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13.06.06 - DIE WM-GLOSSE (5)

- von Paul-Ulrich LENZ, Pfarrer und noch nicht WM-geschädigt

Beobachtungen zu den kleinen und großen Ereignissen des Tages werden auf der Internetseite des Zentrums Verkündigung der Evangelischen Kirche von Hessen und Nassau (EKHN) - die auch für den Vogelsbergkreis zuständig ist - veröffentlicht. Die täglich erscheinende Glosse begann mit dem Start der WM am 9. Juni 2006. Den Anfang machte Schalke-Mitglied Pröpstin Karin Held (Kirchenbezirk Starkenburg). Die Glosse am Schluss wird am 9. Juli 2006 Kirchenpräsident Prof. Dr. Peter Steinacker schreiben. Dazwischen kommen auch Menschen zu Wort, für die der Fußball in diesen Tagen nicht im Mittelpunkt steht.

MÖGEN SIE DAVID ODER GOLIATH?

Es ist eine uralte Geschichte: David und Goliath stehen sich gegenüber - Goliath hochgerüstet und David hat eigentlich nichts als ein tapferes Herz - und Gottvertrauen. So ähnlich ist es auch bei der WM. Wie Soll der Iran gegen gegen Mexiko gewinnen? Wie soll Angola Portugal schlagen? Die Chancen sind nicht gleich verteilt - die einen spielen seit Jahrzehnten auf der großen Fußball-Bühne - die anderen sind zum ersten mal dabei. Für das Publikum in Leipzig und in Köln ist es keine Frage. Für die Zuschauer am Bildschirm, mich, auch mich ist klar: Ich halte David die Daumen.

Das gönnen wir den Kleinen, dass sie gewinnen oder die Großen doch zumindest ärgern. So war es heute. David - der Iran, Angola, haben die Großen - Mexiko und Portugal geärgert. Sie haben nicht gewonnen, aber sich teuer verkauft.

Es ist merkwürdig: Die Emotionen sind fast immer auf der Seite von David. Liegt es daran, dass wir uns selbst eher so vorkommen, auch im alltäglichen Leben? Sind Sie in Ihrem Alltag David oder sind Sie ein Goliath? Finden Sie es unfair, wenn alle zu David halten? Mögen Sie das: Du hast keine Chance - nutze sie? So geht es vielen unter uns - auf der Suche nach Arbeit, beim Ringen um Anerkennung.

Meine Sympathien sind bei David - auch wenn ich mich manchmal in meinem Leben sicher wie Goliath aufgeführt habe. Ich gönne es allen Davids dieser Welt, dass sie für eine Überraschung sorgen. Leider hat es heute (noch) nicht geklappt - weder beim Iran noch bei Angola.

Aber vielleicht sind Sie ja am Montag der David, der einem Golitah aufzeigen kann, dass seine Bäume nicht in den Himmel wachsen. Oder vielleicht sind Sie ein Goliath, der einem David doch seine Chance gibt - es muss ja nicht gleich auf Kosten des eigenen Lebens oder des eigenen Erfolges gehen.

Übrigens: Wenn Sie die Geschichte nachlesen wollen - sie steht in der Bibel - 1. Samuel 17. Vielleicht zeigt irgendein David bei der WM ja doch auch noch einmal einem Goliath seine Grenzen auf?

Paul-Ulrich Lenz

Pfarrer im Zentrum Verkündigung, Friedberg

und noch nicht WM-geschädigt

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wm-glossezentrum-verkuendigung.de +++

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