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24.06.06 - DIE WM-GLOSSE (16)

- von Jochen-Martin SPENGLER, Pfarrer - Jugendfußballer ("Lilie")

Beobachtungen zu den kleinen und großen Ereignissen des Tages werden auf der Internetseite des Zentrums Verkündigung der Evangelischen Kirche von Hessen und Nassau (EKHN) - die auch für den Vogelsbergkreis zuständig ist - veröffentlicht und u.a. auch von "Osthessen-News" weiterverbreitet. Die täglich erscheinende Glosse begann mit dem Start der WM am 9. Juni 2006. Den Anfang machte Schalke-Mitglied Pröpstin Karin Held (Kirchenbezirk Starkenburg). Die Glosse am Schluss wird am 9. Juli 2006 Kirchenpräsident Prof. Dr. Peter Steinacker schreiben. Dazwischen kommen auch Menschen zu Wort, für die der Fußball in diesen Tagen nicht im Mittelpunkt steht.

"KINDLICHE FREUDE"

„Arbeitsgerät“ wird es immer häufiger von Fußballkommentatoren genannt, das „runde Leder“, das ja bekanntlich längst aus Kunststoff hergestellt wird; der Fußballspieler ist „Fußballprofi“ und wird zunehmend öfter auch als „Angestellter“ bezeichnet, der, sollte er schwach spielen, seinen „Arbeitsnachweis“ schuldig geblieben ist und vom „leitenden Angestellten“, das ist der Trainer, im schlimmsten Fall vorzeitig vom „Arbeitsplatz“, dem Spielfeld, dem grünen Rasen, geholt wird - es sei denn, hochdotierte Werbeverträge würden so etwas nicht zulassen. Ein glanzloser Sieg heißt „Arbeitssieg“.

Ehrlich gesagt könnte ich heulen, daß sich „der Fußball“ und die Sprache rund um den Fußball so entsetzlich verändert haben.

Im Großen und Ganzen habe ich nichts gegen Aufklärung und Entmythologisierung. In manchen wichtigen Lebensbezügen allerdings machen sie mir schwer zu schaffen: Wenn mir beispielsweise Liebe und Begehren aus hirnphysiologischer Sicht gedeutet werden, verliere ich die Lust.

Versuche, mittels theologischer Denkakrobatik Unglaubliches glaubbar zu machen, rütteln an Fundamenten meines Glaubens: z.B. der Hoffnung, daß Gott im Leben und im Sterben an meiner Seite ist.

Und wer mir „das Wunder von Bern“ („das Wunder von Berlin“?) tatsächlich erklären möchte (außer in einer verrauchten Kneipe bei reichlich Weizenbier!) – der verdirbt mir lediglich den Spaß an einer der schönsten Nebensachen der Welt.

Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen. (Mk 10,15)

An Parallelen zum Fußball wird Jesus damals vermutlich noch nicht gedacht haben.

Jochen-Martin Spengler

Pfarrer in Dreieich,

früher Jugendfußballer beim SV Darmstadt 98 (Lilie!)

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