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11.06.06 - DIE WM-GLOSSE (3)

- von Paul-Ulrich LENZ, Pfarrer und seit Kindesbeinen "Clubberer"

Beobachtungen zu den kleinen und großen Ereignissen des Tages werden auf der Internetseite des Zentrums Verkündigung der Evangelischen Kirche von Hessen und Nassau (EKHN) - die auch für den Vogelsbergkreis zuständig ist - veröffentlicht. Die täglich erscheinende Glosse begann mit dem Start der WM am 9. Juni 2006. Den Anfang machte Schalke-Mitglied Pröpstin Karin Held (Kirchenbezirk Starkenburg). Die Glosse am Schluss wird am 9. Juli 2006 Kirchenpräsident Prof. Dr. Peter Steinacker schreiben. Dazwischen kommen auch Menschen zu Wort, für die der Fußball in diesen Tagen nicht im Mittelpunkt steht.

LIVE IS LIVE

Ich werde es wohl nie vergessen: Am 4. Juli 1954 habe ich mein erstes Fußballspiel im Fernsehen gesehen – in einer Dorfwirtschaft im großen Saal, ganz hinten, wo wir Kinder hin verfrachtet worden waren. Und nach dem Schlusspfiff bin ich nach Hause gerannt um es zu erzählen: „Wir haben gewonnen. Ich habe es gesehen.“ live is live – das habe ich damals noch nicht gewusst. Aber ich war dabei.

Heute, fast 52 Jahre später, bin ich zum ersten Mal bei einem Länderspiel live dabei. England gegen Paraquay. Die Karten sind ein Geburtstagsgeschenk. Ich habe sie seit Monaten und seit Monaten freue ich mich auf dieses Spiel.

Und dann die Freude des Tages heute. „Viel Spaß!“ bekomme ich als Wunsch mit auf den Weg. Schon der Weg zum Stadion ist Vorfreude. Am Hauptbahnhof gehen wir durch die Gruppen der Fans, der vielen Engländer und der erheblich kleineren Schar der Paraquayer. Freundliche Gesten, aber doch auch gespannte Erwartung - ob wir die packen?

Dann im Stadion: Schauen, die Augen wandern lassen, die Ohren gewöhnen, den Gesänge lauschen, warten, Gespräche, Prognosen, Diskutieren, wie es gestern denn wirklich war - Begegnungen im Stadion.

Spannend geht es los – nach drei Minuten 1:0 für England. Aber dann: Es plätschert vor sich hin, nur ab und zu unterbrochen – vom Stöhnen über eine verpasste Chance, vom Schrecken über eine harte Zweikampf-Situation, von Pfiffen gegen den Schiedsrichter, der anders pfeift, als sich das die Zuschauer wünschen.

Schließlich befasst sich das Publikum mit sich selbst – die Welle wandert um das Stadion – und gesungen wird auch. Sie sind ja berühmt, die Gesänge von der Insel, voller Hoffnung: „football is coming home.“ Immer wieder. Was fehlt: „You `ll never walk alone.“ – ein Lied wie eine Verheißung.

Nach dem Schlusspfiff: England 1- Paraquay 0. Die einzelnen Spielzüge werde ich bald vergessen, aber das Erlebnis nicht. Ich war live dabei – live is live und auch so stimmt es: live is life. Ich habe zwei Stunden lustvoll gelebt.

Paul-Ulrich Lenz

Pfarrer im Zentrum Verkündigung, Friedberg

und seit Kindesbeinen „Clubberer"

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wm-glossezentrum-verkuendigung.de +++

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