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20.06.06 - WM

WM-Gedanken zum Lachen und Nachdenken: von Handschuhen und Toren

Für heute haben die Mitarbeiter von KCL, Deutschlands führendem Schutzhandschuhhersteller (Eichenzell bei Fulda), die Handschuhe an den Nagel gehängt, oder vielmehr an die Scheibe, denn Nägel erzeugen bekanntlich Löcher. Und aus Schutzhandschuhen eine Deutschlandflagge zu basteln (siehe Bild), kann ja nur das Beste für das kommende Spiel bedeuten. Beim Vorrunden-Endspiel Deutschland gegen Ecuador im Olympiastadion in Berlin soll es ja auch sauber zugehen. Vor allem Kapitän Michael Ballack sollte seine Gegner nur mit Schutzhandschuhen anfassen – besser gar nicht –, wenn er nicht eine Gelbe Karte riskieren will. Denn sonst hätte er derer zwei und könnte im Achtelfinalspiel keine Tore, sondern höchstens die Strafbank abstauben.

Übrigens hat sich ja gestern auf einer Pressekonferenz herausgestellt, dass die Stürmer Lukas Podolski und Miroslav Klose einander keineswegs die Fehde-Schutzhandschuhe hingeworfen haben. Darüber war ja viel gemunkelt worden, nachdem die beiden beim Streit, oder besser bei einer angeregten Diskussion ertappt worden waren. Alles bestens, der erfahrene Klose hat nur seinem stürmischen Mitstürmer erklärt, wie man es richtig macht, nachdem bei dem Spiel gegen Polen letzten Mittwoch nichts so wirklich richtig lief. Man habe sich ausgesprochen, hat Podolski bestätigt. Jetzt geht man wieder ausgesprochen kameradschaftlich miteinander um. Wenn das der kleine Prinz Poldi sagt, muss man das wohl glauben.

Schrecksekunde gestern Abend: Die Bilder eines humpelnden und unterm rechten Knie bandagierten Thomas Frings schockierten die ganze öffentlich-rechtliche Nation. Aber auch hier Entwarnung: Es handele sich lediglich um einen Schutzverband, Frings werde spielen. Fußballdeutschland ist erleichtert, wissen wir doch, dass Team-Heiler Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt magische Hände in hoffentlich magiedurchlässigen Handschuhen hat. Wie sich allerdings Oliver Kahn den Daumen in seinen Torwarthandschuhen verletzen konnte, bleibt ungewiss. Aber auch er ist wieder einsatzbereit, ebenso wie Jens Lehmann. Vielleicht sollte Teamchef Jürgen Klinsmann darüber nachdenken, Torwarthandschuhe bei KCL anfertigen zu lassen, wenigstens fürs Training.

Mit eiskaltem Händchen lässt Klinsmann bei diesem Spiel den Abwehrspieler Robert Huth anstelle von Christoph Metzelder gegen Ecuador antreten. Der stämmige Verteidiger wird dieses Angebot mit Kusshandschuh angenommen haben, denn bisher durfte er nur die Ersatzbank verteidigen. Er gleicht auch hervorragend die Abwehrarbeit von Phillip Lahm aus, der ja doch eher schmal ist.

Ein Nachtrag zu Prinz Poldi: Laut Heiligenkalender wird heute, am 20. Juni, der Übertragung der Gebeine und Kleider des Evangelisten Lukas nach Konstantinopel gedacht. Konstantinopel, das irgendwann auch Byzanz hieß und heute als Istanbul bekannt ist, war ja seinerzeit das „Tor vom Okzident zum Orient“. Zudem hat Lukas als Attribut den Stier – wenn das alles nicht wunderbare Vorzeichen für einen Hattrick Podolskis sind, dann gibt es keine. (S.K.) +++

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