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26.06.06 - DIE WM-GLOSSE (18)

- von Kai Fuchs, Öffentlichkeitsarbeiter im Dekanat Rodgau

Beobachtungen zu den kleinen und großen Ereignissen des Tages werden auf der Internetseite des Zentrums Verkündigung der Evangelischen Kirche von Hessen und Nassau (EKHN) - die auch für den Vogelsbergkreis zuständig ist - veröffentlicht und u.a. auch von "Osthessen-News" weiterverbreitet. Die täglich erscheinende Glosse begann mit dem Start der WM am 9. Juni 2006. Den Anfang machte Schalke-Mitglied Pröpstin Karin Held (Kirchenbezirk Starkenburg). Die Glosse am Schluss wird am 9. Juli 2006 Kirchenpräsident Prof. Dr. Peter Steinacker schreiben. Dazwischen kommen auch Menschen zu Wort, für die der Fußball in diesen Tagen nicht im Mittelpunkt steht.

"MEINE KRAFT IST IN DEN SCHWACHEN MÄCHTIG"

Vor fast genau vier Jahren, am 30. Juni 2002, blickte die Welt gespannt nach Yokohama: Brasilien und Deutschland standen sich beim Endspiel der damaligen Fußball-WM gegenüber. Das Team von Rudi Völler sorgte weiland dafür, dass die deutsche Fußball-Nationalmannschaft heuer immerhin den Vize-Weltmeistertitel verteidigt.

Ein paar tausend Kilometer abseits vom Fokus des Weltinteresses - ziemlich genau westlich und einmal quer über China drüber - tat sich etwas, das mich den tieferen Sinn des Fußballerischen mit einem Schlag verstehen ließ: Während 22 Millionenverdiener dort in Japan um die WM-Krone kämpften, standen sich hier zu Füßen des Himalaya die Nummern 202 und 203 der Fußball-Weltrangliste gegenüber. Mehr Teams hatte die FIFA-Tabelle damals auch nicht zu bieten.

Die Karibik-Kicker von der Insel Montserrat, die sich seit Jahren von einem schweren Vulkanausbruch erholt, waren auf Initiative einiger niederländischer Fußballfreunde um den Filmemacher Hans van der Meer zu Gast beim Nationalteam des Königreichs Bhutan, in dem erst vier Jahre zuvor das Fernsehen eingeführt wurde. Als „The Other Final“ - das andere Finale - sollte ihr Spiel in die Weltgeschichte des Sports eingehen.

Alles, worüber wir uns dieser Tage in Deutschland zu Recht freuen - Gastfreundschaft und Völkerverständigung, positiver Patriotismus und eine fußballbegeisterte Regierungschefin - all das haben uns diese beiden „Fußballzwerge“, ihre Spieler, Trainer und Funktionäre, ihre Fans, Fernseh- und Radiomoderatoren vor vier Jahren schon vorgemacht.

Sie machten daraus keine Jux-Veranstaltung. Und sie haben zumindest für mich einen Gedanken mit Leben erfüllt: Gottes Kraft ist in den Schwachen mächtig

- die Kraft zum Respekt auch vor dem Gegner;

- die Kraft, füreinander und für einen guten Ausgang zu beten;

- die Kraft zur Offenheit gegenüber einer gänzlich fremden Kultur;

- die Kraft, miteinander zu kämpfen und danach zusammen zu feiern.

Wahrscheinlich werden sie niemals die ersten der Weltrangliste, aber Top-Spieler in den Herzen aller, die verstanden haben, was Fußball bedeuten kann.

Zusammengefasst ist das in dem Dokumentarfilm „The Other Final“, den ich allen ans Herz legen will, die sich schon immer gefragt haben, was der ganze WM-Rummel eigentlich soll. Und denen, die sich dessen allzu sicher sind.

Bhutan hat damals mit 4:0 Toren gewonnen. Möglicherweise lag es an der Höhenluft.

Link-Tipp: www.theotherfinal.com

Kai Fuchs, Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit

im Evangelischen Dekanat Rodgau.

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