Die ADAC Hessen Rallye Vogelsberg - die am gestrigen Samstag nach dreitägiger Dauer zu Ende ging - hat sich als würdiger Auftakt für eine spannende neue Deutsche Rallye-Meisterschaft (DRM) erwiesen. Bei Superstimmung und herrlichem Wetter bildeten 25.000 begeisterte Zuschauer an den Wertungsprüfungen um den Vogelsberg eine Traumkulisse für die Rallyeteams aus elf Nationen. Mehrfach wechselte auf den neun selektiven Strecken die Führung. Hermann Gaßner und Siegfried Schrankl (Surheim/Obinng) holten auf Mitsubishi Lancer mit einem Vorsprung von 43,9 Sekunden vor Sandro Wallenwein/Pauli Zeitlhofer (Stuttgart/Klaus) auf Subaru Impreza WRX den Gesamtsieg, mussten sich aber bis zuletzt gegen die Attacken der Konkurrenz wehren. Von 98 gestarteten Teams erreichten 74 das Ziel am Samstagabend in Schlitz.
Die Rallye begann am Freitagabend mit einem sportlichen wie atmosphärischen Feuerwerk bei der Nachtprüfung im Schlitzer Ortsteil Willofs. Hier setzten Gaßner/Schrankl die erste Bestmarke. Sie konnten aber nur ganze drei Sekunden auf Sandro Wallenwein/Pauli Zeithofer (Stuttgart/Klaus, Subaru Impreza WRX STI) heraus fahren, so dass der Samstag mit weiteren acht Wertungsprüfungen bei Storndorf, am Schottenring, rund um Schlitz und bei Niederaula viel Spannung versprach.
Und tatsächlich stand die ADAC Hessen Rallye Vogelsberg plötzlich ganz im Zeichen von Toni Werner/Ralph Edelmann (Altfrannhofen/Mühldorf) mit dem superstarken Porsche 911 GT3. Der Porsche-Pilot setzte seine Taktik mit drei WP-Bestzeiten hintereinander um: „Ich muss Samstagmorgen auf Asphalt so viel Vorsprung rausfahren, denn nachmittags auf Schotter habe ich gegen die Allradler keine Chance.“ Beim Versuch die vierte Bestzeit hintereinander zu erzielen, flog er allerdings am Schottenring von der Straße. Pech hatte in Schotten auch Ellen Lohr, die sich zwar in die Herzen der vielen Fans fuhr. Im schnellen Bergabstück zwischen Poppenstruth und Götzen touchierte sie aber in einer Rechtskurve die Leitplanke und musste ihren Subaru abstellen.
An der Spitze entbrannte ein Zweikampf zwischen Gaßner und Wallenwein, wobei der Subaru-Pilot sich auf den beiden Schottenring-Prüfungen den entscheidenden Rückstand auf Gaßner einhandelte, „weil wir zu kurz übersetzt waren“. Bei der kommenden DRM-Rallye in Sachsen rechnet er sich Siegchancen aus, „wenn es kurvig wird und viele Schotterpassagen gibt“. Sieger Hermann Gaßner nach dem Rennen: „Des g’fallt mer mit ’m Toni und ’m Sandro zu kämpfn.“
Ein positives Resümee für den deutschen Rallyesport lässt sich ziehen: Die etablierten Routiniers wie Gaßner und Wallenwein haben die Jugend im Windschatten. Stefan Schneppenheim/Hans-Joachim Grimberg (Alpen/Östringen, Mitsubishi Lancer EVO) gewannen die letzte WP in Niederaula und wurden gesamt-Dritte, dicht gefolgt von Rudi Hachenberg/Tanja Neidhöfer (Wermelskirchen/Elz, Mitsubishi EVO).
Größtes Lob zollten am Samstagabend bei der Siegerehrung auf der Schlitzer Bahnhofstraße auch die politisch Verantwortlichen der ADAC Hessen Rallye Vogelsberg. Landrat Rudolf Marx: „Diese tolle Rallye ist eine Werbung für die ganze Region.“ Bürgermeister Hans-Jürgen Schäfer (Schlitz): „Eine rundum gelungene Sache. Die Zuschauerkulisse war beeindruckend.“ Auch die Polizei Osthessen sprach von einer „problemlosen Veranstaltung“. Rallyeleiter Friedrich Goldstein (Schlitz): „Besser kann es eigentlich nicht sein. Zuschauer und Fahrer zufrieden, Show und Sport perfekt.“
Im HJS Diesel Masters innerhalb der DRM war ein Zweikampf zwischen den Topfavoriten Horst Rotter/Volker Schmidt (Großalmerode/Schlitz, Opel Astra H GTC) und Markus Moufang/Hartmut Walch (Nidda/Heringen, BMW 120 d) erwartet worden. Rotter schied mit einem Antriebswellenbruch in der dritten von neun WPs aus, setzte die Rallye nach der Reparatur aber als Vorauswagen fort.
Moufang übernahm erwartungsgemäß die Führung, aber aus dem nunmehr erwarteten Alleingang wurde nichts. In der zweiten Schottenring-Prüfung schaltete sich die Elektronik des BMW gleich zweimal ins Notfallprogramm. Und plötzlich entbrannte Dreikampf zwischen Moufang, Patrick Anglade/Stefan Clemens (Losheim/Thailen, Opel Astra GTC) und Siegfried Steinacker/Dag Schmidt (Bernshausen/Fulda, VW Golf 4 TDI). Moufang musste in der letzten anspruchsvollen 16-Kilometer-WP zwischen Niederaula und dem Hattenbacher Dreieck seine ganze Routine ausspielen, um die beiden Youngster auf die Plätze zu verweisen. Ganze elf Sekunden trennten die ersten drei in der gesonderten Wertung für Diesel betriebene Fahrzeuge.
WP-Bestzeiten: Hermann Gaßner/Siegfried Schrankl und Toni Werner/Ralph Edelmann je 3. Sandro Wallenwein/Pauli Zeithofer (Stuttgart/Klaus, Subaru Impreza WRX STI) 2. Stefan Schneppenheim/Hans-Joachim Grimberg (Alpen/Östringen, Mitsubishi Lancer EVO) 1.
Alle Ergebnisse unter http://www.rallye-vogelsberg.de/. +++