
Fünf Landräte - ein Ziel: Die Landkreis-Chefs und -chefinnen von Rhön-Grabfeld, Bad Kissingen, Schweinfurt, Hassberge und Kitzingen wollen noch mehr Radtouristen in die Region bringen. Mit Unterstützung von LEADER+ wurden die Weichen für ein landkreisübergreifendes qualitativ hochwertiges Angebot geschaffen. Im Bild v.l.n.r.: Margarethe Dünisch (stellv. Landrätin Bad Kissingen, Thomas Habermann, Landrat Rhön-Grabeld, Harald Leitherer (Landrat Schweinfurt), Rudolf Handwerker (Landrat Haßberge) und Tamara Bischoff (Landrätin Kitzingen). - Foto: Tonya Schulz
Radfahren ist in: Rund 30 Mio. Deutsche schwingen sich – vorzugsweise im Urlaub – auf den Drahtesel. Die lukrative Zielgruppe der Radtouristen bewerben auch die Franken bereits seit längerem, laden doch die abwechslungsreiche Landschaft mit mäßigen Steigungen, windungsreichen Flüssen und romantischen Städtchen in idealer Weise zu Entdeckungstouren auf zwei Rädern ein. Grenzenloses Radvergnügen verspricht nun speziell die Region Unterfranken mit den Landkreisen Rhön-Grabfeld, Bad Kissingen, Haßberge, Main-Steigerwald und Kitzingen. Mit Unterstützung des EU-Förderprogramms LEADER+ wurde ein ganzes Maßnahmenbündel initiiert, um die positive Entwicklung in diesem touristischen Bereich langfristig zu sichern und auszubauen.
1. Unterfränkisches Radtourismus-Symposium
Was die Radregion zwischen Kitzingen und Bad Neustadt, Hassfurt und Bad Kissingen rund um das „Drehkreuz Schweinfurt“ künftig zu bieten hat, präsentierten die Landräte Rudolf Handwerker (Haßberge), Harald Leitherer (Schweinfurt), Tamara Bischof (Kitzingen), Thomas Bold (Bad Kissingen) und Thomas Habermann (Rhön-Grabfeld) am 23. April im Rahmen des 1. Unterfränkischen Radtourismus-Symposiums unter dem Motto „5 Landkreise – 1 Radregion“ in der Stadthalle Hassfurt. Weiterhin motivierten zahlreiche Experten die rund 150 Teilnehmer aus Fremdenverkehr, Gastronomie, Hotellerie, Wirtschaft und Politik ihr Engagement für Radtouristen auszubauen.
Welch große Bedeutung der Trend Fahrradtourismus für die Region hat, führte beispielsweise Frank Hofmann, Fachreferent des ADFC-Bundesverbandes, aus. Das Premiumprodukt „Main-Radweg“ stellte Olaf Seifert, Geschäftsführer Tourismusverband Franken e.V., als beispielhaft vor. Welche Kriterien für die die BHG-Klassifizierung „Fahrradfreundlicher Gastbetrieb“ zu erfüllen sind, erläuterte Silke Leimser, Bayer. Hotel- und Gaststättenverband e. V.. Wie man zur ADFC-Klassifizierung Fahrradfreundlicher Gastbetrieb „Bett & Bike“ kommt, erklärte Gabriele Irrek, Allgemeiner Deutscher Fahrradclub Bayern e.V.. Aus der Praxis eines fahrradfreundlichen Gastronomie- und Beherbergungsbetriebs schließlich berichtete Peter Pietz, Hotel Gasthof Pietz, Steinbach am Wald. Bei der begleitenden Ausstellung im Foyer der Stadthalle präsentierten sich zudem das Deutsche Fahrradmuseum Bad Brückenau mit ihren historischen Fahrrädern, die Umweltstation Reichelshof mit behindertenfreundlichen Fahrrädern sowie das „Rad der Zukunft“ von der Firma Sram Deutschland GmbH
aus Schweinfurt.
3.900 km Radwanderwege
Im Mittelpunkt des optimierten Angebots für Radtouristen steht ab sofort ein völlig überarbeitetes und miteinander vernetztes „Radwegekonzept Rhön – Haßberge – Steigerwald – Maintal“. Pedalritter finden nun eine einheitlich aufeinander abgestimmte Beschilderung nach ADFC-Richtlinien der qualitativ überarbeiteten Radwanderrouten vor. Mehr als 3.900 km Rad(wander-)wege durchziehen nun die 4.700 qm große Region der fünf Landkreise. Aktivurlauber wählen dabei zwischen Radfernwegen (wie z.B. Main-Radweg oder Rhönradweg), regionalen Zielverbindungen (wie z.B. Gerolzhofen – Geiselwind), Themenrouten (z.B. Mühlen- oder Schlössertouren) sowie Verbindungen von Ort zu Ort. Ebenso gibt es nun zahlreiche Rast- und Informationsmöglichkeiten mit sog. Rad-Info-Punkten an zentralen Stellen mit Orientierungshilfen wie Kartenausschnitten, Hinweise auf radfahrerfreundliche Gastronomen und Hoteliers. Zudem wird das Radangebot der Region künftig mit vereinten Kräften gemeinsam vermarktet, um eine höhere Aufmerksamkeit zu erzielen. Hierfür entstanden neue Radwegekarten und Radwegeführer. Darüber hinaus sind aktuelle Informationen im Internet zu finden und die fünf Regionen werben gemeinsam in Printmedien und bei Messen.
Ein Milliardenmarkt
„Ganzheitliche Qualität ist bei Radtouristen gefragter denn je“, unterstrich Silke Leimser vom Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband im Rahmen des 1. Unterfränkischen Radtourismus-Symposiums. Gäste erwarten, so appellierte die Expertin, ein stimmiges Angebot von den Radwegen über die Beschilderung bis zur Einkehrmöglichkeit und Unterkunft. Bisher tragen rund 40 Betriebe in den fünf Landkreisen das Bayerische Qualitätssiegel „Fahrradfreundlicher Hotel- und Gastronomiebetrieb“, in Franken insgesamt sind es rund 155. Ausbaufähig sei auch noch die Zahl der Mitgliedsbetriebe bei der ADFC-Initiative „Bett & Bike“. Zwar sind die meisten der bisher 800 Mitgliedsbetriebe in Franken zu finden, in den Landkreisen Rhön-Grabfeld, Bad Kissingen, Haßberge, Schweinfurt und Kitzen sei das Netz aber noch etwas weitmaschig, so Frank Hofmann vom Reiseveranstalter TUI. Das Engagement lohnt sich: Radler sind im Urlaub überdurchschnittlich spendabel und reisen auch gerne in der Nebensaison, betonte er. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass Radreisen Qualitätstourismus bedeuten und ein Markt mit starken Wachstumspotenzialen sind. So werden in diesem Jahr rund 2,5 Mio. Bundesbürger eine Radreise unternehmen; die Hälfte davon bleibt im eigenen Land. Zusammen mit den rund 100 Mio. Radausflügen spreche man von einem Volumen von ca. 5 Mrd. EURO.
Radregion soll weiterwachsen
Am Ziel sehen sich die Landkreise allerdings noch lange nicht, betonten die Landräte bei der Veranstaltung unisono. Die Radregion soll weiter wachsen und so noch attraktiver werden. Angedacht ist beispielsweise eine Ausdehnung des radtouristischen Angebots nach Ober- und Unterfranken. Derzeit laufen bereits die Vorbereitungen zur Bewerbung für die neue Förderperiode LEADER in ELER von 2007 bis 2014. +++