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Der neue Bajazz 2007: Manuel Hensler (links) und FVH-Vorsitzender Udo Eckerscham - Fotos: Martin Angelstein

Das sind die 13 jungen Männer, die heute 3.950 Euro für die Ehre ausgaben - oben links und rechts die Vorsitzenden und Stellvertreter des FVH.

07.01.07 - Herbstein

3.950 Euro für 13 Plätze im "Springerzug" - Traditionelle Versteigerung heute

13 junge Männer haben heute Nachmittag im Vogelsberg insgesamt 3.950 Euro ausgegeben, um 2007 im traditionellen "Herbsteiner Springerzug" einen Platz zu bekommen. Spannung und Spaß bei der traditionellen Versteigerung, bei der für jede einzelne Figur geboten wurde. Der 28-jährige Bauingenieur Manuel Hensler, der in Fulda arbeitet, ersteigerte für "nur" 250 Euro Ehre und Anstrengung - er darf nun ein Jahr lang als Leitfigur "Bajazz" vorne weg springen. Die Gesamtsumme wird für die Vereinsarbeit und Aufrechterhaltung der besonderen Fastnachtstradition eingesetzt. Insgesamt war es aber wieder eine spannende Versteigerung über zwei Runden, in denen sich die jungen Burschen "nichts schenkten". Den höchsten Einzelbetrag für das so genannte "Tiroler Pärchen" zahlten mit 1.400 Euro Michael Ruhl und Benjamin Traud. Der "Springerzug" ist seit 1688 nachgewiesener Brauch, geht aber im Ursprung aufs 13. Jahrhundert zurück: als Tänze zum Winteraustreiben.

Der heutige Gesamtbetrag liegt etwa im Durchschnitt der letzten drei bis vier Jahre. Unerreicht allerdings ist das bisher höchste Gesamtergebnis von 1999: es lag (umgerechnet) bei über 8.500 Euro. Überhaupt hatte man heute den Eindruck, dass es besser gewesen wäre, erst die Paare und dann den Bajazz-Platz zu versteigern. So fehlte es am Anfang offenbar einigen jungen Männern am richtigen "Mumm", denn Manuel Hensler bliebt mit seinem ziemlich niedrigen Gebot fast alleine auf weiter Flur. Später dagegen entwickelten sich um die Paar-Plätze regelrechte Gebots-"Schlachten" von über einer Stunde Dauer. Zur Erinnerung: in den zurückliegenden Jahren "kostete" das "Recht", ein Jahr lang - an Fastnacht und bei anderen Auftritten - den "Bajazz" als Leitfigur am Anfang des historischen Zuges zu tanzen, mindestens 2.500 Euro, also das Zehnfache des heutigen Betrages.

So mancher hat es auch erst in mehreren Anläufen geschafft, sich den Platz im Springerzug zu sichern. Vor 300 Zuschauern im Saal des "Hauses des Gastes" gingen heute die anderen fünf Paare - wie zuvor schon das "Tiroler Pärchen" - dann allerdings auch relativ "teuer" weg: Sebastian Ruhl / Tobias Narz (700 Euro), Matthias Staubach / Andre Liese (520 Euro), Bernd Schneider / Alexander Talkenberger (400 Euro), Kevin Ruhl / Marian Schneider (250 Euro) sowie Johannes Ruhl / Fabrian Leister (430 Euro).

Die Fastnachtsvereinigung Herbstein (FVH) war mit der Beteiligung von cirka 30 jungen Männern an der Versteigerung zufrieden, sagte Vorsitzender Udo Eckerscham. Auch heute noch sei es eine "Ehre" für die männliche Herbsteiner Jugend, wenigstens "einmal im Leben" im Herbsteiner Springerzug dabei gewesen zu sein. Tradition und Gemeinschaftssinn zählten in der Vogelsberg-Stadt noch etwas - was auch daran zu erkennen sei, dass viele "altgediente Fastnachter" und ehemalige Springerzug-Mitglieder zu den Versteigerungen kämen. Die Truppe von 2006 war übrigens besonders gut zu erkennen - weil alle die gleichen gelben Hemden - mit Aufschrift - trugen. Vor der Versteigerung erinnerte man an die Bedingungen fürs Bieten und die Teilnahme. Dabei wurde den Gästen auch klar: hier kann sich niemand aus einer Laune heraus beteiligen. Einerseits: man muss Mitglied in der FVH sein. Und außerdem will das Gebot gut überlegt und geplant sein: denn die einzigen Gründe, die für die Absage eines "ersteigerten Springerzug-Platzes" gelten, sind ein Todesfall in der Familie oder eigene schwere Erkrankung.

Der Auftritt des Springerzuges ist seit Jahrhunderten überliefertes Ritual: die vom Bajazz angeführten sechs Paare - bei denen Männer auch die Mädchenrollen übernehmen - halten einen bunten Schirm in der Hand, fassen sich gegenseitig bei der Hand und springen gemeinsam mit Innen- und Außendrehungen hoch in die Luft. Die - durch stundenlanges Springen äußerst anstrengende - Mitwirkung im "Springerzug" gilt bei den jungen Männern von Herbstein seit Jahrhunderten als "ehrenvolle Aufgabe". Übrigens ist der "Springerzug" eine der letzten Männerbastionen: Frauen dürfen laut Tradition nicht mitmachen, sondern werden von den verkleideten Burschen mit Röckchen und Perücke "nachgestellt".

Die Existenz des "Herbsteiner Springerzuges" ist ab 1688 nachgewiesen, geht in den Ursprüngen aber wohl bis ins 13. Jahrhundert zurück, als Fahrensleute sich mit Tänzen zum Winteraustreiben Geld verdienten. Der "Springerzug" ist nicht nur die besondere Attraktion bei Fastnachtsumzügen. Die Gruppe vertritt die Stadt Herbstein alljährlich auch bei anderen Festen und Umzügen im In- und Ausland - etwa der Steubenparade in New York - sowie dem Hessentag. Alle Einnahmen kommen der Weiterführung des Springerzuges, der Traditionspflege sowie dem Erhalt des ersten hessischen Fastnachtsmuseums in Herbstein zugute. +++


So sah es 2006 aus ... als der Springerzug "tanzte"...

...und das geht stundenlang so durch die Stadt


Heute waren viel Ausdauer und Nerven gefragt ...

Über eine Stunde dauerte die Versteigerung...



Herbsteins Bürgermeister Ziegler ....


Immer noch närrisch: Altbürgermeister Lothar Wyrtki...




Vorstand und Elferrat der FVH...


Lothar Wyrtki (rechts) im Gespräch mit dem Journalisten Erich Stock





Und mittendrin auch Bürgermeister Ziegler



Zahlte 1.400 Euro fürs Tiroler Pärchen: Michael Ruhl...



...und heute kamen auch viele Ehrengäste...

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