Mit vielen neuen und interessanten Gesichtern startet die Tischtennis-Bundesliga der Herren am kommenden Wochenende in ihre mittlerweile 41. Saison. Größtenteils junge Newcomer wie Jun Mizutani, Bartosz Such, Antonin Gavlas, Steffen Mengel, Joao Monteiro, Seiya Kishikawa, Mar-cos Freitas, Bai Shi, Lubomir Pistej oder Peter Sereda sollen den Verlust einiger Stars wie Michael Maze, Chuang Chih-Yuan oder Torben Wosik ausgleichen. Und vor allem: Die neue Runde verspricht viel Spannung im Kampf um die Meisterschaft, denn einen Topfavoriten gibt es nicht.
Das liegt unter anderem daran, dass der zuletzt mit dem Gewinn des „Triples“ (Meisterschaft, DTTB-Pokal, ETTU-Pokal) dominierende TTC Frickenhausen sein Erfolgsteam aus finanziellen Gründen verjüngt hat. Die erfahrenen Torben Wosik (Frankreich) und Jens Lundquist (Ochsenhausen) ließ man ziehen und holte dafür den deutschen Nationalspieler Bastian Steger aus Düsseldorf sowie die deutsche Nachwuchshoffnung Patrick Baum (Jugendweltmeister) aus Gönnern. Auf dem Papier scheint der Titelverteidiger damit ebenso etwas schwächer besetzt wie Vizemeister Ochsenhausen, der seinen langjährigen Topspieler Chuang Chih-Yuan und Fedor Kuzmin ziehen lassen musste und beide durch Lundquist und den jungen Portugiesen Joao Monteiro ersetzte. Dazu müssen die TTF einen Großteil der Vorrunde auf den an der Schulter operierten Lundquist verzichten. Rekordmeister Borussia Düsseldorf versucht den Weggang von Mannschafts-Europameister Michael Maze durch die Verpflichtung des Tschechen Petr Korbel (Würzburg) zu kompensieren, der Pole Bartosz Such und der als eines der größten Talente der Welt gehandelte Japaner Jun Mizutani sollen Bastian Steger ersetzen.
Aufgerüstet hat der Meister des Jahres 2005, Müller Würzburger Hofbräu: An Korbels Stelle rückt der kroatische Nationalspieler Tan Rui Wu, der in der vergangenen Champions-League-Saison mit einer 8:1-Bilanz für Zagreb glänzte. Im Gegensatz zu Korbel steht der 23-Jährige den Mainfranken in allen Partien zur Verfügung. Fürs hintere Paarkreuz wurden Thomas Keinath aus Jülich und der slo-wakische Spitzenspieler Peter Sereda verpflichtet, womit die Zeichen in Würzburg nach einem „Ü-bergangsjahr“ wieder auf Angriff stehen.
Nur geringfügige Veränderungen gab es bei den anderen Mannschaften, die im Kampf um die vier Play-off-Plätze mitmischen dürften: Der TTC Zugbrücke Grenzau ersetzte Trinko Keen durch Tomasz Pavelka, Fulda-Maberzell nahm den Schweden Magnus Molin unter Vertrag und dürfte damit noch etwas stärker sein als in der vergangenen Saison, als man als beste Rückrundenmannschaft aufhor-chen ließ, und der TTV Gönnern holte für den scheidenden Patrick Baum das nächste deutsche Nachwuchstalent, den 18-jährigen Steffen Mengel, sowie den tschechischen „Rohdiamanten“ Antonin Gavlas.
Mit einer schlagkräftigen Mannschaft und einem echten Star kehrt der SV Plüderhausen nach einjäh-riger Abstinenz ins Oberhaus zurück: Der mittlerweile 40-jährige Ex-Weltmeister Jörgen Persson, schon einmal für Plüderhausen und auch für Ochsenhausen an der Platte, wagt noch einmal ein Bun-desliga-Comeback. Mit dem Niederländer Trinko Keen und dem Chinesen Bai Shi als Neuverpflichtungen fürs hintere Paarkreuz sollte der Meister der 2. Liga Süd den Klassenerhalt schaffen und vielleicht sogar um die Play-off-Plätze mitmischen können.
Um den Auftrieb zu nutzen, den das Tischtennis in Deutschland durch die erfolgreichen Mann-schaftsweltmeisterschaften in Bremen erhalten hat, bemühen sich die Ligavertreter weiterhin um eine bessere Medienpräsenz der Liga. „Wir brauchen unbedingt einen attraktiven Fernsehvertrag und ver-handeln in diese Richtung“, sagt der Ligaausschuss-Vorsitzende Christoph Reuhl. Ergänzend dazu soll auch der in den vergangenen Play-offs unternommene „Feldversuch“, Tischtennis-Bundesligaspiele live im Internet zu übertragen, weiter verfolgt und ausgebaut werden. Wie oft und in welcher Form das so genannte „Live-Streaming“ erfolgen wird, steht derzeit noch nicht fest.
DER MODUS
Auch in diese Saison geht die Bundesliga wieder mit der Sollzahl von zehn Mannschaften. Der Modus bleibt unverändert. Wie in der vergangenen Saison werden in einer normalen Punkterunde mit Hin- und Rückserie die vier Play-off-Teilnehmer (Platz 1 bis 4) ermittelt. Der Neunte und Zehnte steigen ab, sofern aus der 2. Bundesliga zwei Klubs aufsteigen wollen. Im Play-off-Halbfinale treffen der Viert- und Erstplatzierte sowie der Dritt- und Zweitplatzierte im Hin- und Rückspiel aufeinander. Die Sieger bestreiten das Finale, in dem ebenfalls im Hin- und Rückspiel der deutsche Meister ausgespielt wird. Der in der Punktrunde besser platzierte Verein hat im Halbfinale und Finale jeweils die Wahl, ob er zuerst zu Hause oder auswärts antreten möchte, und er ist bei Gleichstand nach beiden Spielen der Sieger.
Der erste Spieltag:
Fr 25.08. 19:30 SV Plüderhausen - TTC Frickenhausen
Fr 25.08. 19:30 TTC Zugbrücke Grenzau - TTC SIG Combibloc Jülich
Sa 26.08. 19:00 TTF LIEBHERR Ochsenhausen - TSV Schwalbe Tündern
Sa 26.08. 19:30 Borussia Düsseldorf - Müller Würzburger Hofbräu
So 27.08. 17:00 TTV Gönnern - TTC RhönSprudel Fulda Maberzell
Den kompletten und stets aktualisierten Spielplan gibt’s im Internet unter www.tt-bundesliga.de oder www.tischtennis.de .
Jugendstil in der Tischtennis-Bundesliga
Die „jungen Wilden“ wittern ihre Chance
Etwa mit Michael Maze oder Torben Wosik haben einige etablierte Spieler die Tischtennis-Bundesliga verlassen – doch aus der teils finanziellen Not machen die zehn Erstligisten zuneh-mend eine Tugend. Eine ganze Garde „junger Wilder“ bekommt nun ihre Chance.
„Das ist eine Tendenz, die nicht ganz schlecht sein muss“, betont Stefan Frauenholz. Auch der Manager des TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell hat längst mit Jörg Schlichter einen „Jungspunt“ erfolg-reich in seine Mannschaft eingebaut: „Man braucht auch einige etablierte Leute in der Liga – mit Jörg hat sich bei uns jedoch ein Junger beeindruckend entwickelt, er hat nach einer Durststrecke in der Rückrunde kaum noch ein Spiel verloren.“ Der 22-jährige Schlichter wurde in der Vorsaison so auch „Spieler des Jahres der 1. Bundesliga“. Im Sommer fanden in Sarajewo die Jugend-Europameisterschaften statt – eine Vielzahl der hoffnungsvollen Titelträger tummelt sich bereits jetzt in der deutschen Eliteliga an exponierten Positionen.
Der frischgebackene Mannschafts-Europameister Dimitrij Ovtcharov besetzt beim TSV Schwalbe Tündern bereits die Planstelle der Nummer eins. Sein „Golden Boy“-Teamkollege Steffen Mengel steht beim Champions League-Sieger in Gönnern an der Seite von Timo Boll und Jörg Roßkopf im hinteren Paarkreuz im Team. Die Diens-te des Jungen-Einzel-Europameisters hat sich längst der TTC SIG Combibloc Jülich gesichert. „Die Saison fängt für uns gut an“, jubilierte Jülichs sportlichen Leiter Knut Gollnow nach dem Triumph des Potugiesen Marcos Freitas.
Einige populäre Akteure haben die Liga also verlassen, doch mit den „jungen Wilden“ kann die Bundesliga in ihrer 41. Saison den Anhängern auch eine Vielzahl von neuen, interessanten Gesichtern bieten. Ochsenhausens Trainer Anders Johansson betont stets, erst mit rund 30 Jahren erreiche ein Tischtennisspieler normalerweise seinen Leistungs-Zenit. Ist der Sprung der „Teenies“ in die erste Liga also vielleicht auch ein zu großer? Für Frickenhausens Manager Christoph Reuhl liegt das Geheimnis im spezifischen Umgang mit den ambitionierten Nachwuchskräften. Der Titelverteidiger hat den amtierenden Jugend-Weltmeister im Einzel unter Vertrag genommen – Patrick Baum ist gerade 19 Jahre alt geworden und soll nun systematisch in der Bundesliga aufgebaut werden. „Wir sind von ihm absolut überzeugt“, sagt Reuhl, „er kann bei uns ohne Druck agieren und wird gleich durchspie-len.“ Die Stammplatzgarantie soll „Patti“ die Integration erleichtern und seine kontinuierliche Ent-wicklung fördern – Geduld bei obligatorischen Leistungstief eines jungen Spielers ist oberstes Gebot. Der Neuzugang aus Gönnern möchte das Vertrauen nun gleich rechtfertigen und hat sich in Fricken-hausen bereits einiges vorgenommen: „Ich will eine positive Bilanz spielen, mit dem Team vorne mitmischen und mindestens in die Play-offs.“
Die Entwicklung von Christian Süß bestätigt beispielsweise die Bundesligisten der Rotschopf feierte gerade seinen 21. Geburtstag und hat sich bei der WM in Bremen nun auch international etabliert. Der zweifache Vizeweltmeister steht beim Rekordmeister Borussia Düsseldorf in dieser Saison im Spit-zenpaarkreuz. Dazu haben die Rheinländer mit dem erst 17-jährigen Japaner Jun Mizutani ein „Ju-wel“ in der Hinterhand, der als eines der größten Tischtennis-Talente der Welt gehandelt wird. Warum auf renommierte Stars setzen? – Die Bundesliga bildet sich zunehmend ihre eigenen Stars selbst aus. +++
DIE MANNSCHAFTEN .....
TTC Frickenhausen: In der Konsolidierungsphase
Vereinsvertreter: Präsident: Rolf Wohlhaupter-Hermann. Manager: Christoph Reuhl, Tel. 0177/3805575. Mail: [email protected]. Spielort: Sport-halle auf dem Berg, Fröbelstraße 2, 72636 Frickenhausen Tel./Fax 07022/9 43 41 23. Größte Vereinserfolge: Deutscher Meister 2006, ETTU-Pokalsieger 2006, DTTB-Pokalsieger 2005/06. Internet: www.ttc-frickenhausen.de
Wenn sich Rolf Wohlhaupter-Hermann nach der erfolgreichsten Saison der Vereinsgeschichte mit dem Gewinn der Meisterschaft, des DTTB- und des ETTU-Pokals für die neue Serie keine allzu gro-ßen Titelchancen ausrechnet, hat das nichts mit Tiefstapelei zu tun. Der Jubel über das Triple ist ver-hallt, Frickenhausen fand keinen neuen Haupt- oder Namenssponsor und musste abspecken. „Wir fallen nicht in ein Loch, weil wir realistische Vorstellungen haben“, sagt der Präsident. „Die neue Saison ist eine Konsolidierungsphase.“ Für Trainer Qiu Jianxin bedeutet dies: Er geht mit einer Mannschaft ins Rennen, die nominell deutlich schwächer ist. Für den Neu-Ochsenhausener Jens Lundquist ist als Nummer zwei Bastian Steger gekommen, dessen Bilanz in Düsseldorf mit 17:16 schlechter war als die des Schweden (18:15), obwohl Steger in der kompletten Rückrunde hinten spielte. Genau das war für Wohlhaupter-Hermann das Problem. „Das war Einstellungssache. Er war sauer, dass er in der Rückrunde hinten spielen musste“, ist sich der neue Chef sicher und traut dem Nationalspieler zu, an die starken Leistungen der vorletzten Saison anzuknüpfen.
Nachdem er in den vergangenen beiden Jahren im Trikot des TTV Gönnern selten überzeugt hat, hofft Jugend-Weltmeister Patrick Baum auf seinen Durchbruch beim Meister. Als Nachfolger von Torben Wosik tritt der Youngster ein schweres Erbe an: Der zu Frickenhausens Champions League-Gegner Angers abgewanderte Nationalspieler hatte eine Bilanz von 18:9 zu Buche stehen. „Und Tokic/Wosik war natürlich ein Traumdoppel“, ergänzt Wohlhaupter-Hermann. Trotzdem glaubt er, zumindest per-spektivisch aufs richtige Pferd zu setzen. „Ich traue Baum sehr viel zu“, sagt er und bringt den Trainer ins Spiel: „Qiu hat ein wahnsinnig gutes Händchen für junge Leute. Ich hoffe, dass es Baum Sicher-heit gibt, bei uns einen Stammplatz zu haben und auch im Doppel eingesetzt zu werden. “ Beides hatte Patti in Gönnern gefehlt, und das war der Hauptgrund für den Wechsel. Baum tritt auch im Doppel mit Tokic Wosiks Nachfolge an. „Steger/Ma müsste gut klappen“, benennt Wohlhaupter-Hermann das zweite neue Duo. Dass Ma Wenge verlängert hat, spricht für ein erneut sehr starkes Frickenhausen. Mit einer Bilanz von 31:8 gehörte er in der vergangenen Saison einmal mehr zu den überragenden Akteuren.
Während das Meisterteam die neue Serie wohl nahezu konkurrenzlos dominiert hätte, darf sich das geschwächte Frickenhausen auf mehr Spannung als je zuvor im Kampf um Play-off-Plätze und Meis-terschaft freuen. „Wir sind genauso geschwächt wie alle anderen Spitzenmannschaften“, erklärt Wohlhaupter-Hermann: „Es gibt acht gleich starke Teams, die alle Meister werden können.“ Trotz der Ausgeglichenheit mag der Präsident aber nicht an eine Titelverteidigung glauben. „In der Bundesliga sehe ich uns im Mittelfeld mit Blick nach vorne“, sagt er: „Es könnte für den Sprung in die Play-offs reichen, eine Titelverteidigung halte ich aber nicht für möglich.“
Die Mannschaftsaufstellung:
1. Ma Wenge (CHN) 27.03.68
2. Bastian Steger (D) 19.03.81
3. Bojan Tokic (SCG) 13.01.81
4. Patrick Baum (D) 23.06.87
5. Kenichi Takakiwa 13.09.84
TTF Liebherr Ochsenhausen: Hohes Ziel trotz Handicap
Vereinsvertreter: Rainer Ihle (Präsident), Bahnhofstraße 8, 88416 Ochsenhausen Telefon 07352/1788, Fax 07352/4640. Spielort: BSZ-Sporthalle Biberach, Telefon 07351/346-282. Größte Vereinserfolge: Deutscher Meister 1997, 2000 und 2004; DTTB-Pokalsieger 2002, 2003, 2004; ETTU-Pokalsieger 1996 und 1997. Inter-net: www.ttf-liebherr-ochsenhausen.de
Der dreimalige Deutsche Meister TTF Liebherr Ochsenhausen startet nicht gerade unter den besten Voraussetzungen in seine von Präsident Rainer Ihle als „Übergangsjahr“ bezeichnete 15. Bundesliga-saison: Nachdem man mit Chuang Chih-Yuan und Fedor Kuzmin zwei gestandene Kräfte ziehen las-sen musste beziehungsweise ließ und beide Abgänge nicht gleichwertig ersetzte, fällt auch noch Neu-zugang Jens Lundquist einen (Groß-)Teil der Vorrunde aus. Entgegen den letztjährigen Voraussagen schwedischer Sportärzte musste sich der seit fast einem Jahr mit Schulterproblemen kämpfende Schwede kurz vor Saisonstart doch einer Operation unterziehen, um schmerzfrei leben und Tischten-nis spielen zu können.
Eine deutliche Schwächung der Mannschaft – auch wenn Spieler wie Verantwortliche bei der Presse-konferenz bemüht waren, die sportlichen Folgen des acht- bis zehnwöchigen Ausfalls der Nummer zwei in ein erträgliches Licht zu rücken. „Ich habe mich ehrlich gesagt nicht damit beschäftigt, wie sich sein Fehlen auswirken könnte“, beteuerte TTF-Trainer Anders Johansson, „mir tut der Spieler leid, denn was wir in nur zweieinhalb Wochen festgestellt und in die Wege geleitet haben, dafür hätte der schwedische Verband elf Monate Zeit gehabt.“ Die von der Vereinsspitze dieses Jahr mit der Formulierung ihrer Saisonziele beauftragte Mannschaft ließ sich nicht beeindrucken. „Wir möchten die Play-off-Runde erreichen und bis dahin so stark sein, um den Titel holen zu können“, erklärte der nach Chuangs Abschied auf die Spitzenposition vorgerückte Adrian Crisan, angesprochen auf Lund-quists Ausfall fügte der Rumäne an: „Eine ganze Saison lang könnten wir auf ihn sicher nicht verzich-ten. Aber wir sind stark genug, um ihn zwei Monate lang zu ersetzen.“
Johansson zeigte sich „sehr froh darüber, dass sich die Mannschaft ein so hohes Ziel steckt“ und hofft darauf, dass „wir uns etwas schneller entwickeln als die anderen. Dann ist alles möglich“. Der ver-gangene Saison nicht gänzlich überzeugende Crisan soll in seiner neuen Rolle als Nummer eins wach-sen und an die starke Form des Vorjahres anknüpfen, bei Kapitän Dmitrij Mazunov setzt Johansson darauf, dass der Russe dieses Mal die komplette Runde fit bleibt: „Dann ist er nicht unbedingt schwä-cher als Lundquist.“ Dazu soll dessen Landsmann Pär Gerell seinen positiven Leistungstrend aus der vergangenen Saison fortsetzen, und vom Potenzial des bislang in seiner Heimat aktiven portugiesi-schen Neuzugangs Joao Monteiro ist man ohnehin überzeugt. Johansson: „Joao hat das Zeug, den Sprung unter die besten zwölf Spieler in Europa zu schaffen.“
TTF-Präsident Rainer Ihle geht trotz des verletzungsbedingten Handicaps („Wir sind 14 Jahre lang weitgehend verschont geblieben, jetzt hat es uns eben mal erwischt“) guten Mutes in die neue Spiel-zeit: „Wir haben nicht umsonst fünf sehr gute Spieler im Kader, und ich traue allen sehr viel zu.“
Die Mannschaftsaufstellung:
1. Adrian Crisan (ROM) 07.05.80
2. Jens Lundquist (SWE) 29.08.79
3. Dmitrij Mazunov (RUS) 12.05.71
4. Pär Gerell (SWE) 23.06.82
5. Joao Monteiro (POR) 29.08.83
6. Ovidiu Ionescu (ROM) 28.06.89
TTC Zugbrücke Grenzau: Nur auf den ersten Blick geschwächt
Vereinsvertreter: Manfred Gstettner, Brexbachstraße 11-17, 56203 Höhr-Grenzhausen, Tel. 02624/105435, Fax 02624/105462. E-Mail: [email protected]. Spielort: Zugbrückenhalle, Brexbachstraße 11-13, 56203 Höhr-Grenzhausen. Größte Erfolge: Deutscher Meister 1987, 1991, 1994, 1999, 2001, 2002; DTTB-Pokalsieger 1987, 1992 und 2001; Europapokalsieger 1987, 1988 und 2000, ETTU-Cupsieger 1998. Internet: www.ttczugbrueckegrenzau.de
Der Fall TTC Grenzau Zugbrücke Grenzau scheint ein ganz klarer zu sein: Der Verein aus dem rund 100-Seelen-Dorf im Westerwald hat seine Nummer zwei, Trinko Keen (Niederlande), an Bundesliga-Rückkehrer SV Plüderhausen abgegeben, dafür kam aus Würzburg der Tscheche Tomas Pavelka als neue Nummer vier. Grenzau also deutlich geschwächt und nur mit geringen Chancen auf die Play offs? Für Manfred Gstettner, der seit Jahr und Tag die Geschicke des Vereins leitet, ist die Mann-schaft nur auf den ersten Blick schlechter als in der vergangenen Serie, in der Grenzau in den Play-off-Halbfinals an Ochsenhausen scheiterte. „Trinko Keen war ja unser großer Schwachpunkt und hat bei uns maßlos enttäuscht“, verweist der Präsident auf die alles andere als überzeugende Bilanz von 15:22. Für den Holländer rückt Cheung Yuk auf Position zwei vor. Der Hongkong-Chinese hatte sich recht schnell in der Bundesliga zurechtgefunden und eine gute Premierenbilanz von 19:11 im hinteren Paarkreuz erzielt. Lediglich in den Halbfinals gegen Ochsenhausen blieb Cheung hinter den Erwar-tungen zurück und konnte nur eins von vier Einzeln gewinnen.
Über die ganze Saison betrachtet, überwiegt für Gstettner jedoch eindeutig das Positive. „Ich traue Cheung Yuk vorne mehr Siege zu als Trinko Keen“, sagt der Präsident. „Ich denke schon, dass er zumindest leicht positiv spielen kann, vielleicht sogar ein bisschen besser. Er ist schließlich nicht umsonst WM-Dritter mit der Mannschaft geworden.“ Dass sein Spieler in Bremen kein Bankdrücker, sondern ein Leistungsträger war, spricht für die Einschätzung von Gstettner.
Mit dem Polen Lucjan Blaszczyk bildet der Mann aus Asien zudem ein sehr starkes Doppel. Die bei-den hatten vergangene Saison auf Anhieb harmoniert und in 18 Begegnungen 13 Mal als Sieger den Tisch verlassen. Ein erfolgreicher Cheung würde wohl auch Spitzenspieler Blaszczyk etwas entlasten, der mit einer Bilanz von 18:21 zuletzt auch etwas enttäuschte. Gegen die Spitzenmannschaften zum Siegen verdammt zu sein, war für den Osteuropäer eine alles andere als günstige Ausgangsposition.
Der einzige Neuzugang kommt mit guten Referenzen in den Westerwald. An Tomas Pavelka lag es nicht, dass Würzburg seinen Titel nicht verteidigen konnte, ja noch nicht einmal die Play-offs erreich-te. Der Tscheche kommt mit einer 11:6-Bilanz zum TTC. „Er hat gut gespielt. Mal abwarten, wie er sich entwickelt“, will Gstettner die Erwartungen nicht zu hoch schrauben. „Natürlich ist er noch keine feste Größe. Er wohnt bei uns, anders als Keen, und Pavelka ist jung. Ich denke, dass er sich noch steigern kann.“ Wenn ihm das gelingt und Zoltan Fejer-Konnerth da weiter macht, wo er in der zwei-ten Saisonhälfte aufgehört hat – nach einem miserablen Start erreichte der Nationalspieler noch eine Bilanz von 16:11 – ist Grenzau nicht nur ein Play off-, sondern sogar ein Meisterschaftskandidat.
Der Vereinschef kommt etwas bescheidener daher. „Wir wollen wieder die Play-off-Runde erreichen, und das wird schon schwer genug“, meint Gstettner. „Mehr Ziele haben wir nicht.“
Die Mannschaftsaufstellung
1. Lucjan Blaszczyk (PL) 28.12.74
2. Cheung Yuk (HKG) 28.10.81
3. Z. Fejer-Konnerth (D) 20.07.78
4. Tomasz Pavelka (CZE) 10.02.80
5. Chen Zhibin 21.10.62
Borussia Düsseldorf: Wagner-Festspiele im Rheinland?
Vereinsvertreter: Andreas Preuß, Staufenplatz 6, 40629 Düsseldorf, Tel. 0211/99179-13, Fax 0211/99179-79. E-Mail: [email protected]. Spielort: TT-Zentrum Düsseldorf-Grafenberg, Staufenplatz 6, Tel. 0211/99179–0. Größte Vereinserfolge: 20 x Deutscher Meister, 17 x Deutscher Pokalsieger, 6 x Europapokalsieger der Landesmeister, Champions-League-Sieger 2000. Internet: www.borussia-duesseldorf.de.
Auch nach drei Serien in Folge ohne Titel denkt beim Rekordmeister niemand daran, die Latte für die neue Saison tiefer zu hängen. Der neue Cheftrainer Dirk Wagner hat dieselben hohen Ansprüche wie Vorgänger Andreas Preuß („Mit der Borussia muss man immer nach Titeln schielen“), der zwar bei den Spielen weiter coachen, sich aber ansonsten auf das Management des neuen DTTZ und des Ver-eins konzentrieren wird. „Wir haben keinen Grund, kleinere Brötchen zu backen“, sagt Wagner selbstbewusst. „Im Vergleich zur letzten Saison sind wir nicht schlechter einzuordnen.“ In eben jener vergangenen Serie waren die Rheinländer im Halbfinale an Frickenhausen gescheitert und hatten ih-ren Platz in der Champions League verloren, weil sie in der Normalrunde nur den vierten Platz beleg-ten. Deshalb ist für den Trainer das Minimalziel in der Bundesliga klar: „Wir wollen unter die ersten drei, um wieder in die Champions League zu kommen.“Das möchte der 35-Jährige mit einem Team erreichen, das auf gleich drei Positionen verändert ist – nur Christian Süß und Danny Heister sind geblieben. Die Rolle des Spitzenmanns übernimmt Petr Korbel, der nach sehr langer Zeit zur Borussia zurückkehrt. „Er will sich noch mal auf Olympia 2008 vorbereiten und ist überzeugt davon, dass er hier die optimalen Bedingungen vorfindet“, erklärt Wag-ner. Anders als zu Würzburger Zeiten werde der Tscheche weit weniger im japanischen Super Circuit spielen: „Er wird hier leben und wesentlich häufiger zur Verfügung stehen als Michael Maze.“ Da der Däne bei seinen begrenzten Einsätzen zuletzt immer weniger überzeugt hatte, sieht Wagner sein Team durch den neuen Spitzenspieler Petr Korbel gestärkt. Korbel sagt: „Ich freue mich, wieder hier bei Borussia zu trainieren und vor solch prima Fans zu spielen. Ich glaube, wir haben eine gute Mann-schaft zusammen.“ Hinter Korbel und Danny Heister, der zunehmend in die Rolle des Co-Trainers hineinwachsen soll, ist es vor allem eine junge Mannschaft – vom Lebensalter, aber auch von der Bundesliga-Erfahrung. Da kommt ein Christian Süß vor seiner sechsten Saison in der Lizenzliga schon als alter Hase daher, doch Wagner betont: „Man darf nicht vergessen, dass Christian gerade erst 21 geworden ist.“ Will heißen: Nach einem starken Debüt im vorderen Paarkreuz in der Rückrunde (Bilanz: 9:8) dürfe man nicht erwarten, dass es immer nur steil aufwärts gehe.
Die noch größere Wundertüte ist aber wohl das hintere Paarkreuz. Bei dem in der Jugend als dreifa-chem EM-Zweiten sehr erfolgreichen, aber inzwischen auch schon 23-Jährigen Polen Bartosz Such hofft Wagner auf den Durchbruch. Noch viel mehr verspricht er sich indes von seinem Küken. Viele Experten sind sich einig: Der Japaner Jun Mizutani, 17 Jahre jung, könnte der erste Nicht-Chinese seit Timo Boll werden, der um die ganz großen Titel mitspielen kann. Die Nummer 1 der Junioren-Weltrangliste steht für Trainer Wagner in Düsseldorf vor einer großen Herausforderung: „Er ist schon in der Lage, gegen Weltklasseleute zu gewinnen, aber bei uns muss er im Alttag, Woche für Woche, seine Leistung abliefern.“ Somit steht auch Wagner vor einer großen Herausforderung: „Mit einem solchen Spieler zu arbeiten, erfordert ein feines Gespür.“
Die Mannschaftsaufstellung:
1. Petr Korbel (CZE) 06.06.71
2. Christian Süß (D) 28.07.85
3. Danny Heister (NED) 18.11.71
4. Bartosz Such (PL) 16.03.83
5. Jun Mizutani (JP) 09.06.89
TTV Re-Bau Gönnern: Mehr Boll in der Bundesliga?
Vereinsvertreter: Torsten Märte, Tel. 06461/806660. E-Mail: [email protected]. Spielort: Nassau-Oranien-Halle, Berliner Str., 35683 Dillenburg. Größte Vereinserfolge: Champions-League-Sieger 2005 und 2006, DTTB-Pokalsieger 1997 und 2002, Deutscher Vizemeister 2001 und 2002. Internet: www.ttv-goennern.de
Es ist kein Wunder, dass keiner der Konkurrenten Gönnern auf der Rechnung hat. In der letzten Sai-son verpassten die Hessen zum zweiten Mal in Folge die Play-offs, weil Timo Boll nur begrenzt zur Verfügung stand. Obwohl die Zahl der Bollschen Einsätze mit 21 konstant bleibt, rechnet sich der zweifache Champions League-Sieger aber plötzlich bessere Chancen aus, im Kampf um die nationale Meisterschaft ein Wörtchen mitzureden. Grund ist die günstige Champions League-Auslosung. „Ich weiß nicht, ob Timo in Gloska und Prag spielen muss“, sagt Trainer Helmut Hampl. Er ist der Meinung, dass die Polen und die Tschechen auch ohne Boll zu schlagen sind: „Diese Einsätze könnten wir uns für die Bundesliga aufsparen.“ Der Coach hat natürlich längst ausgerechnet, was das bedeuten würde. „Dann könnte ich ihn in 15 von 18 Bundesligaspielen bringen“, erklärt er. „Damit sind die Voraussetzungen in der Bundesliga etwas anders als im letzten Jahr.“ Hinzu kommt, dass unfreiwilli-ge Einsätze Bolls, die durch Verpflichtungen Wu Chih-Chis in Taiwan zustande kamen, in der neuen Saison praktisch ausgeschlossen sind. Hinter dem Weltcup-Sieger verfügt Hampl nun über vier Spie-ler, die er immer einsetzen kann. Dazu stünde Wu im Oktober/November und Februar/März parat.
Hinter Boll, Roßkopf und Grujic hat sich das Personalkarussell gedreht. Jugend-Weltmeister Patrick Baum ging zu Meister Frickenhausen, dafür kamen zwei neue junge Spieler: Der 21-jährige Tscheche Antonin Gavlas (Hampl: „Ein Rohdiamant“) und der deutsche Jugend-Meister Steffen Mengel. Der 18-Jährige ist nach Baum und Dimitrij Ovtcharov (Tündern) der dritte deutsche Nachwuchsspieler in Folge, der den Sprung in die Lizenzliga geschafft hat. „Steffen ist ein Kämpfer, ein Beißer“, nd das hat mir immer sehr gut gefallen.“ Mengel, der in der vergangenen Hinserie noch im mittleren Paarkreuz der 2. Liga spielte, ist von der Entwicklung selbst überrascht: „Vor einem Jahr hätte ich mir noch nicht träumen lassen, dass ich jetzt für den Champions League-Sieger spiele.“
Chefbundestrainer Dirk Schimmelpfennig begrüßt dies ebenso wie Mengels Entschluss, im DTTZ zu trainieren und die 12. Klasse in Düsseldorf zu beenden: „Ich bin überzeugt, dass ihn der Schritt weiter nach vorne bringen wird.“ Doch davor hat der 1,93 Meter-Schlaks auch Respekt: „Dieses erste Jahr wird schwierig für mich, weil ich der einzige Spieler sein werde, der die Doppel-Belastung Bundesliga und Schule hat. Aber man wächst mit seinen Aufgaben.“ Das erhofft er sich auch im Doppel an der Seite von Jörg Roßkopf: „Das ist für mich natürlich eine große Herausforderung, mit einem der besten deutschen Spieler aller Zeiten und dem früheren Weltmeister im Doppel zu spielen.“
Derweil macht Hampl kein Hehl daraus, dass seine Entscheidung für die Jugend erneut aus der finanziellen Not geboren wurde. „Ich hätte gerne einen Chinesen für vorne gehabt“, sagt er, doch angesichts fehlender rund 100.000 Euro in der Vereinskasse war das völlig außer Reichweite. Dafür ist der erste DM-Titel für die Hessen vielleicht ganz nah. Der Trainer ist sich jedenfalls sicher: „Wenn wir vorne so spielen wie vergangene Saison und hinten nur einer positiv, dann sind wir ganz vorne dabei.“
Die Mannschaftsaufstellung:
1. Timo Boll (D) 08.03.81
2. Jörg Roßkopf (D) 22.05.69
3. Slobodan Grujic (SCG) 24.08.73
4. Steffen Mengel (D) 02.08.88
5. Antonin Gavlas (CZE) 04.06.85
6. Wu Chih-Chi (TPE) 04.11.86
TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell:
Die Waldner-Show geht weiter
Vereinsvertreter: Stefan Frauenholz, Tel. 0171/6547735. E-Mail: [email protected]. Spielort: Wilmingtonhalle, Washingtonallee 14, 36041 Fulda. Größte Vereinserfolge: Bundesliga-Aufstiege 2000, 2005. Internet: www.ttc-maberzell.de
„Es kommt jetzt natürlich darauf an, wie die Mannschaft spielt“, hält sich Manager Stefan Frauenholz mit einer Zielsetzung für den TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell bedeckt. Als Außenseiter starteten die Nordhessen in der Vorsaison, um nach einer formidablen Rückrunde auf den sechsten Tabellen-platz zu stürmen. Vor der zweiten Erstligarunde kam nun der schwedische Nationalspieler Magnus Molin vom Absteiger Werder Bremen hinzu. „Man sollte meinen, dass wir so an die Rückrunde an-knüpfen können“, hofft der TTC-Chef. Die Experten haben Fulda-Maberzell nun längst auf der Rech-nung, wenn es darum geht, die besten Teams auszumachen, die um den Einzug in die Play-off-Runde spielen dürften. Auch Vize-Präsident Michael Hodes wird etwas deutlicher und gibt als Ziel an, sich mindestens einen Platz verbessern zu wollen, „wenn möglich aber auch um den Play-off-Einzug mitspielen“.
Einmal mehr ruhen die Hoffnungen auf Überspieler Jan-Ove Waldner. Bei der WM in Bremen hat das Tischtennis-Genie seine Karriere im schwedischen Nationaltrikot nun zwar beendet, doch im vorde-ren Paarkreuz der Bundesliga will „Waldi“ mit der Konkurrenz auch weiterhin seine Streiche spielen. „Er hat die Zuschauer begeistert“, schwärmt Frauenholz vor dem zweiten Jahr der Waldner-Show, „wir haben in der Rückrunde fast immer vor einem ausverkauften Haus gespielt. Doch nicht allein das Spektakel ist beim „alten Schweden“ garantiert, der im Oktober seinen 41. Geburtstag feiert - er verbesserte sogar noch einmal seine Einzel-Bilanz im vorderen Paarkreuz gegenüber dem Vorjahr in Plüderhausen.
Feng Zhe wird mit Waldner auch weiterhin das Spitzenpaarkreuz bilden, Jörg Schlichter und Molin das hinteren Paarkreuz. Als neuer Cheftrainer fungiert Michal Dziubanski, Hans-Jürgen Fischer stand aus beruflichen Gründen nicht mehr zur Verfügung. Neuer Co-Trainer und Leiter der Tischtennis-Schule wird der an Nummer fünf aufgebotene Qingyu Meng sein, der auch im Doppel eine feste Größe sein wird. Die Voraussetzungen scheinen günstig, dass im zweiten Erstligajahr nicht allein die sportliche Konsolidierung steht, sondern vielleicht sogar tatsächlich ein Play-off-Platz drin ist. Doch Frauenholz will den Druck auch nicht zu stark anwachsen lassen, immerhin hatte der TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell vor der sensationellen Hinrunde auch eine eher bescheidene Hinrunde gespielt: „Im ersten Halbjahr haben wir 4:14 gespielt, im zweiten 14:4 - und das mit der genau gleichen Mannschaft.“
Die Mannschaftsaufstellung (Bild oben)
1. Jan-Ove Waldner (SWE) 03.10.65
2. Feng Zhe (BUL) 28.04.75
3. Jörg Schlichter (D) 22.12.83
4. Magnus Molin (SWE) 21.08.79
5. Meng Qing Yu (CHN) 18.03.73
6. Hans-Jürgen Fischer (D) 19.01.66
TRAINER: Michal Dziubanski, Meng Qing Yu. ZUGÄNGE: Magnus Molin (Bremen). ABGÄNGE: keine. SAISONZIEL: Platz 6 bis 8 und vielleicht ein bisschen besser. MEISTERSCHAFTSTIPP: (Martina Sauer, Kas-siererin) 1. Ochsenhausen, 2. Grenzau, 3. Frickenhausen, 4. Düsseldorf.
Müller Würzburger Hofbräu: Halbfinals im Visier
Nach einem „Übergangsjahr“, wie man in Würzburg die vergangene Saison mit dem bescheidenen siebten Tabellenplatz bezeichnet, meldet sich der Deutsche Meister von 2005 bei den Bundesliga-Spitzenteams zurück. „Einige haben uns sogar als Meister getippt – was ich für ein bisschen überzo-gen halte – aber unser Ziel ist in allen drei Wettbewerben das Halbfinale. Und das ist mit dieser Mannschaft durchaus realistisch“, sagt Manager Frank Müller.
Sehr lange hatte er die Szene in der vergangenen Saison darüber rätseln lassen, wie „diese Mann-schaft“ in der neuen Runde aussehen würde. Eine Woche vor Ende der Wechselfrist gab der Verein die Verpflichtung von Thomas Keinath vom Ligakonkurrenten Jülich bekannt, und sechs Tage später zog Müller seinen Trumpf aus dem Ärmel: Aus Zagreb kam Tan Ruiwu an den Main. Der in China geborene Kroate spielte in der vorigen Saison eine sensationelle 8:1-Bilanz in der Champions League und bildet nun mit dem Hongkong-Chinesen Leung Chu-Yan ein starkes vorderes Paarkreuz. Der Vorteil gegenüber dem vergangenen Jahr: Im Gegensatz zum Tschechen Petr Korbel, der nach Düsseldorf gewechselt ist, steht Tan Ruiwu in allen Spielen zur Verfügung.
Fürs hintere Paarkreuz holte man neben Keinath den 22-jährigen Slowaken Peter Sereda, dem zwar die großen internationalen Resultate fehlen, von dessen Potenzial Frank Müller aber überzeugt ist: „Er ist ein sehr guter Spieler. Sonst hätte ich ihn nicht geholt.“ Als Alternativen stehen der Weißrusse Evgueni Chtchetinine, der nach seinem Achillessehnenriss aus der vergangenen Saison spätestens Ende September wieder einsatzfähig sein soll, Fan Changmao und Frank Müller zur Verfügung. Wenngleich sich der Manager lediglich als Option für die Doppel sieht – und auch das nur bedingt: „Wir haben mit Leung/Tan ein Top-Doppel, und auch Keinath/Sereda sollen sehr gut zusammenspie-len. Wenn das stimmt, unsere Doppel punkten und wir insgesamt gute Erfolgsaussichten haben, sehe ich keinen Grund, selber zu spielen.“ Er selbst beurteilt die Chancen seiner Mannschaft positiv: „Düs-seldorf und Frickenhausen schätze ich etwas stärker ein als uns. Wenn aber Ochsenhausen tatsächlich fast die ganze Vorrunde auf Jens Lundquist verzichten muss, sehe ich uns bereits als Nummer drei – auch weil wir mit unserer Aufstellung mehr taktische Möglichkeiten haben als die anderen.“
Die Mannschaftsaufstellung:
1. Leung Chu Yan (HKG) 21.04.79
2. Tan Rui Wu (HRV) 03.06.83
3. Thomas Keinath (D) 31.08.77
4. Peter Sereda (SVK) 13.01.84
5. Evgueni Chtchetinine (BLR) 01.02.70
6. Fan Changmao (D) 08.04.63
7. Frank Müller (D) 15.01.64
TTC SIG Combibloc Jülich: Genuss trotz Abstiegsgefahr
Vereinsvertreter: Arnold Beginn, Tel. 02461/52963, Mail [email protected]. Spielort: Nordhalle Jülich, Berliner Straße, Tel. 02461/54163. Größte Vereinserfolge: TTC Jülich: Europacupsieger der Landes-meister 1984; Europapokal-ETTU-Pokalsieger 1990, 1993 und 1999, Deutscher Pokalsieger 1983/TTG Hoen-gen: ETTU-Pokalsieger 2000. Internet: www.ttc-sig-combibloc-juelich-hoengen.de
Es ist schon kurios: Da steht der TTC SIG Combibloc Jülich ausgerechnet im Jubiläumsjahr – seiner 30. Bundesligasaison – in akuter Abstiegsgefahr. Und was macht der Präsident? Er freut sich auf die neue Spielzeit wie schon lange nicht mehr. „Nach 30 Jahren ist Tischtennis nur noch zu machen, wenn man Spaß an der Sache hat – und ich will eine Saison mit Genuss erleben“, sagt Jülichs „Mann der ersten Stunde“. In den letzten Jahren sei beim TTC „kein richtiges Konzept mehr dahintergestan-den“, räumt Beginn ein, nun aber laute es: „Dem Nachwuchs eine Chance.“ Wobei der Ehrenpräsident gesteht, dass dieses Motto auch ein bisschen aus der Not geboren sei: „Wir sind auch aus wirtschaftli-chen Gründen gezwungen, auf junge Spieler zu setzen.“
Und das tut man in der kommenden Saison mit Nachdruck. Mit seinen 27 Jahren ist Spitzenspieler Lars Hielscher der mit Abstand älteste im Team – sieht man einmal vom 42-jährigen Rückkehrer Adel Massaad ab, der als Ersatzmann zur Verfügung steht. Dazwischen haben sich die „jungen Wilden“ in der Mannschaft eingenistet – Seiya Kishikawa (19/Japan), Marcos Freitas (18/Portugal) und Jakub Kosowski (23/Polen). „Das sind alles Nationalspieler, und sie haben im Jugendbereich schon etliche WM- und EM-Titel gewonnen“, umschreibt Arnold Beginn das große Potenzial des Trios. So wurde Kishikawa mit Japan Mannschaftsweltmeister, und erst vor wenigen Wochen holte sich Freitas die Einzel-Goldmedaille bei den Europameisterschaften in Sarajevo. „Sie stehen erst am Anfang ihrer Entwicklung, und seit sie im Düsseldorfer Tischtennis-Leistungszentrum trainieren, haben sie bereits große Fortschritte gemacht. Das ist auch ein Vorteil gegenüber den vergangenen Jahren: Die ganze Mannschaft trainiert jeden Tag gemeinsam in Düsseldorf und wohnt auch dort – da wächst ein richti-ges Team zusammen“, freut sich Beginn über seine junge Mannschaft, „mit der ich am liebsten drei Jahre lang arbeiten würde“.
Das ist aber wohl nur dann möglich, wenn Jülich den Ligaverbleib schafft – was schwer genug wird. „Wenn man nach den Namen geht und alles programmgemäß läuft, haben wir keine Chance“, weiß Beginn, fügt aber an: „Wir werden mit Sicherheit für die eine oder andere Überraschung sorgen. Und vielleicht gelingt es uns ja, zumindest den TSV Tündern hinter uns zu lassen .“ Sollte es aus der 2. Liga dann wieder nur einen Aufsteiger geben, wäre Jülichs 31. Bundesligasaison gesichert.
Die Mannschaftsaufstellung:
1. Lars Hielscher (D) 09.05.79
2. Seiya Kishikawa (JP) 21.05.87
3. Marcos Freitas (POR) 08.04.88
4. Jakub Kosowski (PL) 26.12.82
5. Adel Massaad (D) 24.06.64
6. Tomasz Krzeszewski (PL) 19.09.74
TRAINER: Johannes Dimmig. ZUGÄNGE: Seiya Kishikawa (Bergneustadt), Jakub Kosowski (Hagen), Marcos Freitas (Sao Roque/POR), Adel Massaad (Krefeld-Bockum). ABGÄNGE: Thomas Keinath (Würzburg), Marek Klasek (Frankreich). SAISONZIEL: Klassenerhalt. MEISTERSCHAFTSTIPP: keine Angabe.
TSV Schwalbe Tündern: Wieder chancenlos, aber voller Hoffnung
Vereinsvertreter: Erich Bonhagen, Tel. 05151/ 959280, Mail: [email protected]. Spielort: Neue Sporthalle Tündern, Lange Straße/Ecke Lawerweg, 31789 Hameln. Größte Vereinserfolge: Bundesliga-Aufstieg 2005. Internet: www.tischtennis-tuendern.de
Wir haben keine Chance, wollen die aber wieder nutzen – das ist erneut das Credo von Underdog Tündern, der in der vergangenen Saison völlig überraschend den Klassenerhalt schaffte. „Es wird noch viel schwerer, in der Liga zu bleiben“, glaubt Trainer Mikhail Ovtcharov an die Gültigkeit des Spruchs ,Das zweite Jahr ist immer das schwerste‘: „Es gibt auch einen entscheidenden Unterschied zur letzten Saison: Diesmal gibt es nur eine Mannschaft, gegen die wir uns etwas ausrechnen können. Die anderen acht sind uns von der Besetzung einfach zu überlegen.“
Mit der einzigen schlagbaren Mannschaft meint der Trainer Jülich. „Ich denke, dass die Chancen ge-gen Jülich 50:50 stehen. Die müssen wir auf jeden Fall hinter uns lassen“, sagt Ovtcharov. „Aber das reicht noch nicht, um rein sportlich den Klassenerhalt zu schaffen.“ Mit „rein sportlich“ meint der Coach den achten Platz, wohl wissend, dass seit 1998 keine zwei Mannschaften mehr abgestiegen sind. Auch Tündern selbst hatte den Verbleib ja als Tabellenneunter gesichert, weil Borsum als Meis-ter der 2. Liga Nord auf das Abenteuer 1. Liga verzichtete. Nachdem er in der vergangenen Saison das Wunder von Tündern vollbracht hatte, hatte Ovtcharov auf etwas mehr Geld gehofft, um fürs zweite Jahr eine noch schlagkräftigere Truppe zusammenstellen zu können. „Das ist schon etwas enttäu-schend, dass das nicht geklappt hat“, gibt der frühere sowjetische Nationalspieler zu. „Wir haben lei-der nicht mehr Geld zur Verfügung als in der letzten Saison.“
Dass die Niedersachsen auf den Positionen eins bis fünf mit durchschnittlich 20 Jahren die jüngste Mannschaft der Bundesliga stellen, hat somit weniger mit der Philosophie des Klubs als mit der har-ten finanziellen Realität zu tun: „Entscheidend war, was für unsere Möglichkeiten bezahlbar war. Aus diesem Kreis haben wir dann junge Spieler bevorzugt, die sich noch steigern können und bisher nicht die Gelegenheit hatten, sich in der Bundesliga zu beweisen.“ So ist eine bunte Nationenmischung entstanden, in der Thiago Monteiro (Brasilien) mit 25 Jahren mit Abstand der älteste Spieler ist. Der 89. der Weltrangliste steht als Nummer zwei vor der schweren Aufgabe, in seinem ersten Einzel stets gegen den gegnerischen Spitzenmann ran zu müssen. Das hintere Paarkreuz in Ovtcharovs Talent-schuppen bilden der 22-Jährige Slowake Lubomir Pistej und Marc Duran (19) aus Spanien, dahinter hofft der zwei Jahre jüngere Russe Stanislav Golovanov auf möglichst viele Einsätze.
Ebenfalls erst 17 und doch schon die Nummer eins ist der Sohn des Trainers. Dimitrij Ovtcharov hat bei seiner Feuertaufe als Spitzenmann in der vergangenen Rückrunde so überzeugt, dass er vor Mon-teiro eingereiht ist, obwohl dieser in der Rangliste mehr als 30 Plätze besser dasteht. „Ich glaube, dass es für Dimitrij schwerer wird, weil er jetzt etwas zu verlieren hat“, sagt der Vater.
Viel lieber hätte er natürlich, wenn sein Filius, der sich nach dem Verlassen der Schule im neuen DTTZ in Düsseldorf erstmals voll auf Tischtennis konzentrieren kann, einen weiteren Sprung nach vorne machen würde. „In der letzten Saison ist er über sich hinausgewachsen und hat über seinem Niveau gespielt“, so der Trainer. „Wenn er wieder so gut spielt und einer drei Neuzugänge das auch schafft, haben wir vielleicht doch eine kleine Chance, Achter zu werden.“
Die Mannschaftsaufstellung:
1. Dimitrij Ovtcharov (D) 02.09.88
2. Thiago Monteiro (BRA) 15.06.81
3. Lubomir Pistej (SVK) 06.03.84
4. Marc Duran (ESP) 09.10.86
5. Stanislav Golovanov (RUS) 23.09.88
6. Vladislav Tanchev (BUL) 30.04.74
SV Plüderhausen: Zurück mit alten Freunden
Vereinsvertreter: Ulrich Engele, Tel. 0 71 81 / 8 46 95. E-Mail: [email protected] Spielort: Hohberg-Sporthalle, Kantstraße, 73655 Plüderhausen. Größte Vereinserfolge: ETTU-Pokalsieger 2002, 2005. Internet: www.svp-tischtennis.de
Normalerweise verweisen Aufsteiger ganz brav und bescheiden auf das Saisonziel Klassenerhalt - im Remstal hält man sich damit erst gar nicht lange auf. „Wir wollen die Play-offs erreichen – alles ande-re wäre eine Enttäuschung“, sagt Plüderhausens Manager Geritt Albrecht selbstbewusst. Ein Jahr fehlte der SV Plüderhausen nun im erlauchten Kreis der Eliteliga – ein Formfehler kostete den Schwaben bekanntlich 2005 die Lizenz. Jetzt sind sie wieder da. Zudem ähnelt die Mannschaft auch dem letzten Erstligateam sehr stark.
„Wir haben auch weiterhin hier nicht die Möglichkeit, eine eigene Trainingsgruppe zu unterhalten“, verdeutlicht der SVP-Manager die alten Probleme, „junge Spieler, die darauf Wert legen, können wir so erst gar nicht holen – wir haben jetzt einfach bei den alten Freunden wieder angefragt.“ Jan-Ove Waldner hatte sich zwar gerade in Fulda eingelebt und wollte nicht zurück an seine alte Wirkungsstät-te, doch sonst sind sie alle wieder gerne ins beschauliche Plüderhausen zurückgekommen. Als außer-ordentlich großen Zufall bezeichnet Albrecht den Coup mit Jörgen Persson. Der fünffache Weltmeis-ter war bei der ersten Wiederkontaktaufnahme während der Mannschafts-WM in Bremen gerne bereit, einige Spiele für seinen Ex-Klub zu bestreiten. Mehr schien zunächst aufgrund seiner vertraglichen Verpflichtungen als Trainer in Katar nicht möglich. Nachdem er seinen Kontrakt nun dort aufgelöst hat, steht der mittlerweile 40-jährige Schwede, der seine internationale Karriere bereits länger beendet hatte, nun doch regelmäßig zur Verfügung. Die Liga ist somit wieder um eine echte Attraktion rei-cher. „Er ist eine unglaubliche Persönlichkeit“, schwärmt Albrecht über den sympathischen „Meister des passiven Spiels“, „er strahlt einfach etwas aus.“
Mit Trinko Keen kam auch der 34-jährige Holländer aus Grenzau wieder zurück – Aleksandar Kara-kasevic und Ferenc Paszy hatten dem Klub ohnehin auch in der zweiten Liga die Treue gehalten. Aus China kommt zudem der 22-jährige Shi Bai, der das hintere Paarkreuz zunächst verstärken soll. Auch auf die ewig jungen Duelle mit dem schwäbischen Konkurrenten TTC Frickenhausen freut man sich in Plüderhausen bereits, gegen den man in der vergangenen Saison erst im ETTU-Finale verloren hat. „Gegen Frickenhausen kommt es auf die Tagesform an“, blickt Albrecht schon auf das Derby zum Ligaauftakt, „acht Teams sind ungefähr gleich stark – so interessant war die Bundesliga vielleicht überhaupt noch nie.“
Die Mannschaftsaufstellung:
1. Aleksandar Karakasevic (SCG) 09.12.75
2. Jörgen Persson (SWE) 22.04.66
3. Trinko Keen (NED) 22.09.71
4. Shi Bai (CHN) 06.01.85
5. Ferenc Paszy (HUN) 13.01.74
TRAINER: Momcilo Bojic. ZUGÄNGE: Jörgen Persson (Pieve/ITA), Trinko Keen (Grenzau), Bai Shi (Pe-king) ABGÄNGE: Lin Ju (Frankreich), Martin Bratanov (Frankreich), Ilja Lupulesku (USA), Uros Slatinsek (Slowenien). SAISONZIEL: Play-offs. MEISTERSCHAFTSTIPP: (Ulrich Engele) 1. Würzburg, 2. Ochsen-hausen, 3.Düsseldorf, 4. Fulda. +++