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10.06.06 - DIE WM-GLOSSE (2)

- von Paul-Ulrich LENZ, Pfarrer und seit Kindesbeinen "Clubberer"

Beobachtungen zu den kleinen und großen Ereignissen des Tages werden auf der Internetseite des Zentrums Verkündigung der Evangelischen Kirche von Hessen und Nassau (EKHN) - die auch für den Vogelsbergkreis zuständig ist - veröffentlicht. Die täglich erscheinende Glosse begann mit dem Start der WM am 9. Juni 2006. Den Anfang machte Schalke-Mitglied Pröpstin Karin Held (Kirchenbezirk Starkenburg). Die Glosse am Schluss wird am 9. Juli 2006 Kirchenpräsident Prof. Dr. Peter Steinacker schreiben. Dazwischen kommen auch Menschen zu Wort, für die der Fußball in diesen Tagen nicht im Mittelpunkt steht.

DIE WAHRHEIT IST AUF DEM PLATZ

Die Autobahn hat schon heute Mittag begonnen, sich zu leeren. In der Stadt sind noch ein paar Menschen unterwegs, um sich zu versorgen. Den Wald habe ich heute ganz für mich alleine. Niemand, der mir entgegen kommt. Niemand, der mich überholt. Niemand, mit dem ich mithalten muss. Ich kann einfach laufen, den eigenen Schritt suchen, den eigenen Körper spüren.

In einer Stunde steigt das Eröffnungsspiel. Ich weiß, dass die Arena jetzt schon fast voll ist, höre innerlich den Lärm, die Gesänge, die letzten Gespräche. Gleich geht’s los.

Vier Wochen lang wird sich (fast) alles um Fußball drehen. Es wird wundervoll sein – und manchmal auch ein bisschen komisch, wie erwachsene Männer und zunehmend Frauen sich ereifern, diskutieren, Klinsmann&Co mit Ratschlägen versorgen, meistens ungebeten. Fast jede/r ist ein Bundestrainer mit seiner Wunschelf im Kopf, mit dem Wissen, wie es laufen müsste, damit es gut läuft.

Aber ab 18 Uhr gilt, was Otto Rehagel gesagt hat: Die Wahrheit ist auf dem Platz. Alle Worte sind überholt – jetzt gilt es. Mit dem Mund wird kein Spiel gewonnen, nur mit Einsatz, Hingabe und Leidenschaft. Das ist die Wahrheit: auf dem Platz.

Ein wunderbares Bild auch für den Glauben: Auf dem Platz, im großen Spiel des Lebens zeigt sich, was dran ist. Da erweist sich, ob die Worte tragen, ob sie der Wirklichkeit standhalten. „Lasst uns lieben mit der Tat und mit der Wahrheit“ so heißt es einmal in der Bibel. Das möchte ich beherzigen, das wünsche ich Ihnen, mir, allen Fußball-Fans und allen, die die WM jetzt erdulden müssen und sich schon auf den 10. Juli freuen: Dass den Worten Taten folgen und dass sich in den Taten Liebe, Hingabe und Leidenschaft zeigen – im richtigen Leben, fast wie auf dem Fußball-Platz.

Übrigens: Deutschland hat tatsächlich 4:2 gewonnen!

Paul-Ulrich Lenz

Pfarrer im Zentrum Verkündigung

und seit Kindesbeinen „Clubberer"

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wm-glossezentrum-verkuendigung.de +++

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