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23.06.06 - DIE WM-GLOSSE (15)

- von Arno KREH, Pfarrer und aktiver Fußballer bei Aschaffenburg

Beobachtungen zu den kleinen und großen Ereignissen des Tages werden auf der Internetseite des Zentrums Verkündigung der Evangelischen Kirche von Hessen und Nassau (EKHN) - die auch für den Vogelsbergkreis zuständig ist - veröffentlicht und u.a. auch von "Osthessen-News" weiterverbreitet. Die täglich erscheinende Glosse begann mit dem Start der WM am 9. Juni 2006. Den Anfang machte Schalke-Mitglied Pröpstin Karin Held (Kirchenbezirk Starkenburg). Die Glosse am Schluss wird am 9. Juli 2006 Kirchenpräsident Prof. Dr. Peter Steinacker schreiben. Dazwischen kommen auch Menschen zu Wort, für die der Fußball in diesen Tagen nicht im Mittelpunkt steht.

SCHWARZROTGOLD - GANZ ENTSPANNT

3:0 für Deutschland – und alles ist aus dem Häuschen. Eine Stunde nach dem Spiel radelt einer meiner ehemaligen Konfis in unseren Hof, von Kopf bis Fuß eingehüllt in eine Deutschlandfahne. Batman in schwarz-rot-gold. Er ist nicht der einzige, der zum Nachtreffen eine Fahne mitbringt.

Die deutsche Mannschaft gewinnt und sie spielt auch noch gut. Da dürfen die Träume schon mal in den Himmel wachsen. Das Land steht Kopf. Überall schwarz-rot-gold. Die Deutschen feiern die Leichtigkeit des Seins. Ausgerechnet die Deutschen, können die das überhaupt?

Die Bedenkenträger fragen: Haben die Farben nicht eine Geschichte? Und ist das nicht mal ganz schön schief gegangen? Und dann noch die Landeshymne?

Ich finde, schwarz-rot-gold steht uns gut an. Vorsicht und Bedachtsamkeit gehen uns schon nicht verloren. Aber jetzt dürfen wir einmal in eine andere Rolle schlüpfen. Wir freuen uns an Zuckerpässen, an gelungenen Aktionen und dramatischen Wendungen des Spiels in den letzten Minuten. Und wenn es bei der deutschen Mannschaft gut läuft, noch mehr.

Warum geht das gut? Es geht gut, weil auch die anderen Farben ihren Platz haben In meiner Nachbarschaft z.B. die von Schweden, Italien und Spanien. Und hier in Groß-Umstadt die vielen Fahnen der portugiesischen Mitbürger, die längst die Kultur unserer Kleinstadt mitprägen.

Sie kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden ... (Lukas 13,29). Nein, im Reich Gottes sitzen wir noch nicht zusammen am Tisch. Aber ein wenig davon hat es vielleicht doch. Für mich jedenfalls gehört das dazu: dass Menschen zusammen kommen, sich freuen und miteinander feiern. Jede und jeder darf das mitbringen, was sie oder er hat. Und manche tun das in SchwarzRotGold – ganz entspannt.

Das tut gut. Und einiges werden wir mitnehmen in die Zeit danach.

Arno Kreh

Gemeindepfarrer in Groß-Umstadt, aktiver Fußballer

u. a. bei Viktoria Aschaffenburg und in der EKHN-Mannschaft

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