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18.08.06 - KOMMENTAR

Nicht fluchen, nicht jammern - Gegenveranstaltungen die "1. Bürgerpflicht"

Im Eilverfahren hat der Hessische Verwaltungsgerichtshofs in Kassel entschieden, dass die "Freien Nationalisten" am Samstag Fulda heimsuchen dürfen. Über der Pressemitteilung stand lapidar: "Versammlung in Fulda kann stattfinden". Was da so nüchtern formuliert wurde, dürfte bei tausenden Fuldaern weniger sachliche Reaktionen hervorrufen: Betroffenheit, Unverständnis, Flüche, Urteilsschelte, Entsetzen und Klagen.

Natürlich ist es ärgerlich, wenn rechtsextreme Gruppen die Vorteile ausnutzen, die ihnen dieser Rechtsstaat bietet - wo doch jeder weiß, dass sie selbst Rechte für Andersdenkende sofort abschaffen würden, wenn sie denn könnten. Doch es hat keinen Zweck zu schimpfen oder zu jammern. "Der Beschluss ist unanfechtbar" - mit diesem Satz endete die Mitteilung aus Kassel. Juristische Mittel sind also erschöpft. Bedeutet dass, nun bleibt nur noch erschütterte Ohnmacht? Was kann man denn jetzt noch tun?

Viele Menschen haben den "Aufmarsch" von 1993 noch in Erinnerung. Doch damals wurde die Region überrascht und überrumpelt - politisch und menschlich misshandelt. Diesmal ist es anders: jeder weiß, was Sache ist. Und das bedeutet: Stärke zeigen und Zusammenhalt sind nun das richtige, das nötige Mittel.

Der Magistratspressesprecher Michael Schwab hat ganz Recht, wenn er auf den Appell des Oberbürgermeisters hinweist, in möglichst großer Zahl am morgigen Samstag die Gegenveranstaltungen des "Fuldaer Aktionsbündnisses gegen Neonazis" zu besuchen.

Ganz egal, was Sie, liebe Leserinnen und Leser, am Samstag vorhaben - gehen Sie, zumindest zeitweise, auf den Domplatz, den Universitätsplatz, den Jerusalemplatz (an der Rabanusstraße, Nähe Busbahnhof). Je mehr Menschen kommen, desto stärker ist das Signal: diese Leute wollen wir hier nicht haben, Rechtsextreme und Neonazis haben in Fulda nichts zu suchen! Und: die sind nur ein versprengter Haufen gegen die machtvolle Menge der Gegendemonstranten. Der Besuch der Gegenveranstaltungen morgen in Fulda ist sozusagen "1. Bürgerpflicht". Machen Sie sich keine Gedanken - es wird genug Polizei zum Schutz der friedlichen Bürger da sein. Und denken Sie nicht an einen Zeitverlust. Am Samstag gibt es nichts Wichtigeres - für Fulda und für die Demokratie.

Gabriele Weigand-Angelstein +++

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