Vereinssport und Angebote der Sportvereine können nach Auffassung von Landrat Dr. Karl-Ernst Schmidt nicht die Defizite ausgleichen und die Mängel beseitigen, die laut der Schulsport-Studie des Deutschen Sportbundes durch zu wenig Bewegung und nicht genügend Sportunterricht bei den Kindern entstehen. Der organisierte Sport in den Verbänden und Vereinen leistet zwar schon seit langen Jahren wertvolle Beiträge. Er ist aber nicht in der Lage, alle Defizite aufzufangen. Beim Sportehrentag des Landkreises Hersfeld-Rotenburg warb der Landrat für neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Vereinen und Schulen und forderte dazu auf, neue Ideen zu entwickeln, um Kinder und Jugendliche auch künftig sportlich zu erreichen. „Es geht um die selben Kinder in Schule und Verein – da bietet es sich an, dass beide zusammenarbeiten, wie dies schon an einigen Stellen beispielhaft geschieht, sagte Dr. Schmidt.
295 Sportvereine gibt es nach Darstellung von Landrat Dr. Schmidt im Landkreis Hersfeld-Rotenburg. 54.175 Männer und Frauen sind Mitglied in diesen Vereinen. Eine stolze Zahl, die zeige, wie beliebt Sport bei den Menschen ist: Man möchte sich eben bewegen, aber man möchte auch in geselliger Runde von Gleichgesinnten zusammensein. 13.605 junge Menschen sind ebenfalls in der Gesamtzahl der Sportvereinsmitglieder enthalten. „Eine stolze Bilanz, die die Erfolge der Jugendarbeit dokumentiert und zu der ich alle Verantwortlichen beglückwünsche“, führte Dr. Schmidt weiter aus.
Niemand solle sich jedoch von diesen Zahlen täuschen lassen. Sie dürften nach Ansicht des Landrats vor allem nicht dazu verführen, bei der Werbung für den Vereinssport nachzulassen. Die demographische Entwicklung führe sehr rasant dazu, dass die Zahl der jungen Leute deutlich abnimmt. Der Landkreis merke das sehr deutlich an den Grundschulen, wo der Wettbewerb um die Schüler schon eingesetzt habe.
Hinzu kommt nach Darstellung von Dr. Schmidt das, was der Deutsche Sportbund mit einer Studie zum Schulsport in Deutschland vor gut anderthalb Jahren herausgefunden hat: "Sitzen ist die wichtigste Sportart". Die Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass die Fitness von 10- bis 14-jährigen seit 1995 um mehr als 20 Prozent zurückgegangen ist. Vor allem bei Koordination und Ausdauer wurden drastische Verschlechterungen festgestellt.
Die Entwicklungen müssten von beiden Seiten, von den Schulen mit den schulsportlichen Angeboten einerseits und von den Sport-Vereinen andererseits angegangen werden, appellierte der Landrat. Zunehmende ganztägige Schulangebote könnten zu einer Verschiebung der bisher gekannten Strukturen führen. Vereine und Verbände, die bisher darauf bauten, dass junge Leute nachmittags ihre Angebote wahrnehmen, könnten feststellen, dass die Jugendlichen im einen oder anderen Falle wegbleiben.
Schulen und Vereine, speziell Sportvereine, müssten daher nach Ansicht von Dr. Schmidt künftig stärker kooperieren. „Die Vereine müssen verstärkt hinein in die Schul-Nachmittage. Nebeneinander wird es nicht mehr so reibungslos funktionieren wie bisher. Im Miteinander liegen die Chancen für beide, für die Schulen ebenso, wie für die Vereine, die jugendlichen Nachwuchs benötigen“, sagte Dr. Schmidt vor mehreren hundert Sportlerinnen und Sportlern sowie Verantwortungsträgern aus Vereinen, Verbänden und Kommunalpolitik.
Es müssen neue Ansatzpunkte für neue Wege und neue Partnerschaften gesucht und gefun-den werden. „Ich werbe dafür, sich gemeinsam den neuen Aufgaben zu stellen und in Part-nerschaft zu überlegen, wie der Lehrauftrag zum Schulsport mit den Angeboten des Vereins-sport so erfolgreich zusammengeführt werden kann, dass optimale Angebote für die jungen Leute entstehen und diese für sportliche Leistungen begeistert werden“, führte Dr. Schmidt aus. Er lobte die bereits an einigen Stellen funktionierende Zusammenarbeit, die Beispiel machen sollte.
„Es muss etwas getan werden, wenn wir auch weiterhin eine solche Vielzahl von Höchstleistungen ehren und auszeichnen wollen, wie wir es heute hier vornehmen“, sagte Dr. Schmidt abschließend. 154 Sportlerinnen und Sportler aus dem Landkreis Hersfeld-Rotenburg wurden anschließend für ihre Erfolge ausgezeichnet, wobei die Schützen und dort die Frauen die meisten Ehrungen mitnahmen. +++