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- Foto: Hendrik Urbin

TISCHTENNIS "Ereignisreiches Jahr"

TTBL-Aussichtsrat Andreas PREUß im Interview über Entwicklung und Regeländerungen

31.12.14 - Ein ereignisreiches Tischtennis-Jahr 2014 liegt hinter uns. Zum Jahresende sprach das Tischtennis-Portal TTBL.de mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden der TTBL Sport GmbH, Andreas Preuß (52), über seine persönlichen Highlights, die Entwicklung der Tischtennis-Bundesliga und mögliche Regeländerungen wie beispielsweise höhere Netze für längere Ballwechsel.

Herr Preuß, das Jahr 2014 neigt sich dem Ende zu. Was war Ihr ganz persönliches Tischtennis-Highlight in diesem Jahr?

Andreas Preuß: Das TTBL-Finale in Frankfurt war sicherlich so ein Highlight, wenn ich das Jahr aus der Düsseldorfer Vereinsbrille anschaue. Wir hatten eine turbulente Saison mit Verletzungen, Höhe- und Tiefpunkten und haben dennoch die Meisterschaft errungen. Aber auch der World Cup in meiner Heimatstadt Düsseldorf bleibt in Erinnerung. Die Inszenierung der Veranstaltung und das Abschneiden von Timo Boll waren schön anzusehen. Und dann ist da natürlich noch das Pokal-Finale in Fulda. Das war ein Tischtennis-Fest, ein würdiger Abschluss des Jahres 2014.


Mit der Gründung der TTBL Sport GmbH und der damit verbundenen Bündelung der Interessen der Tischtennis-Bundesligaclubs haben Sie im November 2010 neue Wege eingeschlagen. Welche Bilanz ziehen Sie nach vier Jahren operativer Tätigkeit? Was hat sich konkret verbessert?

Preuß: Die Bilanz fällt alles in allem gut aus. Das, was wir uns in dieser ersten Zeit vorgenommen hatten, haben wir auf den Weg gebracht. Mit der TTBL haben wir ein Baby geboren, das inzwischen gelernt hat, Brei zu essen und aus den Windeln zu kommen. Es läuft jetzt allein und ist auf dem Weg, irgendwann in die Schule zu gehen. Damit meine ich konkret, dass wir es geschafft haben, mit der Geschäftsstelle in Fulda eine Infrastruktur für die Tischtennis-Bundesliga aufzubauen, einen geregelten Spielbetrieb zu organisieren, wirtschaftliches Handeln in Gang zu bringen, kurze und schnelle Entscheidungswege zu etablieren. Über eigene Veranstaltungen wie das Pokal-Finale und auch die Umsetzung von Internet-TV haben wir Zuschauer gewonnen und uns vermarktungsfähig gemacht.

Woran muss noch gearbeitet werden?

Preuß: Es hakt sicherlich noch im Unterbau. Ich bin der Meinung, dass der Weg in die eingleisige zweite Liga der richtige war und ist. Allerding müssen wir auf diesem Weg auch die Vereine mitnehmen und Hilfestellungen leisten. Darüber hinaus brauchen wir mehr hauptamtliche Strukturen. In vielen Clubs gibt es ein Generationenproblem. Dort haben seit vielen Jahren die gleichen Häuptlinge das Zepter in der Hand. Es fehlt an Nachwuchs.

Was könnten Vereine denn konkret tun, um bessere Strukturen zu schaffen und den Nachwuchs für die Vereinsarbeit zu begeistern?

Preuß: Das geht aus meiner Sicht nur über Professionalisierung und Hauptamtlichkeit. Die Vereine sollten nicht nur den Spielern und Trainern Gehälter zahlen, sondern auch in professionellere Vereinsstrukturen investieren. So könnte man beispielsweise etwas Geld in die Hand nehmen und dem interessierten Vereinsnachwuchs die Umsetzung von Marketinginitiativen antragen und gleichzeitig in Infrastruktur wie einen roten Hallenboden, Technik, Spielpräsentation oder ein ansprechendes Catering investieren. Mit diesen oftmals kleinen Schritten fängt wirtschaftliches Handeln doch an. Orientieren können wir uns da an Sportarten wie Basketball, Handball oder auch Eishockey. Die machen es uns vor. Dort sitzen bis zu 20 Mitarbeiter in den Geschäftsstellen. Wir müssen aufpassen, dass diese Sportarten uns auf Dauer nicht enteilen und uns schnellstmöglich weiterentwickeln.

Nicht nur das Pokal-Finale, auch das TTBL-Finale am Ende der Saison, bei dem die beiden besten Teams der Liga in einem Endspiel aufeinander treffen, hat sich inzwischen zu einer herausragenden Sportveranstaltung entwickelt. Ist diese Eventisierung des Sports auch für den Tischtennissport aus Ihrer Sicht der richtige Weg?

Preuß: Ich bin kein Freund von Mega-Events. Aber auch hier machen es uns andere Sportarten wie Handball oder Basketball vor: die Inszenierung von großen Veranstaltungen spielt eine zunehmend wichtigere Rolle. Ein Freund, der kürzlich in den USA war, erzählte mir, dass die Amerikaner bei Sportveranstaltungen Entertainment und Komfort einfordern. Der Fan möchte sich wohlfühlen, eine Tüte Popcorn essen und auf einem vernünftigen Stuhl sitzend sportlich unterhalten werden. Ich denke, das ist bei uns nicht anders. Es müssen bei einem Tischtennis-Spiel keine Lachsbrötchen serviert und Ledersessel vorhanden sein. Aber ich muss einen Sponsor oder den Bürgermeister auch nicht in die Umkleidekabine zum Wurst essen schicken und ihn auf eine Turnbank setzen. Rainer Ihle (2013 verstorbener Manager der TTF Liebherr Ochsenhausen, Anm. d. Red.) hat mal gesagt, der Tischtennissport muss sich nicht klein reden, sondern groß machen. Wenn uns das gelingt und die Vereine das entsprechend mit gutem Inhalt füllen können, fühlen sich auch die Fans wohl.

A propos Fans: Im Schnitt besuchen rund 430 Zuschauer die Spiele der Tischtennis-Bundesliga. Rekordmeister Düsseldorf ragt dabei mit einem Zuschauerschnitt von über 900 deutlich heraus. Das Interesse war schon mal größer. Was können vor allem auch die kleineren Vereine tun, um dies wieder zu wecken?

Preuß: Wenn ich mir die Zuschauerzahlen, vor allem auch bei internationalen Spielen anschaue, dann wird mir tatsächlich etwas mulmig zumute. Da sieht es nicht gerade rosig aus. Aber wenn die Fans nicht zum Verein kommen, dann muss der Verein eben zum Fan gehen. Am Ende des Tages muss ich jeden Stein in meiner Stadt umdrehen, um die Fans abzuholen. Darüber hinaus tragen wir in Düsseldorf regelmäßig Bundesligapartien außerhalb von Düsseldorf aus und gewinnen so Fans im gesamten Bundesgebiet. Die Vereine sollten in die Schulen und Kindergärten gehen und auf öffentlichen Plätzen oder bei anderen Sportveranstaltungen für Spiele werben oder sich in den sozialen Netzwerken präsentieren, um neue Freunde zu gewinnen.

Inwieweit kann die TTBL Sport GmbH hier unterstützen?

Preuß: Ich sehe da auch die Geschäftsstelle der TTBL in der Verantwortung, als Servicedienstleister beratend für die Vereine aufzutreten, natürlich. Wir müssen mit den Clubs in Kontakt treten, vor allem auch mit potentiellen Aufsteigern, ihnen Wege zeigen, Brücken bauen, Empfehlungen geben und Mut machen, das Abenteuer Bundesliga in Angriff zu nehmen. In Bergneustadt und auch in Hagen hat das ja gefruchtet, beispielsweise auch über das Instrument der Spielervermittlung.

Und doch gab es in der vergangenen Saison wieder nur einen Absteiger aus der TTBL, weil sich lediglich eine Mannschaft aus der zweiten Bundesliga um die Lizenz beworben und damit seine organisatorische wie wirtschaftliche Leistungsfähigkeit nachgewiesen hat…

Preuß: Das ist richtig. Noch sind viele Vereine nicht so weit, professionelle Strukturen umzusetzen. Das ist ein langfristiger Prozess. Da müssen wir als TTBL Trägerverein vielleicht auch über neue Wege nachdenken und aktiv helfen. Ich könnte mir auch vorstellen, beispielsweise über geringere Vereinsbeiträge in der ersten TTBL-Saison nachzudenken oder den Clubs in der ersten Zeit weniger Standards und ein reduziertes Lizensierungsverfahren vorzuschreiben.

Die TTBL transportiert inzwischen mit wachsendem Erfolg die Bundesliga via Internet-TV bis ins Wohnzimmer. Gerade im öffentlich-rechtlichen Fernsehen allerdings muss der Sport noch immer um jede Minute Übertragungszeit kämpfen, obwohl bei den Herren in Dimitrij Ovtcharov und Timo Boll zwei Spieler in den Top Ten der Weltrangliste dabei sind. Warum ist das so und wie lässt sich das ändern?

Preuß: Das ist ein Thema, über das ich Stunden lang diskutieren könnte. Unser Ansatz sollte dabei aber nicht so negativ sein und wir sollten nicht immer nur jammern. Dass der Fußball seit Jahren alles dominiert, das wird sich nicht ändern. Da bleibt nicht nur der Tischtennissport auf der Strecke. Die Zeiten, als wir Rossi und Speedy (Jörg Roßkopf und Steffen Fetzner, Doppel-Weltmeister 1989, Anm. d. Red.) nach einer Europapokal-Partie per Helikopter zu ‚Wetten, dass...?’ geflogen haben, sind eindeutig vorbei. Deshalb müssen wir unsere Chancen suchen. Das Internet bietet da eine sehr gute Plattform, unseren Sport zu präsentieren. Die Userzahlen steigen rasant. Allein in Düsseldorf erreichen wir über unsere Kanäle rund eine Millionen Menschen pro Saison. Und dies ruft auch wieder neue Sponsoren auf den Plan. Unser Ziel muss es sein, die Qualität des TTBL-TV weiter zu entwickeln über beispielsweise Mehr-Kameraübertragungen oder einheitliche, höhere Standards.

...oder ist die Sportart Tischtennis einfach zu komplex für den TV-Mainstream?

Preuß: Tischtennis ist eine der komplexesten Sportarten überhaupt. Der Ehrenpräsident des Deutschen Tischtennis-Bundes, Hans-Wilhelm Gäb, hat einmal gesagt, wir müssen Tischtennis verstehbarer und transparenter machen. Dem stimme ich zu und denke da mit ihm zum Beispiel an die Möglichkeit, das Netz zu erhöhen. Das wäre keine dramatische Veränderung, aber es würde die Spineffekte und den Aufschlag deutlich entschärfen und längere Ballwechsel produzieren. So könnten auch Tischtennis-Laien den Sport besser verstehen. Aber nochmal: wir sollten über unsere Situation nicht nur klagen, sondern täglich an unseren Strukturen arbeiten.

Der Dezember ist der Monat der Wünsche: Was wünschen Sie sich für das neue Tischtennis-Jahr 2015?

Preuß: Ich wünsche mir, dass die Spieler der Tischtennis-Bundesliga gesund bleiben. Das ist das Wichtigste. Wir in Düsseldorf waren in den vergangenen Jahren doch arg gebeutelt. Patrick Franziska wird uns noch länger fehlen, vielleicht auch in der entscheidenden Phase der Champions League, wo wir mit Pontoise/Paris ein schweres Los erwischt haben. (TTBL) +++


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