herzschrittmacher- und AICD-Implantationen durchgeführt.
Ca. 2.700 Patienten pro Jahr werden stationär, 2.200 Patienten ambulant behandelt. Seit 1987 ist die Klinik Zentrum für thorakale Organtransplantationen (Herz, Herz-Lunge, Lunge). Mit über 150 Herz- und Lungentransplantationen ist die Fuldaer Herzchirurgie das in Hessen führende Transplantationszentrum. Die Nachsorge erfolgt in der klinikeigenen Transplantationsambulanz. (ci) +++