AUS und vorbei - zum 1. April 2015 schließt EIKA für immer -

FULDA SCHOCK in Kerzenfabrik

Traditionsbetrieb EIKA KERZEN GmbH stellt Betriebstätigkeit ein

14.11.14 - Traurige Nachricht in der Vorweihnachtszeit: der Traditionskerzen-Hersteller EIKA aus Fulda legt seinen Betrieb zum 31. März nächsten Jahres komplett still - bitter für die 80 verbliebenen Mitarbeiter . Die Hiobsbotschaft wurde den Betriebsangehörigen schon am Dienstag unter Ausschluss der Öffentlichkeit verkündet. Auf Nachfrage bei Bolsius Deutschland GmbH in Essen verkündet deren Pressesprecher Rudolf Jeschenko am Donnerstag gegenüber O|N  in einer lapidaren Pressemitteilung: "Die Betriebsstrukturen der Eika Kerzen GmbH, einer hundertprozentigen Tochtergesellschaft der Bolsius International BV, werden zum 1. April 2015 aufgelöst. Ein Interessensausgleich und Sozialplan für die 80 Voll- und Teilzeitmitarbeiter, ausgenommen der geringfügig beschäftigten Mitarbeiter, wird in enger Abstimmung mit dem Betriebsrat erarbeitet."

Archivfotos: Julian Dern

Zur Begründung dieses harten Schnitts heißt wörtlich: "Der Betriebsstandort mit Produktion, Vertrieb und Verkauf schaffte es nicht, im hart umkämpften Qualitätskerzenmarkt kostendeckend oder gewinnbringend zu wirtschaften. Nach intensiver Prüfung diverser Alternativen den Betrieb auf nachhaltig wirtschaftlich gesunde Beine zu stellen, musste festgestellt werden, dass eine zu hohe Investition nötig ist - ohne Aussicht auf eine wirtschaftlich sinnvolle Weiterführung. Daher ist die Schließung des Standortes unausweichlich."

Die Betriebsratsvorsitzende von EIKA Fulda, Elke Hauke ist auf Nachfrage von OSTHESSEN|NEWS offensichtlich desillusioniert: "Was soll ich sagen - wir haben immerhin zwei Insolvenzen hinter uns - und jetzt die Stilllegung. Das einzige, was wir für unsere Leute jetzt noch tun können, ist über den Interessensausgleich und Sozialplan zu verhandeln."

Vor acht Monaten - fast genau auf den Tag am 14. 3.2014 - hatte der damalige Geschäftsführer Mark Toschek die neugegründete Eika GmbH wieder verlassen. Er verabschiedete sich mit den Worten, er hinterlasse "eine gesunde Firma, die mit dem starken Partner Bolsius an ihrer Seite in eine positive Zukunft schaut", wie Toschek stolz verkündete. Mit der Übernahme der Fuldaer Kerzenmanufaktur durch den niederländischen Kerzenriesen Bolsius sollte es ab Ende 2012 mit der die neuen Eika GmbH wieder aufwärts gehen. Toschek selbst hatte für die Eika eine sichere Zukunft prophezeit: "Bolsius ist zehn Mal so groß wie die Eika. Eine wahnsinnige Professionalität steckt dahinter, von der Fulda profitiert. Ich bin mir sicher, dass hier so schnell kein Insolvenzverwalter mehr zu Besuch sein wird." Damit hat Toschek zwar Recht behalten, von einer kompletten Stilllegung hatte er aber nicht gesprochen.+++ci


HINTERGRUND: Firmen-Historie

Eika wurde 1824 von Franz Emil Berta unter dem Firmennamen Berta in Fulda gegründet. Als einer der ersten Hersteller nutzte sie die neuentdeckten Rohstoffe Stearin und Paraffin zur industriellen Produktion von Kerzen.Durch ein Familienmitglied Bertas, Max Eickenscheidt, entstand als neuer Fertigungszweig die Eickenscheidter Wachswarenfabrik. 1935 wurde die aus dem Namen Eickenscheidt abgeleitete Kurzform „Eicka“ als Markenzeichen eingeführt. Mit der wirtschaftlichen Krise im Zweiten Weltkrieg wurde das Unternehmen an den Neusser Öl- und Fettehändler Leo Brand verkauft. Dieser behielt den Markennamen bei, vereinfachte aber 1963 die Schreibweise zu „Eika“. Über drei Generationen wurde Eika als familiengeführtes Unternehmen betrieben. 2001 galt Eika mit einem Umsatz von etwa 70 Millionen Mark als einer der drei führenden Unternehmen in der deutschen Kerzenbranche und produzierte mit etwa 170 Mitarbeitern ca 20.000 Tonnen Wachswaren jährlich.2007 plante Eika nach jahrelanger Forschung, das wegen des steigenden Rohöl-Preises teurer werdende Paraffin für die Kerzenherstellung durch nachwachsende Rohstoffe wie Kokosfett und Palmöl zu ersetzen.

Für diese Produkt-Innovation sollte auch ein neues Werk gebaut werden. Doch die Preise für die pflanzlichen Rohstoffe stiegen ebenfalls erheblich. Anfang 2008 musste Eika Insolvenz anmelden. Mit dem Schweizer Investor Cukierman Rasenberger Toschek AG wurde ein Käufer gefunden, der die Produktion fortsetzte. Finanziert werden sollte die Eika-Übernahme über einen Fonds. Neuer Geschäftsführer wurde Mark Toschek. In der Interims-Phase wurde die einseitige und saisonale Abhängigkeit vom Weihnachtsgeschäft gelöst. Für den Vertrieb von Eika-Produkten an bestimmte Kunden wurde 2008 die Juwel Kerzen Ltd. & Co. KG gegründet, eine 100-prozentige Tochter mit Sitz in Fulda. Zwischenzeitlich beschäftigte Eika wieder rund 160 Mitarbeiter und eröffnete im Oktober 2010 als zusätzlichen Vertriebskanal einen Online-Shop.

Im November 2012 musste Eika trotz schwarzer Zahlen erneut Insolvenz anmelden, weil ein Gericht der Forderung eines früheren Investors nach sofortiger Rückzahlung seiner Mittel überraschend stattgegeben hatte. Der Gütersloher Unternehmer Robin Lohmann beziehungsweise dessen Fonds ACI Real Estate hatte sich 2008 mit 12,7 Millionen Euro an dem Übernahmefonds beteiligt, forderte aber nach der Lehman-Pleite sein Geld zurück. Eika wird zum 1. April 2013 durch die Bolsius Deutschland GmbH aus Essen übernommen. Zu diesem Zweck wurde die EIKA Kerzen GmbH als hundertprozentige Tochtergesellschaft gegründet.(Quelle wikipedia)+++


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