Archiv

30.06.06 - DIE WM-GLOSSE (21)

- von Christine NOSCHKA, Pfarrerin - Zentrum Verkündigung

Beobachtungen zu den kleinen und großen Ereignissen des Tages werden auf der Internetseite des Zentrums Verkündigung der Evangelischen Kirche von Hessen und Nassau (EKHN) - die auch für den Vogelsbergkreis zuständig ist - veröffentlicht und u.a. auch von "Osthessen-News" weiterverbreitet. Die täglich erscheinende Glosse begann mit dem Start der WM am 9. Juni 2006. Den Anfang machte Schalke-Mitglied Pröpstin Karin Held (Kirchenbezirk Starkenburg). Die Glosse am Schluss wird am 9. Juli 2006 Kirchenpräsident Prof. Dr. Peter Steinacker schreiben. Dazwischen kommen auch Menschen zu Wort, für die der Fußball in diesen Tagen nicht im Mittelpunkt steht.

"UNVERKRAMPFT"

In diesen Tagen geschehen wunderbare Dinge. Menschen öffnen ihre Wohnungstüren für Gäste aus aller Welt. Und es beeindruckt, wie freundlich großzügig und hilfsbereit viele einander zugewandt sind.

Ein Wort, dass neuerdings in den Berichterstattungen der Medien und auch in Gesprächen häufig begegnet, heißt „unverkrampft“. Unverkrampft, so können wir es hören oder lesen, sei nicht nur der Umgang mit den vielen Gästen, auch unter den Deutschen sei eine andere, gelöstere Gestimmtheit als sonst zu spüren.

Optimismus und Lebensfreude machen die WM zu einem großen Fest, und auch der Umgang mit der eigenen Nationalität erscheint unbeschwert. Es sieht so aus, als habe die Fußballweltmeisterschaft hier etwas aufgelöst. Kritiklust und Pessimismus, Nörgelei und Bedenken sind sozusagen „vom Platz gestellt“. Deutschland ist in Festtagslaune.

Und in diesen Tagen geschehen sonderbare Dinge:

Inzwischen gibt es wohl kaum noch eine Lebenslage, für die der Fußballkundige keine Antwort wüsste. Wer sich auf dieses Spiel versteht, weiß einfach Bescheid. - Nicht genug, dass es Fußballbrot beim Bäcker gibt, manche Pädagoginnen und Pädagogen Kindern gelbe und rote Karten zeigen, nein auch Leitung und Management in Wirtschaft oder Politik werden aufgefordert, an Strategien von Klinsmann und Co Maß zu nehmen. Schließlich haben die neuen Trainingsmethoden des Coachs Erfolg gezeigt. Und alle sind begeistert.

Alles und jedes, so will es manchmal scheinen, hat irgendwie mit Fußball zu tun – ob eine will oder nicht, am Fußball kommt sie zur Zeit nicht vorbei. So quietschte ein Knirps im Kinderwagen, der im Schaufenster ein wohlgemerkt nicht eingeschaltetes Fernsehgerät entdeckte: „Tor, Tor!“

Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich jetzt „ins Abseits“ schieße, ich finde es ganz schön anstrengend, dauernd „unverkrampft“ die Welt durch die Fußballbrille zu betrachten.

Gut, dass es auch die ruhigeren Augenblicke gibt, wie zum Beispiel das Mittagsgebet in unserer Kirche, in dessen Stille ich mich versammeln und meinen Blick weiten kann. Dann kann ich auch wieder unverkrampft "Tor! Tor!" schreien...

Christine Noschka, Pfarrerin

und Leiterin des Zentrums Verkündigung

Schreiben Sie uns!

Wir freuen uns über Ihre Meinung und Anregungen!

[email protected] +++

Über Osthessen News

Kontakt
Impressum
Cookie-Einstellungen anpassen

Apps

Osthessen News IOS
Osthessen News Android
Osthessen Blitzer IOS
Osthessen Blitzer Android

Mediadaten

Werbung
IVW Daten


Service

Blitzer / Verkehrsmeldungen Stellenangebote
Gastro
Mittagstisch
Veranstaltungskalender
Wetter Vorhersage

Social Media

Facebook
Whatsapp
Instagram
TikTok

Nachrichten aus

Fulda
Hersfeld Rotenburg
Main Kinzig
Vogelsberg
Rhön