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05.05.06 - Region

Jagdverband: Das Land Hessen soll Tierhalter entschädigen - Mehr Luchse?

Wenn Luchse Schafe, Ziegen und Kälber von Landwirten oder Tiere von Hobbytierhaltern reißen, muss das Land Hessen die Eigentümer finanziell entschädigen. Das hat der Landesjagdverband (LJV) am Freitag in Edertal (Landkreis Waldeck-Frankenberg) gefordert. „Nur wenn die Bevölkerung die Rückkehr der größten heimischen Raubkatze akzeptiert, hat der Luchs in Hessen eine Chance auf dauerhafte Wiederansiedlung“, sagte LJV-Präsident Dietrich Möller vor Journalisten. Beispielhaft sei das Verfahren im Nationalpark Harz, wo das Land Niedersachsen Tierhaltern den Marktwert gerissener Tiere ersetzt und Jäger für die Meldung eines getöteten Wildtieres 50 Euro erhalten.

Im vergangenen Winter hatte im hessischen Spessart erstmals ein Luchs in einem umzäunten Gehege, das der landwirtschaftlichen Damwildzucht dient, ein Damwildkalb gerissen. Einzelne Luchse, die die Jäger wegen ihrer markanten Haarbüschel auf den Ohren auch „Pinselohr“ nennen, sind etwa seit fünf Jahren wieder zwischen Reinhardswald und Spessart aufgetaucht.

„Der Jagdverband unterstützt die natürliche Zuwanderung von Luchsen in den hessischen Mittelgebirgen“, betonte Möller. Dies sei ein Indikator dafür, dass die bis zu 1,30 Meter lange und bis zu 35 Kilo schwere Raubkatze in störungsarmen und extensiv genutzten Landschaftsteilen wieder geeignete Lebensräume finde. Es sei aber noch fraglich, ob die im Hohen Meißner, im Reinhardswald, im Lahn-Dill-Bergland, im Vogelsberg und im hessischen Spessart beobachteten einzelnen Luchse tatsächlich aus Luchsvorkommen im Harz, im Bayerischen Wald und in den Vogesen zugewandert seien.

„Möglicherweise handelt es sich dabei auch um Tiere, die aus Tiergehegen entwichen oder von privaten Luchshaltern ausgesetzt worden sind, die sich auf diese Weise des überzähligen Luchsnachwuchses entledigen wollten“, erklärte der Jägerpräsident. Darauf deute zum Beispiel hin, dass 2005 bei Marburg ein Luchs von der Überwachungskamera eines Baumarktes gefilmt worden sei. „Zahme“ Luchse scheuten nämlich die Nähe des Menschen nicht und suchten in besiedelten Bereichen leichte Beute wie Hauskatzen und Nutztiere. „Wilde“ Luchse rissen dagegen in der freien Wildbahn Rehe, Hirschkälber, Füchse und Hasen sowie Weidevieh in waldreichen Gegenden.

Möller warnte nachdrücklich vor dem illegalen Aussetzen von „Käfig-Luchsen“ in ungeeigneten Lebensräumen. „Das sind verwerfliche Tierversuche, denen die ,Pinselohren’ früher oder später zum Opfer fallen“, kritisierte der Jägerpräsident. So stehe beispielsweise der 2001 begonnene Versuch, in der Nordostschweiz Luchse aus zwei anderen Schweizer Populationen anzusiedeln, vor dem Scheitern. 2005 konnten dort von neun umgesiedelten Großraubkatzen nur noch zwei nachgewiesen werden.

„Der hohe Erschließungsgrad der Landschaft durch Verkehrswege, Besiedlung und Tourismus und die wirtschaftlichen Ansprüche des Menschen bilden das Haupthindernis für das langfristige Überleben des Luchses in Hessen“, sagte der LJV-Referent für Wildbiologie und Naturschutz, Rolf

Becker. Luchspopulationen seien „nur überlebensfähig, wenn sie sich in

der Paarungszeit untereinander genetisch austauschen können“. Zudem beanspruche der männliche Luchs ein „Streifgebiet“ von bis zu 40 Quadratkilometern, in dem er keine Nebenbuhler dulde. Die Luchsin benötige immerhin noch ein rund zehn Quadratkilometer großes Revier.

Luchsvorkommen, die zur Selbsterhaltung genügend Nachwuchs produzieren, gibt es nach Beckers Worten derzeit in Deutschland nur im 2500 Quadratkilometer großen Harz und im 6000 Quadratkilometer umfassenden Bayerischen Wald. Der Wildbiologe forderte, im Kinzigtal zwischen Gelnhausen und Schlüchtern eine bepflanzte „Grünbrücke“ zu bauen, um den im Vogelsberg und im hessischen Spessart nachgewiesenen Luchsen die gefahrlose Überquerung der Autobahn Frankfurt-Fulda und der dortigen ICE-Trasse zu ermöglichen. +++

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