15.10.14 - Neun Siege aus elf Spielen bei 30 geschossenen Toren sprechen eine deutliche Sprache: Borussia Fulda war nie ein normaler Aufsteiger und wird es auch nie sein. Wie schon im vergangenen Gruppenliga-Jahr hat die Konkurrenz kaum eine Chance gegen die Mannschaft von Trainer Oliver Bunzenthal. Aber noch viel wichtiger: Borussia polarisiert - fesselt die Region. In bisher nur drei Heimspielen waren mehr 5.000 (!) Zuschauer in der Johannisau. "Wir, Vorstand, Beirat und Sponsoren, wollten die Marke SC Borussia Fulda zu neuem Leben erwecken", sagt Markus Röhner, Vorstands-Chef von Hauptsponsor R+S solutions Holding AG und gleichzeitig Vorsitzender des Beirats. Bisher ist das zu 100 Prozent gelungen.
Doch zunächst ein Rückblick: "Das Image des Vereins war alles andere als gut. Hier wurde viel verbrannte Erde zurückgelassen", erklärt Röhner. Borussia Fulda war noch vor zehn Jahren der Fußball-Leuchtturm der Region. Derbys gegen große Vereine wie Darmstadt 98 oder dem 1. FC Nürnberg zogen tausende Fans zu Regionalligazeiten in die Johannisau. 2008/09 stieg man als 17. aus der Oberliga ab - ein Jahr später der Fall in die Gruppenliga. "Borussia Fulda - ein Verein den man weit über die Grenzen der Region hinaus kannte - war am Tiefpunkt angelangt", blickt Röhner zurück.
2013 hat sich ein Sponsoren-Team gesammelt, das dem ehemaligen Leuchtturm einen neunen Anstrich verleihen will. Mit Hauptsponsor R+S an der Spitze haben sich namhafte Unternehmen Osthessens dem Verein angeschlossen. "Da musste man schon mit dem Namen seines Unternehmens werben, um weitere Sponsoren zu finden. Borussia Fulda war zerstört", sagt Röhner. Nach vier Gruppenligajahren gelang mit den starken Partnern im Rücken der Aufstieg in die Verbandsliga - pünktlich zum 110-jährigen Jubiläum der Beginn einer neuen Erfolgsgeschichte?
"Bodenständige Arbeit auf mehreren Säulen"

Die obligatorische SCB-Tasse darf nicht fehlen
Borussia Fulda hatte schon einmal starke Partner, die höherklassigen Fußball ermöglichten. Das finanzielle Gerüst fiel aber vor wenigen Jahren zusammen. Einige Fußballer in der Region kritisieren den erneuten Aufstieg des SCB - Markus Röhner schwimmt entgegen: "Wir leisten hier bodenständige Arbeit. Bei Borussia Fulda wird kein Cent mehr ausgegeben, als in den Kassen ist und noch wichtiger: Hier gibt es mehr als nur eine erste Mannschaft." Die Zweitvertretung des SCB ist in die Kreisliga A aufgestiegen - nach elf Spielen rangiert Borussia II an der Tabellenspitze. Auch eine dritte Mannschaft wurde ins Leben gerufen. Auf die Jugendarbeit wird besonders Wert gelegt. Jugendcamps und der Zusammenschluss mit der Jugendabteilung des Haimbacher SV versprechen hoffnungsvolle Nachwuchstalente. "Unser Konzept ist auf mehreren Säulen aufgebaut und soll langfristig halten und Erfolg bringen", sagt Röhner.
Der Erfolg ist da - der Aufstieg in die Hessenliga gilt in Fußballerkreisen als sicher. "Da wollen wir auch hin. Das ist das primäre Ziel - mehr nicht", bremst Röhner etwas die Euphorie, "Geld schießt keine Tore. Sollten wir den Hessenliga-Aufstieg packen, müssen auch wir uns erst an das neue Terrain gewöhnen." Die Regionalliga sei zwar diskutiert worden, aber dem stünden eben noch zwei Aufstiege im Weg. Gut aus Borussensicht: Bereits vor Saisonbeginn war der Etat für die Verbandsliga gedeckt. Mit dem Zugewinn der Exklusivsponsoren Möbel-Buhl (Fulda) und Technolit (Großenlüder) ist ein warmer Geldregen geflossen, der bereits für die kommende Saison angespart werden kann.

ON-Mitarbeiter Julius Böhm beim Interview

Am Konferenztisch: Svenja Dietz von R+S, Markus Röhner und Julius Böhm ...
"Es macht Spaß für die Region etwas aufzubauen. Fulda und Osthessen brauchen wieder ihren Leuchtturm", sagte der R+S-Chef. Der Traum von ausverkauften Stadien und Derbies gegen einen traditionsreichen Club sind gar nicht so weit weg. "Im Moment ist so etwas aber nur möglich, wenn wir einen Profiverein zum Freundschaftsspiel einladen", schmunzelt Röhner, "wer bodenständig arbeiten möchte, muss sich realistische Ziele setzen und darf nicht träumen." 1998 wäre der SCB beinahe in die Zweite Bundesliga aufgestiegen. Damals wurden die Lichtmasten im Fuldaer Stadion auf Profiniveau gebracht. Ob das Flutlicht in der Johannisau immer noch zweitligatauglich ist, weiß Beiratsmitglied Röhner nicht, aber in einem ist er sich sicher: "Mit Hauptsponsor R+S als Elektrotechnik-Profi im Rücken wird ein Bundesligaaufstieg sicher nicht am Stadionlicht scheitern." (Julius Böhm) +++