BISCHOFSHEIM. „Wanderratten unterwegs“ hieß es am Wochenende wieder in der Rhön. Die „Wanderratten“ sind ein Angebot des Vereins Naturpark und Biosphärenreservat Bayerische Rhön für natur- und umweltinteressierte Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren. Und wenn sie unterwegs sind, dann ist Hochspannung vorprogrammiert – wie auch an diesem Wochenende, das ganz unter dem Motto „Archäologie“ stand.
Auf die Spuren der kulturellen Entwicklung der Menschheit in der Rhön und darüber hinaus wollte die Jugendgruppe an diesem Wochenende gehen. Und welche Örtlichkeit passt zu diesem Zweck besser als die über Landkreisgrenzen hinaus bekannte Osterburg in Bischofsheim, die seit der Gründung des Vereins „Freunde der Osterburg“ im Jahr 2004 wieder vom Schlafe auferweckt wird.
Einen ganzen Tag verbrachten die Jugendlichen auf der Osterburg, lernten zum einen so einiges über die Geschichte der Osterburg, das Denkmal selbst und die fortschreitenden Restaurierungsarbeiten, legten zum anderen aber auch und vor allem tatkräftig selbst Hand an: Bei bitterkalten Temperaturen wurde von ihnen die rechte Seite des Osterburggeländes freigelegt, das von starkem Bewuchs und Gehölz befallen war. So machten sich die „Wanderratten“ am frühen Samstagmorgen mit Astschere, Astgabel, Rechen und Messern auf die Osterburg, um sehr zur Freude des Vereins „Freunde der Osterburg“ kräftig und eigenständig anzupacken. Begleitet wird die Gruppe stets von Michael Dohrmann, Fachbetreuer für Umweltbildung beim Verein Naturpark und Biosphärenreservat Bayerische Rhön, und Maik Prozeller, Umweltpädagoge beim Biosphärenreservat.
Trotz sonnigem Wetter sorgten die Minusgrade dafür, dass diese Arbeit alles andere als ein Zuckerschlecken war. Doch dies tat dem Arbeitseifer und der Stimmung unter den Jugendlichen keinen Abbruch. Einen ganzen Tag lang wurde gezwickt, geschnitten, gesägt und verbrannt. Entsprechend dankbar zeigte sich der Verein „Freunde der Osterburg“. Vorsitzender Bruno Werner, der für die Jugendlichen leckere Verpflegung organisiert hatte, sprach von einer „großen Freude, dass die Jugendlichen die Initiative ergriffen haben“. Bürgermeister Udo Baumann, der es sich ebenfalls nicht nehmen ließ, vor Ort auf der Osterburg vorbeizuschauen, sprach von einer „ganz tollen Geschichte, für welche Aktivitäten die Jugendlichen ihre Freizeit investieren“. Nicht zu übersehen sei der Spaß, den die jungen Leute bei der Arbeit haben. Besonderen Dank sagte er dem Verein Naturpark und Biosphärenreservat Bayerische Rhön für seine jahrelange Arbeit im Stadtgebiet von Bischofsheim.
Nach diesem Arbeitseinsatz ging es für die „Wanderratten“ am Abend ins Schwimmbad nach Gersfeld. Am Abend davor bereiteten sie ihre geplante mehrtägige Wanderung im Dahner Felsenland der Pfalz vor. Die Route wird an vielen pfälzischen Sehenswürdigkeiten wie dem Teufelstisch oder der Jungfernklippe vorbeiführen sowie den Ort Bruchweiler-Bärenbach, die Partnerstadt des Marktes Oberelsbach, passieren.
Am Sonntag wartete dann der zweite Höhepunkt auf die „Wanderratten“: der Besuch des Archäologischen Museums in Bad Königshofen. Restaurator und Leiter des Museums Andreas Rottmann führte die Jugendlichen durch das Haus. In der Steinzeitwerkstatt erfuhr die Jugend wie zu früheren Zeiten mit einfachen Mitteln Stein bearbeitet wurde. Das Erstaunliche: Damals hat man mit Holzbohrern Basalt gebohrt – und zwar mithilfe des Schleifmittels Sand. Dies durfte man dann auch gleich selbst nachmachen.
Die Wanderratten treffen sich ungefähr alle drei Monate zu Wochenendaktionen. Alle umweltinteressierten Jugendlichen im Alter von 14 bis 18 Jahren sind dazu eingeladen. Die nächsten Termine: 25. - 27. April, Wanderratten aktiv: „Wir helfen auf dem Bauernhof!“; 18. - 22. August, Wanderratten unterwegs: „Mehrtägige Wanderung durch den Pfälzer Wald“; 7. - 9. November, Wanderratten aktiv: „Fred vom Jupiter sucht die Space Girls“ – Astronomisches Wochenende für umweltinteressierte Jugendliche; 29. und 30. November, Wanderratten: „Misteln und Maronen“. (me) +++