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LOHR/Spessart "Einzigartigkeit des Spessarts erhalten"

25 Vereine unterzeichnen Positionspapier für Erhalt von "Naturpark Spessart"

28.06.15 - Landrat Thomas Schiebel, Landkreis Main-Spessart, und Verantwortliche / Vorsitzende von 25 Verbänden und Vereinen trafen sich auf der Bayrischen Schanz, Lohr-Ruppertshütten auf Einladung des "Dachverbandes Gegenwind MKK / Naturpark Spessart". Es wurde ein Positionspapier verabschiedet, welches das gemeinsame Anliegen unterstreicht: Der Erhalt dieses größten zusammenhängenden Laubmischwaldes Deutschlands, den bayerischen und hessischen Naturpark Spessart.

Landrat Schiebel betonte in seinem Grußwort, dass er als Vertreter des Landkreises Main-Spessart, als Vorsitzender des Naturparks Spessart (Bayern) e.V. und auch als Vorsitzender des Regionalen Planungsverbandes Würzburg/Main-Spessart sich für dieses Anliegen durchaus einsetzen könne. Denn was im hessischen Naturpark Spessart, unweit der bayerischen Landesgrenze passiere, beeinflusst auch den Landkreis Main Spessart sowie den bayerischen Naturpark Spessart. Von daher setze er sich auf politischer Ebene gerne dafür ein, diesen ältesten Naturpark Deutschlands in seiner „Unverbautheit“ zu erhalten.

Hartwig Brönner, Vorsitzender der Kreisgruppe Main-Spessart des Landesbundes für Vogelschutz (Bayern) e.V., zeigte u. a. in seinem anschließenden Impulsreferat auf, welche Herausforderungen und Verantwortung wir auch im Spessart für besonders schützenswerte (FFH-relevante) Arten haben. So etwa für den Halsbandschnäpper, den sehr seltenen Zwergschnäpper, den Mittelspecht, aber auch für den Eisvogel sowie natürlich für den Schwarzstorch. Für Deutschland insgesamt tragen wir eine internationale Verantwortung für den Bestand des Rotmilans, aber auch für den Erhalt und Schutz der Korridore europäischer und auch internationaler Zugvögel wie etwa die Kraniche. Anhand von Karten wurde diese Verantwortlichkeit sehr anschaulich dargestellt.

Dr. Yvonne Walther von der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) ging auf die verschiedenen Fledermausarten im hessischen Spessart ein. Man weiß nach wie vor relativ wenig über diese nachtaktiven Tiere. Auch wenn manche Fledermausarten sich darin unterscheiden, dass einige in Baumquartieren und andere in Gebäudequartieren ihre Jungen aufziehen, - so nutzen doch alle reproduzierenden Fledermausarten in Hessen den Wald als Lebensraum bei der Nahrungssuche. Eine Zusammenfassung aller bekannten und veröffentlichten Nachweise der Mopsfledermaus in Flörsbachtal, Biebergemünd und Linsengericht (Stand Okt. 2014) macht deutlich, dass gerade der hessische Spessart / MKK eine besondere Verantwortung dieser europäisch streng geschützten Art, die einen ungünstig schlechten Erhaltungszustand aufweist, hat. Anhand der Grafik wurde deutlich, dass diese Art auch in den Wäldern jenseits der bayerischen Landesgrenze ihren Lebensraum hat. Fast das komplette Spektrum der sich in Hessen fortpflanzenden Fledermausarten lebt in den Spessartwäldern.

Anschließend ging Stellv. Geschäftsführer Julian Bruhn vom Naturpark Spessart Bayern e.V. auf die Wertigkeit des Spessarts als Erholungslandschaft ein. Im Bundesnaturschutzgesetzt heißt es unter § 27 Naturpark: Naturparke sind einheitlich zu entwickelnde und zu pflegende Gebiete, die Punkt 3. Sich wegen ihrer landschaftlichen Voraussetzung für die Erholung besonders eignen und in denen ein nachhaltiger Naturschutz angestrebt wird. Die Mitgliedsgemeinden verzichteten seit Bestehen des NPS Bayern auf Großindustrie und investierten somit 50 Jahre in die Natur- und Kulturlandschaft Spessart. Für viele, gerade auch jüngere Menschen ist eine intakte Landschaft auch wichtiger „Heimatfaktor“, was dem Demografischen Wandel durchaus entgegen wirkt. Studien belegen, dass Wandern nach wie vor „sexy“ ist. Über 40 Mio. Deutsche Wandern und geben jährlich 11 Mrd. € hierfür aus. Wichtig dabei ist ihnen jedoch eine attraktive Landschaft, bei der Frage nach einer spontanen Assoziation mit dem Begriff Wandern gaben 45 % der Befragten „Naturerlebnis“ an (Studie Zukunftsmarkt Wandern, Dt. Wanderverband / Wanderbares Deutschland). In Kooperation mit anderen Institutionen, Vereinen und Touristikern arbeite man bereits an der Etablierung der Region Spessart als Urlaubsregion im Herzen Deutschlands und möchte ein gemeinsames Erscheinungsbild schaffen.

Einen Überblick über den aktuellen Planungsstand von Windkraftanlagen im hessischen Spessart gab zum Abschluss Dr. Berthold Andres, Vorsitzender der Bürgerinitiative Windkraft im Spessart – In Einklang mit Mensch und Natur e.V. Die Regionalplanung weicht in Bayern und Hessen stark voneinander ab. Während in Bayern sowohl vom Regionalen Planungsverband als auch vom Bezirkstag der Beschluss gefasst wurde, den Naturpark Spessart Bayern e.V. weitestgehend von Windkraft frei zu halten, sieht der Entwurf des Regionalplan Südhessen für den Naturpark Hessischer Spessart ca. 3.500 ha als Vorrangfläche vor. Vor allem auf den Höhenrücken entlang der hessisch-bayerischen Landesgrenze sind Potentialflächen für Windkraftanlagen ausgewiesen, die größten in Biebergemünd, Bad Orb und Flörsbachtal/Jossgrund. Windkraftanlagen mit einer heute gängigen Höhe von 200 m entlang der Höhenrücken im Grenzgebiet sind weithin nach Hessen und Bayern sichtbar. Das Gebiet gilt dann als „vorbelastet“. Weitere Anlagen würden folgen. Gerade das Windparkprojekt in Flörsbachtal könnte einen „Dammbruch“ auslösen und auch den bayerischen Naturpark Spessart massiv negativ beeinflussen. Berthold Andres hatte in diesem Zusammenhang auf die geplante Umweltverträglichkeitsprüfung für dieses Projekt hingewiesen, die alle Naturschutzverbände für eine kritische Hinterfragung der Planungen nutzen sollten.

Im Anschluss an die Impulsreferate und einem anregenden Austausch wurde das Positionspapier verabschiedet. Ohne Gegenstimme wurde dieses bisher von 25 Vorsitzenden / Vertretern unterzeichnet. Thomas Schiebel setzt mit seiner Unterschrift ein deutliches Zeichen: Er unterzeichnet dieses als Landrat des Landkreises Main-Spessart, als Vorsitzender des Naturparks Spessart Bayern e.V. und als Vorsitzender des Regionalen Planungsverbandes Würzburg/Main-Spessart.  +++


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