Das Antoniusheim ist Weltmeister! Beim 32. Gothia-Cup, einem Jugendfußballturnier, holte die Mannschaft der Fuldaer Fördereinrichtung am vergangenen Freitag im schwedischen Göteborg den Titel in ihrer Kategorie. Mit 4:0 gewannen die Fuldaer gegen eine Mannschaft aus Ranäs (Schweden). Zum ersten Mal in der Geschichte des Gothia-Cups hatten geistig Behinderte an dem Turnier teilgenommen. Heute Morgen um 8.30 Uhr wurden die stolzen Sieger nach knapp 16-stündiger Fahrt in Fulda empfangen. Bewohner, Mitarbeiter sowie Angestellte des Antoniusheims, Eltern und Geschwister der Spieler begrüßten die müden Kicker, darunter auch ein Team des Landkreises, mit Jubelgesängen und einem leckeren Frühstück.
Und da war sie wieder - die Deutschlandfahne. Sie wehte heute Morgen über den Köpfen der siegreichen Spieler. Stolz präsentierte das Team den blitzblank polierten Pokal. Auf „Olé, Olé“, folgte „La Ola“ und die Fans sangen: „So sehen Sieger aus“. Sieben von acht Spielen hatte das zehnköpfige Team des Antoniusheims - die Mannschaft bestand aus sieben Spielern - in Göteborg gewonnen. Mit einem sensationellen 4:0 Sieg holten die Kicker, die zwischen 16 und 21 Jahre alt sind, am vergangenen Donnerstag den Cup. Ein Erfolg, mit dem niemand gerechnet hatte. „Wir haben den Pokal nur geholt, weil wir ein tolles Team sind“, sagte Sozialpädagoge Elmar Möller, der die Jugendlichen betreute.
Zum Team zählte in diesem Fall auch die Jugendauswahl des Landkreises Fulda. Sie waren in der Gruppe „Boys 14“ angetreten, in der die Konkurrenz mit 250 aufgestellten Mannschaften besonders groß war. Aber auch die 14-Jährigen haben sich bravourös geschlagen. „Wir sind bis ins Sechzehntelfinale gekommen, sind also unter den letzten 32 Mannschaften“, erklärte Kreisjugendpfleger Stefan Will, der für die Betreuung und Organisation verantwortlich war. Der Landkreis Fulda hatte diese Veranstaltung finanziell unterstützt.
Schon im Vorfeld des Cups waren die Teams auf dem Platz, um gemeinsam zu trainieren. So richtig zusammengewachsen sind die Jugendlichen und ihre Betreuer aber erst in der vergangenen Woche. „Ob behindert oder nicht behindert, wir machen keine Unterschiede. Wir haben uns als Mannschaft erlebt, zusammen Fußball gespielt und gefeiert“, sagte der Kreisjugendpfleger, der neben dem Mannschaftserfolg auch die Leistung der ehrenamtlichen Betreuer betonte.
Die hatten extra Urlaub genommen und trotz gewöhnungsbedürftigem Nachtlager (Iso-Matte und Schlafsack in einer Turnhalle) tapfer durchgehalten. „Mit 30 pubertierenden Jugendlichen unterwegs zu sein, das ist kein leichtes Unterfangen“, meinte Elmar Möller. Doch die unvergesslichen Eindrücke – das Team des Antoniusheims durfte bei der Eröffnungsfeier einmarschieren und wurde von 44.000 Zuschauern bejubelt – entschädigen nicht nur für die wenigen Unannehmlichkeiten, sondern auch für die vielen fehlenden Stunden Schlaf.
Der Gothia Cup fand in diesem Jahr bereits zum 32. Mal statt. Im Laufe der Jahre haben mehr als 690.000 Jugendliche aus 124 Ländern an diesem Jugendfußballturnier teilgenommen. In diesem Jahr waren 20.000 Mädchen und Jungen aus insgesamt 60 Nationen - die alle in Göteborg antraten - dabei. Die Idee des Turniers ist es, mit Fußball als gemeinsamen Nenner, die Jugend der Welt zu versammeln, um Begegnungen zu schaffen. +++