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01.09.06 - Sickels

Lösung für gefährlichen Kreisel auf Schulweg - Heute war Krisentreffen

In dem seit Tagen schwelenden Streit über die Gefährlichkeit des Schulweges von Grundschulkindern im Fuldaer Stadtteil Sickels scheint sich jetzt eine deutliche "Entschärfung" abzuzeichnen. Dabei geht es eigentlich "nur" um den kurzen Bereich eines neuen Verkehrskreisels für die "Sickelser Straße", die den "alten" Stadtteil Sickels und den neuen Fuldaer Stadtteil "Fulda-Galerie" trennt. Das Fatale: zwischen beiden Stadtteilen müssen die Grundschüler der Klassen 3 und 4 pendeln, wenn sie in die Schule und nach Hause wollen, wenn sie am Nachmittag zur Betreuung gehen. Und in späteren Jahren müssten sogar die Erstklässler die stark befahrene Straße ausgerechnet im Bereich des neugebauten und unübersichtlichen Verkehrskreisels überqueren.

Nachdem in den vergangenen drei Tagen zahlreiche Printmedien, Hörfunk und landesweit sogar das hr-Fernsehen in der Sendung "hessenaktuell" - aber auch "Osthessen-News" - berichtet hatten, gab es von Parteien, Bürgern, aber auch dem Stadtelternbeirat massive Vorwürfe und die Forderung nach schneller Abhilfe. Auf diese Weise "unter Druck" geraten, wollte Fuldas Schuldezernent und Bürgermeister Dr. Wolfgang Dippel das Problem "so schnell wie möglich lösen". Er lud heute Morgen zu einem "Krisen-Gipfel" die verschiedenen Beteiligten direkt an den Verkehrskreisel und versprach: "Hier und heute wird eine Lösung gefunden - und dann auch schnell umgesetzt". Mit dabei: die Verkehrswacht, betroffene Eltern, Stadtelternbeirat, Polizei, städtisches Bauamt und Medienvertreter.

"Wir brauchen eine vernünftige Lösung, Eltern können doch nicht über Generationen hier immer als Schüler- und Verkehrslotsen im Sommer und Winter stehen" sagte die Vorsitzende des Stadtelternbeirates, Lolita Banik-Reith. Das sei niemand zuzumuten.

Dem stimmte auch der Vertreter der Polizei, Engelbert Auth von der Direktion Verkehrssicherheit und Sonderdienste, zu. Es sei klar, dass sich Kinder im Grundschulalter "nicht verkehrsgerecht" verhielten. Hinzu komme, dass die hohe Verkehrsbelastung an dieser Stelle ein "Grenzfall für Fußgänger" sei. Notwendig wäre außerdem eine "Durchsicht" über den Kreisel, doch diese sei ja durch hohe Basaltbrocken versperrt. Von einer Ampelanlage riet Auth ganz ab und stellte fest: "Verkehrshelfer bleiben eine lebenslange Aufgabe".

Für den regionalen Vorsitzenden der Verkehrswacht, Gerhard Brink, gibt es keine Zweifel, dass Eltern am Kreisel-Übergang ständig stehen müssen. "Sie müssen aber auch mit ihren Kindern des Schulweg üben", denn stundenlang jeden Tag Sicherheit am Kreisel herzustellen, sei "absoluter Wahnsinn". Eine Auswertung von Schulwegunfällen habe gezeigt: zu 49 Prozent seien Radfahrer betroffen, bei 22 Prozent handele es sich um "Transportunfälle" etwa mit dem Auto, zu 9 % seien Fußgänger beteiligt - und am sichersten sei ohnehin der Schulbus.

Zwischendurch wurden andere Lösungen kurz angedacht und wieder verworfen - etwa die Idee einer Untertunnelung (zu dunkel, gefährlich) oder eines Art "Brückenüberganges" ( ...und die Behinderten und Alten?).

Nach knapp einer Stunde Ortstermin dann die von Bürgermeister Dippel verkündete "Entscheidung, die sofort umgesetzt wird und nicht erst in ein Verwaltungsverfahren geht". Die vier Straßen - die auf den Kreisel zuführen - bekommen jeweils einen Zebrastreifen mit entsprechender gelber Beleuchtung und Beschilderung. Der Bürgersteig vor den Übergängen (Sickelser Seite) ist zu schmal und wird verbreitert, damit auch viele Kinder gleichzeitig mit Ranzen dort stehen können. Auf dem Bürgersteig werden Klebefolien mit Kinderfüßen angebracht, die eine Art "Ideallinie" markieren und den Kindern mehr Sicherheit vermitteln sollen.

Und auch am eigentlichen Kreisel wird es zwei Änderungen geben: der Pflanzenbewuchs soll ganz niedrig gehalten werden (Bodendecker) und der "innere Randstein" mit einer Höhe von etwa zwei Zentimetern soll auf mindestens fünf Zentimeter erhöht werden. Der Grund: viele Autofahrer "rasen" darüber und durchqueren den Kreisel nicht selten fast ungebremst in gerader Richtung. Eine höherer Bordstein zwinge zum langsameren Fahren in den Kreisel - bei angehobenem Randstein "spürten" die Reifen - und der Fahrer - ein hohes Tempo aber deutlich.

Möglicherweise sind diese Veränderungen nicht unbedingt das "Ei des Columbus", doch auf jedenfall eine Verbesserung gegenüber der jetzigen Situation. Und in diesem Zusammenhang machte Bürgermeister Dr. Dippel auf Bestimmungen des Hessischen Schulgesetzes aufmerksam. Danach liegt der Schulweg "grundsätzlich im Verantwortungsbereich der Eltern". Der Schulträger könne in Sachen Sicherheit "unterstützen, aber die Eltern nicht ersetzen". / ma

GRÜNEN-Kritik an "Versäumnissen des Magistrates"

Bevor heute das "Krisen-Treffen" in Fulda-Sickels stattfand, verfasste die Grünen-Stadtfraktion eine ausführliche Pressemitteilung. Auch wenn sie in einigen Punkten "überholt" sein könnte, so wollte die Redaktion den Lesern diese Grünen-Gedanken nicht vorenthalten.

FULDA. Als "unglaublich zynisch", kritisiert Grünen-Stadtverordneter Knut Heiland die Stellungnahme des Fuldaer Bürgermeisters und Schuldezernenten zu dem gefährlichen Schulweg zur neuen Grundschule Fulda Galerie. "Für viele Kinder ist die Straßenquerung am Sickelser Kreisel zwingend auf ihrem Weg zur Schule und zurück. Die Grünen-Stadtfraktion hat bereits in der Planungsphase für den Schulneubau immer wieder darauf hingewiesen, zeitgleich die Erschließung sicherer Schulwege zu planen. Auch wurde Herrn Dr. Dippel das hohe Gefahrenpotential dieses Schulweges schon vor einem Jahr mittels einer Ortsbegehung nahe gebracht", erläutert Heiland den sich schon länger abzeichnenden Konflikt.

Obwohl in den zuständigen Gremien von den Grünen immer wieder versucht worden sei, die Sensibilität für das Thema Schulwegsicherheit rechtzeitig vor den Planungen der Verkehrswege zu wecken, habe das die Verantwortlichen offenbar überhaupt nicht interessiert. Auch sei die genaue Verkehrsführung des Kreisels und die Straßenquerung in diesem Bereich nicht einmal im Bauausschuss vorgestellt worden, so Heiland. "Dieser Fall illustriert mal wieder sehr anschaulich, wie wenig die Sicherheit und Interessen von Kindern in Fulda gewichtet werden", bedauert der Grünen-Stadtverordnete.

„Beispiele aus der Vergangenheit belegen, dass es häufig erst zu schweren Unfällen mit Kindern kommen muss, bevor die Verantwortlichen sich zu entsprechenden Investitionen entschließen“, beklagt Heiland. Vor einiger Zeit sei erst dann eine Lichtzeichenanlage an der Wolf-Hirth-Straße installiert worden, nachdem ein Mädchen dort auf ihrem Schulweg verunglückt sei. "Welches Kind wird diesmal zum Opfer, bevor das Trio Möller, Dippel & Zuschke Handlungsbedarf sieht?“, fragt Heiland.

Außerdem führe diese hohe Sicherheitsproblematik dazu, dass viele Eltern verunsichert seien und ihre Kinder mit dem Auto zur Schule fahren würden. "Dadurch wird eine zusätzliche Verkehrsproblematik direkt vor der Schule geschaffen. Und für die Entwicklung der Kinder sind solche Chauffeurdienste auch nicht förderlich."

Die „Versäumnisse der Politik“ würden durch den Elternlotsendienst zwar entschärft. Insbesondere morgens zum Schulbeginn sei die Sicherheit der Kinder damit gewährleistet. Das Unterrichtsende sei jedoch noch mehr gestaffelt als der Schulbeginn. Viele Dienste seien kaum machbar. Außerdem müssten Kinder diesen Gefahrenpunkt auch zu anderen Zeiten queren. "Dann sind sie wieder völlig dem Verkehr ausgeliefert", sorgen sich die Grünen. Die Grünen Stadtverordneten fordern den Magistrat auf, "umgehend diese Sicherheitsproblematik – beispielsweise durch eine Fußgängerampel – zu lösen." +++









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