Es war nur wenige Monate offen und wurde weitgehend akzeptiert, das neue "Stadtbad Esperanto" im gleichnamigen Kongress- und Kulturzentrum am Zieherser Weg in Fulda. Doch als Mitte Mai 2006 immer deutlicher wurde, dass sich der Plattenbelag vom Fußboden in den Schwimmbecken löst, war "Schluß mit lustig". Mehrere Wochen lang im Hochsommer sollten die Sanierungsarbeiten dauern und das öffentliche Bad - in dem auch viele Hotelgäste schwimmen - zum Ende der Freibadsaison wieder zur Verfügung stehen. Aber daraus wird nichts: der "Pfusch am Bau" ist größer, als sich Bauherr und die Stadt Fulda als Mieterin vorstellen konnten. Die Folge: aus den Becken werden die Fliesen komplett entfernt, ein neuer Boden mit Fliesen und mehr Dichtungsfolgen werden eingebaut - und das dauert voraussichtlich noch drei Monate bis Mitte November. Offiziell spricht niemand über die Schadenssumme, es dürfte sich wohl auch um einen Versicherungsfall handeln, doch eine sechsstellige Summe ist nicht abwegig.
Fuldas Verwaltungschef Gerhard Möller drückte heute die Gefühle aller Beteiligten bildreich aus. „Mir blutet das Herz, wenn ich das Bad und die Baustelle sehe.“ Seit Ferienbeginn sind das Schwimmer- und Solebecken mit Außenbereich wegen erheblicher Schäden am Beckenboden geschlossen.
Nach eingehender Untersuchung durch verschiedene Gutachter und Fachfirmen steht nun fest, dass zwei Komponenten den Schaden verursacht haben. Zum einen wurden zu wenige Dehnungsfugen im Beckenboden eingebracht. Die Becken wurden mit Estrichbelag versehen, auf die dann nach der vorgeschriebenen Trocknungszeit die Fliesen aufgebracht wurden. Zum anderen haben die normalen Bewegungen und Verformungen des Estrichbodens Spannungen erzeugt, die die Fliesen durch mangelnde
Dehnungsfugen nicht aufnehmen konnten. Damit haben sich einzelne Fliesen nach oben gewölbt, wodurch wiederum Wasser zwischen Estrich und Rohbodenbetonbecken eindringen konnte.
Das habe den Prozess des Ablösens noch weiter bescheunigt, wie der Inhaber des Kongress- und Kulturzentrums Leo Groll erläuterte. Die hinzugezogenen Gutachter seien zu dem Schluss gekommen, dass die Schäden weitaus größer waren als ursprünglich vermutet. „Wir wollen keine Flickschusterei betreiben, deshalb haben wir uns entschlossen, den gesamten Boden in den beiden Becken zu entfernen“, sagt Groll und bringt sein Bedauern über die aktuelle Entwicklung zum Ausdruck.
Nicht nur für das Bad sei das Ganze sehr schlimm, sondern auch für das Hotel. Viele Buchungen seien bereits storniert worden, weil Kunden aus dem Kongressbereich Bad und Solebecken nicht mitbenutzen können, berichtet Groll. Das bedeute neben Einnahmeverlusten auch einen „erheblichen Imageschaden für unser Haus“.
Während der gesamten Schließungszeit des Bades sei allerdings der Wellnessbereich im Hotel Esperanto "uneingeschränkt nutzbar", hieß es. Auch der Sauna- und Wellnessbereich Beauty & Spa Esperanto bleibe von den Revisionsarbeiten unberührt und biete zu speziellen Sommerpreisen attraktive Angebote zum Entspannen und Wohlfühlen in der großen Saunalandschaft mit sonniger Außenterrasse an.
"Der Schaden, der unserem Haus durch die Revisionsarbeiten entsteht, ist beträchtlich" betonte Investor Leo Groll. Wie die Bevölkerung Fuldas und unsere Gäste sei auch er davon ausgegangen, dass in einem neu erbauten Bad nach so kurzer Betriebszeit keine so umfangreichen Reparaturen durchgeführt werden müssten. Gleichzeitig aber sei man zuversichtlich, dass die nun anstehenden Reparaturarbeiten problemlos durchgeführt werden und die Bäder "bald wieder öffnen können".
Bedauern und Enttäuschung auch bei der Stadt Fulda
„Wir hatten einen außerordentlich guten Einstieg und erfreuliche Zahlen nach der Phase der Umgewöhnung der Badbenutzung“, sagt Fuldas OB. Die Stadt als Mieter bedauere mit dem Vertragspartner und der Baufirma die Schäden am neuen Bad. „Für uns ist es ein ausgesprochenes Ärgernis vor allem mit Blick auf die Schulen. Wir können uns dabei auch nicht auf den Kopf stellen – es ist eben passiert“.
Nun komme es darauf an, in der Zeit bis November einen Ausgleich zu schaffen. Nach Ankündigung Möllers sollen die Öffnungszeiten des Bades erweitert werden. Schulen und Vereine seien bereits informiert, berichtet Fuldas Schul- und Sportdezernent Bürgermeister Dr. Dippel. Im Rahmen eines „Notprogramms“ ist das Sportbad Ziehers montags bis freitags ab 7.00 Uhr bis 21.00 Uhr geöffnet. Jeweils donnerstags steht das Bad ab 13.00 Uhr für den Vereinssport zur Verfügung. Samstags und sonntags sind die Öffnungszeiten von 8.00 Uhr bis 18.30 Uhr verlängert worden. Bislang öffnete das Bad an den Wochenenden nur nachmittags.
Etwa 20 Schulklassen sind laut Eric Voss, Geschäftsführer der Bäder Betriebs GmbH (BBG) von der Schließung des neuen Stadtbades betroffen. 8 Klassen werden durch Umorganisation in den derzeit gültigen Belegungsplan eingebunden werden können. Welche es sind, werde derzeit geklärt, betonte Voss. Zusätzlich biete die BBG das Beach-Volleyball-Feld im Rosenbad jenen Schulen für den Sportunterricht an, die über keine eigene Halle verfügen.
Die Reparaturarbeiten laufen bereits auf Hochtouren. „Es liegt in unser aller Interesse, die Schäden zügig und schnell zu beseitigen“, betont Badinhaber Leo Groll. Markus Müller vom Paderborner Bauunternehmen Goldbeck räumte Ausführungsfehler durch die Arbeiten eines Subunternehmens ein. Der seinerzeit ausführende Betrieb wie auch derjenige, der jetzt die Reparaturen vornehme, seien beide ausgewiesene Fachfirmen im Bereich des Bäderbaus.
Bis Mitte November sollen laut Müller die Arbeiten an den Deckenböden erledigt sein. Auch im Namen von Goldbeck-Bau bedauerte Müller die Schließung des Bades aufgrund der eingetretenen Schäden und betonte: „Wir stehen zu dem, was wir jetzt beheben müssen“. +++