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So schöne Sachen gibt es in Neuseeland: ein Eierbecher aus Wurzelholz, der sein Standfüsschen im Innern verbirgt - sehr reisefreundlich - Fotograf: Martin Angelstein

Das ist nur ein kleiner Teil der Eierbecher-Sammlung - zu Ostern wird immer mal ein besonderes Modell auch benutzt. Kaputt gegangen ist noch nie was!

08.04.07 - Fulda-Neuenberg

"Das Gelbe vom Ei" - Kleinkunst in einer großen Eierbecherkollektion

„Becher“ ist eine gelinde Untertreibung für das kunstvolle Gebilde aus filigranem Porzellan, den vergoldeten Untersatz oder das marmorne Gefäß, die allesamt nur für den Zweck kreiert wurden, ein profanes Ei zu halten. Fast 500 Einzelstücke, weit unterschiedlicher als das, was sie tragen sollen - sind im Lauf der Jahre in den Vitrinen der Fuldaer Journalistin Gabriele Weigand-Angelstein zusammengekommen. „Es fasziniert mich, in welcher Farben-, Form und Materialvielfalt ein solch banaler Alltagsgegenstand daherkommen kann“, erklärt die passionierte Sammlerin.

Ein hoffnungsloser Versuch, die Wahl des Objekts ihrer Begierde rational zu begründen. Denn kein echter Sammler hat eine wirklich plausible Erklärung dafür, dass es ihn oder sie bei bestimmten Gegenständen in den Fingern juckt, der Blick etwas Gieriges und Glasiges bekommt und die Vernunft verloren geht. Denn mit der Kennerschaft steigen meist auch die Kosten, und die Hemmschwelle beim Erwerb seltener Liebhaberstücke sinkt. Die Fuldaer Besitzerin kann sich allerdings bremsen und widersteht den kaum erschwinglichen Versuchungen - wie dem verzierten Silberbecher für 7.000 Schweizer Franken in einem Antikladen in Luzern.

Der historische Exkurs über Ursprung und Entstehung des Eierbechers ist nicht abendfüllend. Nur vage lässt sich die Herkunft des Halters für die Frühstückszutat auf das 17. Jahrhundert datieren. Welcher Potentat damals auf die Idee verfiel, ein a point gekochtes Ei auszulöffeln und es dabei nicht in der Hand halten wollte, lässt sich nicht mehr sagen. Sicher ist dagegen, dass die ersten dieser Spezialbehälter das Ei nicht stehend, sondern in einer Art Schiffchen im Liegen servierten.

Bei einem entspannten Urlaubsbummel in der englischen Grafschaft Dorset begann es 1981: da fiel der Blick auf das ungewöhnliche Silbertablett mit sechs zierlichen Eierbechern; für crika drei Pfund ein echtes Schnäppchen. Seitdem bringt der Ehemann von zahlreichen Dienstreisen Eierbecher mit, wie auch die Verwandtschaft kein Urlaubsland verlässt, ohne sich nach dem originellen Mitbringsel für die Angelsteinsche Kollektion umgesehen zu haben. Denn die begehrten Stücke sind nie allzu teuer und vor allem noch im vollsten Koffer oder der kleinsten Handtasche unterzubringen. (Noch so ein logischer Grund für die irrationale Lust am Habenwollen...)

Englische, dänische und französiche Modelle, aber auch ein türkisches und seit neuestem russisches (dennoch ungeeignet für die gleichnamigen Eier!) Exemplar gehören zur stetig wachsenden Stückzahl in der Vitrine. Am weitesten gereist ist zweifellos das wie ein Stopfei geformte hölzerne Set aus Neuseeland, das die Schwägerin im Rucksack vom anderen Ende der Welt herbeischleppte: die abschraubbaren Füße für die beiden halbkugelförmigen Eierbecher sind auf Reisen im Inneren deponiert. Ein unverzichtbares Utensil für jeden Kosmopoliten. Trotz mehrerer Anläufe und beauftragter Freunde gelang es bisher nicht, ein echt-italienisches „ovarollo“ zu ergattern, so dass schon gemutmaßt wurde, in Rom, Venedig und Florenz sei das Frühstücksei und dessen Untersatz unbekannt.

Am Innendurchmesser der diversen Eierbecher aus aller Welt lässt sich gut ablesen, dass nicht nur die Menschen, sondern offenbar auch die Hühnerprodukte kontinuierlich größer wurden. In dem eleganten Modell in Pfauform, das aus der Galerie La Fayette in Paris stammt, lässt sich das 35-Cent-Ei vom Wochenmarkt nicht unterbringen und auch die unverwechselbaren DDR-Plastehühner aus Schkopau haben ein eher bescheidenes Format.

Während sich die älteren Modelle im Material auf Edelmetall und Porzellan beschränken, beginnt mit der Entdeckung des Eierbechers durch moderne Designer der Run auf das „Noch-nie-dagewesene“. Althergebrachtes wie Ton, Keramik, Steingut und edler Marmor, aber auch kühles Glas, Aluminium und Edelstahl bis zu futuristischen Kunststoff- und minimalistischen Stahldrahtmodellen sind Legion.

So wie der aus Wurzelholz gedrechselte Eierbecher schön, ist der aus fiesem Schaumgummi scheußlich, der als Nachttopf kurios und der mit Salzbehälter und Löffel zur Seite praktisch. Ebenso durchdacht gibt sich das mit heißem Wasser zu füllende Thermos-Teil mit Hut, während das zartgrüne Blütenblatt hübsch, aber für die Eierlast untauglich scheint. Niedlich, aber nicht mehr ganz neu kommen die beschuhten Füßchen unterm Becher daher, die das Ei zur Person erheben und zu dessen Gesichtsbemalung reizen.

Die „Hersteller“ von Eiern bieten sich als Formgeber geradezu an. Hühner (aber auch deren Verwandte - Küken und Hähne), Enten, Gänse, Tauben und Schwäne streiten im Regal um Raum, während der Zusammenhang zwischen Eierbecher und Nashorn, Nilpferd oder Elefant nicht unbedingt zwingend erscheint. Wer all die ausgefallenen und unausdenkbaren Formen von Eierbechern bei Angelstein besichtigt hat, kann leicht auf die Idee kommen, es Kolumbus nachzutun: mit etwas Nachdruck steht es auch so! (ci) +++


Ein Schwamm mit Loch - auch sowas hält ein Ei

Artverwandter ist da die Gans als "Eiweiß-Träger"


Eines der ersten Stücke: ein Metallbecher, der seinen Löffel gleich dabei hat

Dieser Glasbecher mit verschlungenem Farbverlauf ist ein "Welt-Unikat": er wurde von einem Glasbläser im thüringischen Lauscha künstlerisch ganz frei gestaltet - und ist sehr zerbrechlich

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