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Die Krypta in der Sankt Andreaskirche Fulda ist heute geweiht worden - Fotos: Angelstein / Dehnhard

Diözesanbischof Heinz-Josef Algermissen erzählte am Rande auch, dass er die Restaurierungsarbeiten schon verfolgte, als er noch Weihbischof in Paderborn war und zu Veranstaltungen ins benachbarte Bonifatiushaus kam

03.02.06 - Fulda

"Kostbarer Schatz" - Krypta mit Fresken geweiht, Geheimnis enthüllt

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Die Restaurierung der mittelalterlichen Wandmalereien in der Krypta von St. Andreas in Fulda-Neuenberg ist nach rund 15 Jahren Voruntersuchungen und Ausführung jetzt beendet. Die Fresken eines oder mehrerer anonymer Künstler aus dem frühen 11. Jahrhundert sind wegen der in wichtigen Partien gut erhaltenen Malerei einmalig. Nördlich der Alpen gibt es nur noch ein weiteres Beispiel für einen geschlossen ausgemalten Sakralraum aus der Zeit der Ottonen-Kaiser (die zum Weltkulturerbe zählende St.-Georgs-Kirche auf der Bodensee-Insel Reichenau).

Wissenschaftsminister Udo Corts und der Präsident des Landesamts für Denkmalpflege, Professor Gerd Weiß feierten am Freitag mit dem Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen, Pfarrer Winfried Abel und der Gemeinde das Wiedererstehen des lange Jahre durch Feuchtigkeit, Schimmel und Schmutz gefährdeten Kirchenschatzes. Im Anschluss an den Festgottesdienst weihte Bischof Algermissen die Krypta. Die Restaurierung von 1993 bis heute hat insgesamt rund 1,2 Millionen Euro gestostet. Das Land Hessen förderte davon rund 588.000 Euro, Patronatsbaufond und Kirchengemeinde trugen rund 620.000 Euro bei.

Und hier wird das GEHEIMNIS der Krypta gelüftet: die Restautoren stellten bei ihren Arbeiten eine ungewöhnliche Lichterscheinung fest. Hören Sie dazu eine Erläuterung der leitenden Restauratorin Christine Kenner. Diese besondere LICHTERSCHEINUNG können Sie außerdem in unserem Video (ohne Ton) verfolgen. Für das VIDEO auf den oberen Button klicken. Für den AUDIO-BEITRAG auf den folgenden Link klicken:

http://www.osthessen-news.de/Media/av/060125_Kenner(Krypta)fin2.mp3

Wissenschaftsminister Udo Corts sagte heute Nachmittag, mit dem restaurierten Kunstschatz werde der Nachwelt etwas Wesentliches unserer Kultur erhalten: "Die Krypta von St. Andreas in Fulda-Neuenberg ist ein Juwel der Kunstgeschichte, einer der ganz großen kulturellen Schätze unseres Landes.Unser aller Steuergeld ist in der Denkmalpflege gut angelegt". Die flächenhafte Ausmalung des Deckengewölbes, der Wände und der drei Fensternischen der Krypta sei ein einmaliges Beispiel für eine noch vorhandene Gesamtgestaltung aus dieser Zeit. "Sie zeigt hervorragend den Einfluss byzantinischer auf unsere abendländische Kunst", erklärte der Landesdenkmalchef Professor Gerd Weiß.

Fulda besitzt hier einen "kaum messbaren Schatz"

Die Abtei St. Andreas wurde von Abt Richard von Fulda und Amorbach als benediktinisches Nebenkloster gegründet und ist 1023 geweiht worden. Seine Lage auf dem Neuenberg bildete mit weiteren drei Klöstern in der Umgebung symbolisch die Endpunkte eines Kreuzes. Vermutlich liegt es an der barock überbauten Kirche, dass nur wenigen Eingeweihten das Kleinod in der romanischen Krypta bisher ein Begriff war. „Mit dem großartigen Wandschmuck der hiesigen Krypta, besitzt Fulda einen kaum messbaren Schatz aus der Heilsgeschichte des Christentums“, sagte Diözesanbaumeister Burghard Preusler.

Während die Kirche in Neuenberg im Lauf der Zeiten mehrfach zerstört und umgebaut wurde, blieb die Krypta unversehrt erhalten: ein von vier Säulen getragener, gut sechs mal sechs Meter großer und drei Meter hoher Raum unter dem erhöhten Kirchenchor. Die Malereien in den Fensternischen und an den Gewölben zeigen Christusbilder, alttestamentarische Opferszenen, einen Prozessionszug von Engeln sowie Ornamentbänder und Bildnisse gekrönter Figuren. Sie wurden in so genannter Seccotechnik ausgeführt, also auf den bereits trockenen und abgebundenen Putz aufgetragen. Im Lauf der Jahrhunderte verschwanden die Bilder unter bis zu acht Farbschichten und wurden erst 1932 wiederentdeckt und renoviert.

"Vollständig" sind die Malereien nur von weitem - fehlende Stellen sind nicht nachgemalt

Nach einer umstrittenen Restaurierung 1952 verschlechterte sich ihr Zustand in den achtziger Jahren dramatisch. Seit 1994 wurden nun die Überzüge der beiden früheren Renovierungen vollständig entfernt - allein die Freilegung der 60 Quadratmeter bemalter Fläche dauerte fünf Jahre - und die mittelalterlichen Malschichten gefestigt und der Verputz gekittet. Dabei hat man fehlende oder irreparabel beschädigte Stellen nicht nachgemalt, sondern durch „Strichretuschen“ lediglich ausgebessert: Von Weitem hat der Betrachter dadurch einen vollständigen Bildeindruck - aus der Nähe besehen, sind diese Retuschen klar als solche erkennbar. Eine komplette Rekonstruktion, die eine Übermalung der originalen Malereien bedeutet hätte, gibt es nur in der Dokumentation auf Papier.

An dieser Stelle veröffentlichen wir einen umfassenden Bericht der leitenden Restauratorin Christine Kenner IM WORTLAUT. Diese wissenschaftlichen Ausführungen dürften vor allem Kirchenforschern und Historikern viele interessante Aspekte bieten:

Die frühmittelalterlichen Wandmalereien der Krypta von St. Andreas in Fulda-Neuenberg

Als man 1991 aufgrund sich ablösender Malschichten mit Untersuchungsarbeiten an den Ausmalungen der Krypta begann, ahnte keiner der Beteiligten, dass unter den flächenhaften Übermalungen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts einer der wertvollsten Schätze frühmittelalterlicher Wandmalereien nördlich der Alpen verborgen lag und dass dies den Beginn eines langjährigen Untersuchungs- und Restaurierungsprojektes mit dem Ziel der Erhaltung und Freilegung des originalen mittelalterlichen Bestandes darstellte.Die Gefährdung der Malereisubstanz aus dem frühen 11.Jahrhundert durch schädigende Übermalungen der letzten Renovierungen und starker Schimmelbefall bildeten den Ausgangspunkt für die seit über 10 Jahren laufende, umfassende und aufwändige Restaurierung der Wandmalereien, die nun vor dem Abschluss steht.

Für das Verständnis der formalen Gestaltung und technischen Ausführung der Wandmalereien, sowie ihrer Erhaltung, sind die Zusammenhänge mit den Architekturformen, dem Gesamtbau und seiner Gründungsgeschichte sinnvoll. Diese Punkte sind daher den Beschreibungen zur Malerei und ihrer Restaurierung vorangestellt.

Gründung des Klosters St. Andreas

Fulda war seit der karolingischen Zeit eine der bedeutendsten Abtei des damaligen Reiches mit einer berühmten Klosterschule, deren materielle und künstlerische Möglichkeiten sich nicht nur in den vielen hier illuminierten Prachtcodices sondern auch in der Bautätigkeit sowie in der Ausstattung ihrer Kirchen zeigten.

In spätottonischer Zeit erfolgte durch Abt Richard von Fulda und Amorbach (1018-1039) die Gründung des benediktinischen Nebenklosters St. Andreas, das monasterium novum, auf einer westlich von der Abteikirche gelegenen Anhöhe. In den frühen zwanziger Jahren des 11. Jahrhunderts dürfte mit den Bauarbeiten an der Kirche begonnen worden sein. Die Weihe der St. Andreas - Kirche erfolgte im September 1023 durch den Erzbischof Aribo von Mainz. Eine frühe Erwähnung des Klosters findet man in der, um die Mitte des 11. Jahrhunderts entstandenen Vita Bardonis Maior, einer Lebensgeschichte des heiligen Bardo, des ersten Probstes von St. Andreas und späteren Erzbischofs von Mainz. Darin wird unter anderem die Gründung und Auswahl des Klosterstandortes zur Erweiterung des Ensembles der karolingischen Fuldaer Nebenklöster um die dem Salvator geweihte Ratgarbasilika in Form eines Kreuzes beschrieben.

Architektur der Kirche

Trotz der barocken, das heutige Bild bestimmenden Umgestaltung der St. Andreas-Kirche in den Jahren 1764-1768, ist der Grundriss der ottonischen Anlage erkennbar und die alte Bausubstanz im aufgehenden Mauerwerk noch in beträchtlichem Umfang vorhanden. Erhalten haben sich vor allem die Ostpartie mit Krypta und Apsis und die Ostwände der Querhäuser bis zur ehemaligen Raumhöhe. Der große Kirchenbau mit einer Gesamtlänge von cirka 50 m, einer Breite von etwa 23,5 m und einer Höhe von etwa 12 m besteht aus einem einschiffigen gestreckten Langhaus mit ausladendem östlichen Querhaus, an das im Osten die halbkreisförmige Apsis anschließt. Der Bau kann im Innern auch heute noch ganz gut die Ausmaße und steilen Raumdimensionen der ottonischen Gründung vermitteln. Die Architektur des Saalbaues wird im Wesentlichen durch die beiden nahezu gleich großen T- förmig aneinander geschobenen Rechtecke von Lang- und Querhaus dominiert und wirkt aufgrund deren ausgewogener Proportionen schlicht, wodurch wird die harmonische Monumentalität der Gesamtanlage hervorgehoben wird.

Der Chor und ein Teil des sich anschließenden Querhauses sind aufgrund der darunterliegenden, die halbkreisförmige Apsis ausfüllenden Krypta um fünf Stufen erhöht. Zwischen dem nördlichen und südlichen Treppenlauf der Chortreppe befindet sich die erhalten gebliebene confessio-ähnliche Grablege des Abtes Richard (gest.1039), die durch eine Öffnung mit der Krypta verbunden ist.

Architektur der Krypta

Die Krypta ist dem Gründungsbau der Klosterkirche zugehörig und befindet sich unter dem erhöhten Chor. Zu erreichen ist die sie jeweils vom nördlichen und südlichen Querhaus aus über gewinkelte Treppenabgänge, die sich seitlich des erhöhten Chores und der ehemaligen Chorschranken befinden. Man betritt die über vier Rundstützen gewölbte Krypta durch die alten Rundbogenöffnungen. Im Osten des Raumes umschließt das Erdreich die Mauern bis in eine Höhe von 1,60 m. Die ursprüngliche Raumgestalt des frühen 11. Jahrhunderts ist erhalten und wirkt mit einer Länge von ca. 6,3 m, einer Breite von ca. 6,5 m und einer einheitlichen Scheitelhöhe von knapp 3 Metern in ihren Proportionen ausgewogen und harmonisch. Der im Westen rechteckige Grundriß nach Osten hin in einen halbkreisförmigen Abschluss über. Dort befinden sich drei große Fensternischen mit geschrägten Gewänden und kleinen rundbogigen Fensteröffnungen. Die Rundbogenöffnung an der Westwand ermöglicht einen Durchblick und eine räumliche Verbindung zur Grabanlage des Abtes Richard und zum Kirchenraum.

Das Gewölbe wird von vier Säulen auf attischen Basen, mit Polsterkapitellen und überstehenden Kämpfern getragen. Der Abstand der Stützen zueinander ist etwas größer als zu den Umfassungswänden. Auch dadurch wird der von ihnen umgrenzte, fast quadratische Bereich zu dem dominierenden Raumkompartiment der Krypta. Ein gurtloses Kreuzgratgewölbe, das durch die Überschneidung zweier in West-Ost und in Nord-Südrichtung verlaufender Tonnen entsteht, überspannt diesen Bereich. Umfaßt wird er durch Tonnengewölbe, die über den ungegliederten Umfassungswänden und den ihnen zugewandten Säulenseiten ansetzen.

Ausmalung der Krypta

Während der Verputz mit Malereien an den Wänden bei der Renovierung 1932 bis in eine Höhe von ca. 2 m vollständig abgeschlagen wurde, sind an den Gewölbeflächen und in den Fensternischen Wandmalereien vorhanden, die sich in durch Ornamentbänder und Begleitstreifen begrenzte Malereibereiche aufteilen lassen. Sie sind in zwei zeitlich unterschiedlichen Phasen entstanden sind. Die Wandmalereien wurden in Seccomaltechniken ausgeführt, d.h. die Maler arbeiteten mit in einem Bindemittel angerührten Erdpigmenten - im Gegensatz zu dem Werkprozess bei einem Fresko - auf den bereits trockenen Verputz.

Im Zuge der ersten Phase (um 1023 ) erfolgte die Ausmalung der drei Fensternischen, während die übrigen Wand- und Gewölbeflächen weiß getüncht waren. In der nördlichen und südlichen Fensternische befindet sich jeweils ein Christusbildnis mit unterhalb davon an den Nischenwänden angeordneten Szenen aus dem alten Testament zu den Opfern von Kain und Abel, sowie dem Priester Melchisedek. Die Darstellung in der mittleren Fensternische liegt nur noch in Resten vor. Hier hat man sich einen mit erhobenen und ausgebreiteten Armen thronenden Christus vorzustellen.

Zur zweiten Ausmalungsphase (vor 1040) wurden dann die Wand- und Gewölbeflächen mit Ornamentbändern, einem Zyklus von 22 Engeln und Bildnissen von gekrönten, nimbierten Figuren in Medaillons (Personifikationen von Tugenden) verziert und die Malereien der Fensternischen in das Programm integriert. Die Ausmalung der Krypta zur zweiten Phase ist eng an die Architektur gebunden; die farbige Dekoration fügt sich harmonisch in die vorgegebenen Flächen ein und unterstützt dadurch die in der Architektur angedeutete Strukturierung des Raumes.

Architektur und Wandmalereien der Krypta nehmen formal und inhaltlich Bezug auf die im alten Testament beschriebenen Formen und Dekorationen der mosaischen Stiftshütte, dem Bundeszelt, das Mose beim Auszug des Volkes Israel aus Ägypten in der Wüste im Auftrag Gottes hatte anfertigen lassen. Später ging die Stiftshütte in den Tempel Salomos in Jerusalem ein, und auch die im Buch der Könige beschriebene Ausschmückung der Wände mit Engeln findet sich in der Krypta wieder. Darüber hinaus gibt es jedoch auch deutliche Bezüge zu dem in der Offenbarung des Johannes beschriebenen Tempel im himmlischen Jerusalem. In der Projektion des himmlischen Bauwerkes auf die Erde spiegelt sich die Heilserwartung der damaligen Menschen. So werden in der Krypta die Zeiten umschlossen, die Herkunft und Verwurzelung des Christentums im alten Testament, das Erscheinen Christi auf Erden, die in ihren Reliquien anwesenden Märtyrer und Heiligen bis zur zukünftigen Bestimmung der Kirche im himmlischen Jerusalem. Indem man die Gegenwart mit der Vergangenheit und der erhofften Zukunft der Kirche umschloss, versuchte man der Sehnsucht der mittelalterlichen Menschen nach Geborgenheit innerhalb dieser Heilsgeschichte, ihre Hoffnung auf Erlösung und Auferstehung eine bildlich-fassbare Form zu geben.

Entdeckung, Freilegung und Restaurierung der Wandmalereien

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurden die Malereien erstmals komplett mit einer gebrochen weißen Kalktünche abgedeckt. In der Folgezeit bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts erfolgten dann noch acht weitere Anstriche.

Die Entdeckung der mittelalterlichen Ausmalungen unter diesen Überfassungen erfolgte 1932 anlässlich einer umfangreichen Innen- und Außenrestaurierung der gesamten Kirche. Während der sich anschließenden Freilegung und Überarbeitung in den Jahren 1932-33 wurden jüngere Übertünchungen entfernt, die Malereien freigelegt, Ausbesserungen im Verputz und Retuschen in einer wasserlöslichen Temperatechnik ausgeführt. Abschließend überzog man die Oberfläche der Malereien mit einer transparenten Wachsschicht, die zunächst die Leuchtkraft der Farben erheblich steigerte, aber bereits innerhalb weniger Jahre vergraute und die Transparenz verlor. Neben den Arbeiten an den Wandmalereien wurde der Verputz bis in eine Höhe von ca. 2 m abgeschlagen, obwohl sich dort noch Reste mittelalterlicher Malerei befunden haben müssen. Zusätzlich wurden verschiedene Maßnahmen durchgeführt von denen man sich eine Verbesserung der bauphysikalischen Gesamtsituation versprach.

Als in den Jahren 1951-52 umfangreiche Renovierungsarbeiten in der Kirche stattfanden, nahm man sich erneut der Ausmalung an. Die Arbeiten beinhalteten dieses Mal eine Oberflächenreinigung, farbliche Ergänzungen und Übermalungen. Abschließend brachte man auf die gesamten Flächen einen transparenten kaseinhaltigen Überzug auf.

Anlass und denkmalpflegerische Aufgabenstellung der Untersuchungen seit 1991

An den Wandmalereien mußte etwa ab 1988 eine deutliche Verschlechterung des Erhaltungszustandes festgestellt werden, die sich in der Zunahme von aufstehenden Farbschichten und in einer starken Verbräunung der Oberflächen zeigte. Diese Beobachtungen führten 1990 zu der Entscheidung, erste Untersuchungen einzuleiten.

Ziel war es, durch eine die Substanz des Objektes schonende Vorgehensweise möglichst viele Informationen über die Malereien zu erhalten. Aufgrund ihrer künstlerischen Qualität und des umfangreich erhaltenen Bestandes, sowie der Problematik bei der konservatorischen und restauratorischen Behandlung erfuhren sowohl die Untersuchungen als auch die Restaurierungsarbeiten eine intensive kontinuierliche Betreuung von Seiten des Hessischen Landesamtes für Denkmalpflege und der Bauabteilung des Bischöflichen Generalvikariats Fulda, die zusammen mit der Gemeinde Neuenberg die Finanzierung dieser aufwändigen Maßnahme getragen haben. Darüber hinaus wurde, um der überregionalen Bedeutung der Malereien gerecht zu werden, eine Kommission einberufen. Dieser gehören neben den Vertretern der beteiligten Fachbehörden die jeweiligen naturwissenschaftlichen Gutachter, die ausführenden Restauratoren, sowie Experten aus den Bereichen Kunstgeschichte und Restaurierung an. Die Untersuchungen hatten u.a. zum Ergebnis, dass der mittelalterliche Malereibestand in der Krypta in größeren Teilbereichen in einem stark gefährdeten Zustand vorlag, der dringend konservatorische Maßnahmen zur Substanzerhaltung erforderte.

Neben bauphysikalischen Problemen im unteren Wandbereich traten vor allen Dingen Schäden an der mittelalterlichen Malerei in Form von aufbrechenden Oberflächen und pudernden Malschichten auf. Die Schadensursachen bestehen aus einem komplexen Zusammenspiel der unterschiedlichen Materialeigenschaften und der Alterungsreaktionen von Kasein, Wachs und mittelalterlicher Malerei in Abhängigkeit von den innerhalb des Gebäudes zwangsläufig wechselnden klimatischen und bauphysikalischen Bedingungen. Ein weiterer besorgniserregender Zustand war der jährlich im späten Frühling und Frühsommer auftretende massive Schimmelbefall. Als Nährboden diente vor allen Dingen der Kaseinfilm von 1952, jedoch war davon auszugehen, daß ein Teil des Bindemittels der mittelalterlichen Malschicht ebenfalls abgebaut wird.

Aus den Ergebnissen der Untersuchungen der unterschiedlichen Fachdisziplinen zwischen 1991-1994 war deutlich geworden, dass eine vollständige Entfernung der Übermalungen von 1932 und 1952 zu befürworten war, da somit die wesentlichen schadensverursachenden Faktoren für die Zerstörung der mittelalterlichen Malschichten beseitigt wurden und die berechtigte Hoffnung bestand den Zerfallsprozess deutlich zu verlangsamen.

Restaurierung der Wandmalereien seit 1994

Aus bauphysikalischen Gründen wurden die abdichtenden Verputze und der Teeranstrich von 1932 auf den unteren Wandflächen entfernt und ein neuer durchlässigerer Aufbau bestehend aus Kalkmörtelverputz mit einem Kalkanstrich aufgebracht. Als flankierende Maßnahme verlegte man eine Wandheizung unter Putz, die das Raumklima insoweit verbessert hat, dass in den vergangenen Jahren keinerlei Schimmelbewuchs mehr auf den Wandmalereien beobachtet werden konnte.

Die Wachs- und Kaseinübermalungen der Renovierungen des 20. Jahrhunderts auf den Malereioberflächen ließen sich auch nach einer Festigung der mittelalterlichen Malschichten mit unterschiedlichen organischen Lösungsmitteln entfernen, indem man kleine selbstgedrehte Wattestäbchen darin tränkte und damit die Übermalungen vorsichtig unter einer Lupe abtupfte. Verbliebene Reste der jüngeren Kalkungen wurden mechanisch mit dem Skalpell, soweit es ohne Beschädigung der mittelalterlichen Malereien möglich war, entfernt. Diese Freilegungsarbeiten wurden im Frühjahr 2000 fertiggestellt.

Im direkten Anschluß begann man mit der Kittung der Beschädigungen im mittelalterlichen Verputz und den malereitragenden Kalkschlämmen, die man mit speziell für diese Aufgabenstellungen entwickelten Kalkmörteln schloss. Der letzte Arbeitsschritt, eine Beruhigung dieser gekitteten Stellen mit einer zurückhaltenden, feinen Strichretusche steht zur Zeit vor dem Abschluss. Bei einer Schließung der Fehlstellen mit sehr feinen Strichen sind die so behandelten Stellen von Nahem deutlich und als Zutat von heute erkennbar. Von einem entfernteren, dem normalen Betrachtungspunkt aus sind die Striche dagegen nicht mehr zu sehen.

Wurde der Raumeindruck in der Krypta vor Beginn der Restaurierung im Wesentlichen von den flächenhaft vorhandenen gedunkelten und verbräunten Überzügen der Renovierungen des 20. Jahrhunderts bestimmt und wirkte er daher relativ geschlossen - die darunterliegenden mittelalterlichen Malereien waren gleichermaßen schlecht bis gar nicht mehr ablesbar - so präsentiert sich heute dem Betrachter die kräftige Farbgebung des Mittelalters, allerdings durchsetzt mit Fehlstellen und Beschädigungen in den Malschichten, die von früheren Renovierungsphasen und durch die unterschiedlichen Nutzungen des Raumes verursacht wurden. Es stellte sich die Frage nach der Art der Präsentation der Ausmalungen, nach Umfang von Retuschen oder auch Ergänzungen. Verschiedene Überlegungen und Versuche machten deutlich, dass sich selbst mit einer völligen farbigen Schließung der Fehlstellen nicht mehr das ursprüngliche Erscheinungsbild herstellen ließe. Hierzu müsste man in größerem Umfang auf oberflächlich reduzierte Malschichten retuschieren. Das Ergebnis wäre in Teilbereichen eine rekonstruierende Neuausmalung. Diese hätte zwangsläufig einen den historischen Bestand verfälschenden Charakter und ist auch deshalb aus restaurierungsethischen Gründen abzulehnen.

Die Kommission hat sich nach reiflicher Überlegung entschlossen, die Fehlstellen auf die Hintergrundfarbigkeit einzutönen und soweit zu beruhigen, dass sie nicht mehr allzu störend ins Auge fallen, sich in den Vordergrund drängen. Für den heutigen Betrachter kann diese Vorgehens- und Betrachtungsweise, die einen gewissen Mut zur Lücke, zur Akzeptanz von Altersspuren mitsamt den erkennbaren Verwundungen und Verlusten voraussetzt, einen Vorteil bieten: Er weiss, dass alles an vorhandener starker Farbigkeit fast 1000 Jahre alt ist und nicht teilweise bei der letzten Restaurierung hinzu gefügt wurde.

Schadensbilder, Zustand und nicht zuletzt die Bedeutung der Wandmalereien erforderten eine so feinteilige und sorgfältige Vorgehensweise bei den Restaurierungsarbeiten, wie sie sonst nur in der Gemälde- und Skulpturenrestaurierung üblich ist und dies umgesetzt auf knapp 60 qm² bemalte Fläche. Der dadurch entstandene Aufwand war zwangsläufig beträchtlich. Er begründete sich aus dem gesteckten Ziel die heute zur Verfügung stehenden Kenntnisse, Techniken und Möglichkeiten einzusetzen in der Hoffnung dieses fast tausendjährige kulturelle Erbe nicht dem Zerfall und der Zerstörung zu überlassen, sondern an nachfolgende und interessierte Generationen weiter zu geben. Die abgeschlossene Restaurierung ermöglicht erstmals seit 60 Jahren einen durch keinerlei Übermalungen verfälschten Blick auf mittelalterliche Farben und Darstellungsformen. Überlegungen zu einer Einordnung und Bewertung der Wandmalereien in größere Zusammenhänge erhalten damit eine wichtige und neue Basis. So darf den Wandmalereien von St. Andreas in Fulda-Neuenberg aufgrund des umfangreich erhaltenen Bestandes und dessen Qualität eine überregionale Bedeutung zukommen, die Krypta kann zusammen der Kirche St. Georg auf der Insel Reichenau als eines der wenigen Beispiele für einen Sakralraum mit einer nahezu komplett ablesbaren Raumgestaltung aus dieser frühen Zeit gelten.

Die Wandmalereien erlauben nun fundierte Vergleiche mit dem prachtvollen Buchschmuck der fuldischen Klosterschule und die in den vergangenen Jahrzehnten innerhalb der Forschung teilweise in Abrede gestellte Eigenständigkeit und Leistungsfähigkeit des Kunstschaffens im Kloster Fulda zu Beginn des 11. Jahrhunderts erhält eine neue Diskussionsgrundlage. Fragen zur Nutzung, den liturgischen Vorgängen innerhalb der frühmittelalterlichen Krypten, die sich im Wesentlichen bisher unseren Kenntnissen entziehen, lassen sich mit den Überlegungen zur Bedeutung des Dargestellten in St. Andreas von einem anderen Blickwinkel aus stellen.

Die vom mittelalterlichen Menschen in Architektur und Malerei formulierten Aussagen zur Heilsgeschichte, dem Gang der Zeiten, der Herkunft der Kirche und ihre zukünftige Bestimmung haben in diesem Raum eine baulich-fassbare Form erlangt, wurden gleichsam komprimiert. Die Krypta kann dem heutigen und hoffentlich auch zukünftigen Betrachter einen visuellen Eindruck der Weltdeutung und Glaubensinhalte mittelalterlicher Frömmigkeit vermitteln, ganz anders als dies Schriftzeugnisse vermögen. Damit wird sie nicht alleine aufgrund materieller ästhetischer Schönheit, des geschichtlichen Zeugniswertes ein Anliegen des Denkmalschutzes und der Denkmalpflege. +++


Die Krypta liegt genau unter dem Altarraum und ist über eine Treppe zu erreichen

Die wertvollen mittelalterlichen Fresken sind restauriert ...


...und Christine Kenner und ihre Kolleginnen und Kollegen können stolz auf ihre Arbeit zur Wiederherstellung der Malereien sein

Welcher Künstler diese rund 1000 Jahre alten Fresken gemalt hat, ist nicht bekannt


In die Kirche St. Andreas In Fulda-Neuenberg strömten heute Nachmittag..

...viele Ehrengäste und Gemeindemitglieder zur Weihe der Krypta ..


... und dem festlichen Gottesdienst

Pfarrer Winfried Abel konnte...


den Präsidenten des Landesamtes für Denkmalpflege, Professor Gerd Weiß...

... und den hessischen Wissenschaftsminister Udo Corts (Mitte) sowie Fuldas Oberbürgermeister Gerhard Möller (links) begrüßen


Ebenfalls dabei: Diözesanbaumeister Burghard Preusler (1. Bank Mitte) und Stadtbaurätin Cornelia Zuschke (2. Bank, 2. v..inks)...

... und die CDU-Landtagsabgeordneten Margarete Ziegler-Raschdorf und Dr. Norbert Herr (2. Bank, links und Mitte)



Unter den Kirchenbesuchern auch der frühere Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Hamberger (links) und die leitende Restauratorin Christine Kenner (rechts vorn)



Die Weihehandlung des Bischofs wurde von Peter Seipp auf Film gebannt


Pfarrer Winfried Abel erläuterte Bischof Algermissen...

...Details der mittelalterlichen Fresken in der Krypta. "Die beharrliche Frage von Pfarrer Winfried Abel nach dem Original und seiner möglichen Gefährdung führte zu einer Untersuchung des Bestandes wie des Schadbildes ab 1990", sagte Diözesanbaumeister Dr. Preusler zum Engagement des Neuenberger Gemeindepfarrers


Die Bedeutung dieser Raumausmalung mißt sich - laut Preusler - in Alter und Erhaltungszustand sowie der...

...in wichtigen Partien gut lesbaren malerischen Qualität wie auch im Bildprogramm mit den weit bekannteren Beispielen der Insel Reichenau oder auch des Vinschgaus


Dieser Blickwinkel macht die zeitlose Schönheit mittelalterlicher Architektur deutlich -die Krypta ist nach Absprache mit der Pfarrei St. Andreas für Interessierte auch zu besichtigen oder für Gebetskreise und Meditationen zu nutzen (allerdings gehen maximal 30 Leute gleichzeitig hinein)

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