Uwe Lang und Reto Meisel heißen die beiden in der Deutschen Automobil-Berg-Meisterschaft 2007 führenden Fahrer. Nach sechs Läufen dominieren der Schweinfurter und der Eidgenosse die Divisionen der Rennsportfahrzeuge und der Tourenwagen deutlich. Allerdings kann bei den fünf verbleibenden Rennen noch eine ganze Menge passieren, so dass beide auch beim „Internationalen 38. AvD/MSCR-Hauenstein-Bergrennen“ richtig Gas geben müssen, um in Front zu bleiben. Die Motorsportfans dürfen sich am 28. und 29. Juli auf ein spannendes Rennsport-Wochenende freuen.
Uwe Lang hat schon mehrere Anläufe hinter sich, um den Titel in „trockene Tücher“ zu bringen. Allerdings blieb ihm bis heute der ganz große Erfolg verwehrt. Zweimal war Lang bereits Vize-Meister, doch für den Gewinn des Meistertitels fehlte bislang letztlich auch das notwendige Quäntchen Glück. Nachdem seine Erzrivalen Herbert Stenger und Marcel Steiner heuer ein wenig „geschwächelt“ haben, befindet sich Lang nunmehr in aussichtsreicher Position. Der Osella-PA-20-Pilot hat nach sechs Rennen 180,5 Punkte auf dem Konto, während der zehnfache deutsche Berg-Mesiter Stenger (Stenger Eigenbau CN) deren 151 vorweisen kann. Dritter im Bunde der Meisterschaftsanwärter ist Eidgenosse Steiner (Martini MK77) mit 128,5 Zählern.
Eines steht fest: Alle drei Sportwagen-Pioten sind in Hauenstein für den Gesamtsieg gut. Der selbst ernannte Berg-Löwe Stenger muss in der Rhön gewinnen, will er nicht den Anschluss an den Meisterschaftszug verlieren. Mit seinen inzwischen 59 Jahren gehört der Sommerkahler noch lange nicht zum alten Eisen – auch wenn ihn einige seiner Kollegen gerne dort sehen würden. Und wenn Marcel Steiner einen guten Tag erwischt und fehlerfrei bleibt, ist er ebenso einer der aussichtsreichsten Anwärter auf den Tagessieg beim Int. 38. AvD/MSCR-Hauenstein-Bergrennen. Neu im Feld der Gesamtsieg-Aspiranten ist der Happurger Jörg Weidinger. Der zweifache Tourenwagen-Berg-Europameister hat in Homburg den Gesamtsieg herausgefahren und wird auch in der Rhön mit seinem Osella PA 20 voll auf Angriff fahren.
Noch deutlicher als in der Division der Rennsportfahrzeuge stellt sich die Situation in der Kategorie der Tourenwagen dar. Hier fährt der Schweizer Reto Meisel dem gesamten Feld eins ums andere Mal davon. Man könnte beinahe meinen, die Herren Handa, Brenner, Stolz und Co. hätten über Nacht das Fahren verlernt – so groß ist der Vorsprung zwischen Meisel und dem Rest des Feldes. Wie kommt’s? Meisel hat das im Augenblick klar dominierende Fahrzeug. Sein Mercedes 190 RM1 wiegt angeblich unter 900 Kilogramm und hat eine Leistung von über 560 PS.
Leistungsmäßig kann die Konkurrenz zwar in etwa mithalten. Doch was die Gewichte der übrigen E1-Tourenwagen anbelangt, lieen diese bedeutend höher. Sowohl der Ex-DTM-Astra V8 der siebenfache deutsche Tourenwagen-Berg-Meisters Norbert Brenner als auch der Lancia Delta Integrale von Norbert Handa, seines Zeichens Tourenwagen-Meister des Jahres 2002, bringen deutlich über 1000 Kilogramm auf die Waage. Selbiges gilt auch für den amtierenden deutschen Berg-Meister Herbert Stolz, dessen Bi-Turbo 935 zwar die höchste Leistung aller Spitzen-Tourenwagen und –GTs bringt, allerdings auch den meisten Ballast mit sich herumschleppt.
Um die Dinge wieder ins Lot zu bringen und damit zugleich die Deutsche Automobil-Berg-Meisterschaft auf Dauer attraktiv zu halten, ist hier die höchste deutsche Motorsportbehörde, der Deutsche Motor Sport Bund (DMSB), gefragt. Ein Gewichts-Limit wäre gut geeignet, um die Dinge in der stärksten Tourenwagen- und GT-Gruppe schnell wieder ins Lot zu bringen.
Keine Frage: Unter den gegebenen Umständen ist Reto Meisel auch beim Hauenstein-Bergrennen haushoher Favorit. Hoffnungen auf Platz zwei macht sich insbesondere der siebenfache Berg-Meister Norbert Brenner. Dieser bringt einen neuen Ex-DTM-Astra V8 an den Start. Der 59-jährige Kfz-Meister hat das 2004 noch auf der Rundstrecke eingesetzte Fahrzeug von Opel erworben und wird den roten Astra jetzt erstmals auf einer Bergrennstrecke einsetzen. Der Walldürner muss sich auf einen spannenden Fight mit dem Markt Einersheimer Norbert Handa einstellen. Der Unterfranke liebt die Hausener Bergrennstrecke und rechnet sich demnach einiges aus. Bei Regen könnte er das Potenzial seines vierradgetriebenen Lancia voll ausfahren. Brenner und Handa werden es ganz sicher mit Tourenwagen-Berg-Meister Herbert Stolz zu tun bekommen. Dessen bärenstarker Porsche ist aufgrund der Streckencharakteristik immer gut für superschnelle Zeiten.
Neben den aktuellen Meisterschaftsanwärtern bieten aber auch die Fahrer der übrigen Cups herzhaften Motorsport. Allen voran die riesige Armada des KW-Berg-Cups, der das größte Starterkontigent in Hausen stellt. Hier sind die Fahrer der „Zweiten Bundesliga“ zu finden, aber auch viele Starter, die einfach aus Spaß an der Freude den Bergrennsport betreiben. Mit dabei sind zudem die Teilnehmer des NSU-Berg-Pokals und des Classic-Berg-Cups, die mit ihren Youngtimer-Fahrzeugen das Publikum entlang der 4200 Meter langen Rennstrecke begeistern. (Text und Bild: Karlheinz Franz) +++