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20.06.06 - DIE WM-GLOSSE (12)

- von Jutta WINKLER, Geschäftsführerin Zentrum Verkündigung

Beobachtungen zu den kleinen und großen Ereignissen des Tages werden auf der Internetseite des Zentrums Verkündigung der Evangelischen Kirche von Hessen und Nassau (EKHN) - die auch für den Vogelsbergkreis zuständig ist - veröffentlicht und u.a. auch von "Osthessen-News" weiterverbreitet. Die täglich erscheinende Glosse begann mit dem Start der WM am 9. Juni 2006. Den Anfang machte Schalke-Mitglied Pröpstin Karin Held (Kirchenbezirk Starkenburg). Die Glosse am Schluss wird am 9. Juli 2006 Kirchenpräsident Prof. Dr. Peter Steinacker schreiben. Dazwischen kommen auch Menschen zu Wort, für die der Fußball in diesen Tagen nicht im Mittelpunkt steht.

ZEIT, DASS SICH WAS DREHT...

Seit mehr als einer Woche dreht sich Vieles in Deutschland um die Fußballweltmeisterschaft. Terminpläne gestalten sich nach dem Spielplan, viele Gespräche drehen sich um das Thema „Fussball“. Aber dreht sich wirklich Alles um Fußball?

Meine Erfahrungen der letzten Tage sprechen da eine andere Sprache:

- Menschen, die aufeinander zu gehen und miteinander feiern über alle kulturellen Unterschiede hinweg;

- Menschen, die Ratsuchenden zur Verfügung stehen, auch wenn die Fremdsprachenkenntnisse oftmals nicht wirklich ausreichen;

- Portugiesische und iranische Fans, die dem Musiker auf den Stufen der Alten Nikolaikirche andächtig zuhören und schließlich ausgiebig Beifall spenden;

- Menschen, die sich gemeinsam die Fußballspiele in der beeindruckenden Mainarena ansehen und das gemeinschaftliche Erlebnis genießen, ohne ihre jeweilige Individualität aufzugeben;

- ...

Zeit, dass sich was dreht ... das Lied von Herbert Grönemeyer zur WM dreht sich auch nicht nur um Fußball. Die Hoffnung auf mögliche Veränderungen findet hier auch Ihren Ausdruck.

In Frankreich 1998 öffnete die Fußballweltmeisterschaft den Blick auf grosse Teile der französischen Bevölkerung, die sonst nicht im Rampenlicht stehen – französische Staatsbürger, die ihre ursprünglichen Wurzeln im Maghreb, in Schwarzafrika oder in der Karibik haben, und oftmals in den Banlieues der großen Städte „vergessen“ werden. Der Fußball „schaffte“ es damals für eine kurze Zeit, dass alle französischen Mitbürger und Mitbürgerinnen als Franzosen und Französinnen anerkannt waren. Diese Erfahrung hatte zwar keine nachhaltige Veränderung in Frankreich zur Folge, aber sie ist nach wie vor im Bewusstsein vieler Mitmenschen verankert und nährt immer noch die Hoffnung Vieler, dass ein anderes Miteinander möglich ist.

Zeit, dass sich was dreht ... es dreht sich eben auch während einer Fußballweltmeisterschaft nicht Alles um Fußball.

Jutta Winkler

Geschäftsführerin Zentrum Verkündigung

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