„Das ist eine Premiere“, bekannte Maria Baumgarten, die Vorsitzende des Vereins PROTIN: „Unseren Verein gibt es seit 2002 und seitdem kommen wir fast jedes Jahr nach Fulda, aber zum ersten Mal kommen wir Rumänen als gleichwertige Partner, als EU-Mitglieder.“ Dass dieser neue Status nicht nur ein heiß ersehnter Prestigegewinn für das osteuropäische Land ist, sondern auch ganz praktische Folgen hat, davon weiß auch Michael Bolz, Mitorganisator der diesjährigen deutsch-rumänischen Jugendbegegnung, zu berichten. Seit 17 Jahren führt der Streetworker Austauschaßnahmen mit Rumänen durch und engagiert sich in der Rumänienhilfe, doch dieses Jahr ist es das erste Mal, dass es ohne lange Visa-Formalitäten, viel Zeitaufwand, Stress und Geld ging.
Der Fachkräfteaustausch wurde von deutscher Seite vom Jugendamt der Stadt Fulda/ Streetwork organisiert, vom Jugendwerk der Arbeiterwohlfahrt unterstützt, von den Jugendlichen mit gestaltet und von Studenten der Hochschule Fulda FB Sozialwesen mit betreut.
„Europa wird offener für seine Bürger, doch damit seine Bürger auch füreinander offener werden, sind Jugendbegegnungen wie diese unabdingbar, gerade auch weil sie mit Jugendlichen stattfinden, die sonst nie die Gelegenheit gehabt hätten, ein fremdes Land kennenzulernen“, erklärte Bolz mit Blick auf die Jungen und Mädchen, die er als Streetworker am Aschenberg betreut und er bekräftigte: „Manche von den Jungs hier kommen selten aus ihrem Viertel raus.“ Umso wichtiger sei, dass die zum Teil arbeitslosen, in der Ausbildung befindlichen oder in Projekten der Jugendberufshilfe beschäftigten Jugendlichen auf diese Weise einen Blick über den eigenen Tellerrand hinaus werfen können und auch sich selbst einmal durch die Augen Anderer wahrnehmen.
„Gemeinsamkeiten überwinden Grenzen“
Dass es neben einigen Unterschieden aber auch viele Gemeinsamkeiten zwischen den Jugendlichen gibt, das wurde schon in den ersten Tagen der Begegnung deutlich. „Musik hören, Fußball spielen und zusammen Spaß haben“, fasst ein Junge seine Hobbys zusammen. Die Interessen sind ähnlich und so kam man sich nach der ersten zögerlichen Phase des Kennenlernens näher. Einen nicht unwesentlichen Anteil daran hatten auch die gemeinsamen Aktivitäten in den ersten drei Tagen der Jugendbegegnung, wie etwa der Besuch im Segelflugmuseum und der Sommerrodelbahn auf der Wasserkuppe oder das Klettern im Hochseilgarten in Poppenhausen. Hier konnten die Jugendlichen unter fachkundiger Anleitung ihre Kräfte mobilisieren und Hindernisse und Grenzen überwinden.
Das gegenseitige Sichern und das gemeinsame Erfolgserlebnis, nachdem man seine Angst überwunden hatte, taten ein Übriges, um die Gruppe zusammenzuschweißen. Anregungen ganz anderer Art fanden die Teilnehmer beim Besuch von Projekten der Jugendberufshilfe der Institutionen „Grümel“ und „Lohn & Brot“. Dort konnten sie sich einen Überblick über Ausbildungsmöglichkeiten und Qualifizierungsmaßnahmen verschaffen und sich über ihre unterschiedlichen Erfahrungen zum Einstieg ins Berufsleben austauschen. Die Exkursion in das Konzentrationslager Buchenwald machte dagegen deutlich, welche Verantwortung jeder einzelne dafür trägt, sich auch mit der Geschichte auseinanderzusetzen.
„Grenzenübergreifendes“ Fußballturnier
Höhepunkt des 10-tägigen Programms war jedoch ein deutsch-rumänisches Fußballturnier, das am vergangenen Wochenende im Saarland im Rahmen des Bundesjugendwerkstreffens mit 12 Mannschaften vor begeisterten Zuschauern ausgetragen wurde. Bei dem Turnier um einen Wanderpokal kam es am Ende zu einem spannenden Duell Rumänien gegen Aschenberg. Die Entscheidung fiel durch Elfmeterschießen. Das Team Aschenberg verlor knapp mit 7:6 gegen die rumänische Mannschaft. Aber die Enttäuschung bei den Fuldaern über den zweiten Platz war rasch verflogen, als die Rumänen bei der Siegerehrung unter großem Jubel ihre deutschen Freunde auf die Bühne riefen und gemeinsam den Sieg feierten.
Den Wanderpokal dürfen die Rumänen nun als Siegestrophäe mit nach Hause nehmen. Im nächsten Jahr, in Rumänien, muss er bei einem weiteren Turnier gegen die Fuldaer Jungs verteidigt werden. Man darf gespannt sein, wer dann als Sieger hervorgehen wird. „Fazit dieser Jugendbegegnung ist jedoch, dass sich alle als Sieger fühlen“, fand Betreuer Bolz: „Denn sie haben alle einen Eindruck über ein ihnen vorher vollkommen fremdes Land gewonnen und viele Freundschaften geschlossen.“ +++