07.08.15 - Er ist in Asbach ein Urgestein. Der SVA ist sein Heimatverein, bei dem er groß wurde und dem er in den vergangenen Jahren als erfolgreicher Jugendtrainer viel zurück gegeben hat. Nun übernahm Frank Ullrich im Sommer die Männer in der Verbandsliga, in deren Kader viele seiner ehemaligen Jugendspieler stehen. Im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS spricht er über seine Ziele für diese Saison, seine Motivation, in den Seniorenbereich einzusteigen und die größten Unterschiede zwischen Jugendlichen und Herren.
ON|Sport: Der Auftakt ist Euch mit dem 0:1 in Rothewesten nicht ganz gelungen. Was muss sich im Vergleich zur Vorwoche verbessern, um im Heimspiel gegen Neuhof punkten zu können?
Frank Ullrich: „Die Chancenauswertung. Wir haben in Rothewesten schon ein ganz ordentliches Spiel gemacht, speziell in der zweiten Halbzeit, in der wir auch sehr druckvoll gespielt haben. Wir hatten drei bis vier hundertprozentige Torchancen, da erwarte ich einfach – und das muss in der Verbandsliga auch so umgesetzt werden – dass wenigstens ein oder zwei auch genutzt werden. Das war das einzige, das mich ein bisschen geärgert hat. Die Spielweise war okay, wir hatten noch nicht alle Mann an Bord. Mit Bastian Schuch, der am Wochenende wieder zur Verfügung steht, haben wir wieder mehr Alternativen in der Offensive. Da bin ich dann auch zuversichtlich, dass wir nachlegen können.“
Stürmer Bastian Schuch steht wieder im Kader. Sind ansonsten alle fit oder haben Sie Ausfälle zu beklagen?
„Unser Torwart Witek Sabela wird fehlen, er kommt erst am Sonntag aus dem Urlaub zurück. Dafür wird Michael Panthen im Tor stehen. Andreas Pannek wird uns sicherlich noch zwei, drei Wochen fehlen. Er laboriert an einer Knieverletzung und ist jetzt wieder im Aufbautraining. Das wird aber noch etwas dauern, bis er uns wieder zur Verfügung steht.“
Mit welcher taktischen Ausrichtung werden Sie in das erste Heimspiel gehen?
„Wir werden unser Hauptaugenmerk zunächst auf die Defensive legen. Das wird uns sicherlich auch die gesamte Saison so verfolgen, ob wir jetzt zu Hause oder auswärts spielen. Unsere Grundausrichtung ist erst einmal aus einer stabilen Defensive, aus der wir dann versuchen, den ein oder anderen Konter mit schnellem Umschaltspiel zu fahren.“
…was ich hinten nicht bekomme, muss ich vorne nicht schießen, also?
(lacht) „Ja, so ähnlich ist es. Nein, wir sind einfach von der Ausrichtung einfach eher defensiver in der Grundordnung. Aber das soll nicht heißen, dass wir uns nur hinten rein stellen. Gerade zu Hause müssen wir etwas zählbares bekommen und die Aufgaben in nächster Zeit werden ja nicht einfacher. Von daher müssen wir daheim den ein oder anderen Punkt holen.“
Sie selbst sind ein Asbacher Urgestein und waren lange Jahre erfolgreicher Jugendtrainer. Jetzt haben Sie das Amt in der Herrenmannschaft übernommen. Fiel Ihnen das schwer, die Jugend hinter sich zu lassen und die Männer zu trainieren? Oder war es die logische Folge für Sie, auch einmal Senioren zu übernehmen?
„Nein, das war mehr ein Zyklus, der zu Ende gegangen ist. Ich habe mich schon relativ lange damit vertraut gemacht, dass ich mich auch einmal im Seniorenbereich austesten möchte. Das war jetzt auch der passende Zeitpunkt, denn viele Spieler, die ich in der Jugend trainiert hatte, sind jetzt auch in den Herrenbereich gewechselt. Dann war es für mich jetzt nicht unbedingt die logische Folge, aber schon schön, dass der Verein – mein Heimatverein – an mich heran getreten ist und gesagt hat ‚Hast du nicht Lust, das weiter zu machen?‘ Nichts lieber als das. Ich kenne das Umfeld und die Strukturen. Das ist für mich eine schöne Aufgabe und ich freue mich nach wie vor darauf, mit den Jungs noch etwas zu machen.“
Sie haben angesprochen, dass es schon im Hinterkopf war, auch einmal im Seniorenbereich tätig zu sein. Was war da Ihre Motivation dahinter? Man könnte ja auch sagen: ‚Okay, die Jugendarbeit ist eine Wohlfühloase. Hier bleibe ich.‘
„Vielleicht war gerade das die Herausforderung. Mit erfahrenen Spielern etwas zu tun. Was ich sehr spannend und interessant finde, ist der rege Austausch und die Kommunikation. Eine sachliche Auseindersetzung mit gewissen Themen, ob das im taktischen oder in anderen Bereichen ist. Das ist das, was mir Spaß macht.“
Was sind denn die größten Unterschiede? Muss man in der Menschenführung als Herrentrainer anders auftreten?
„Glaube ich gar nicht, dass das ein anderes Auftreten ist. Ich bin jemand, der für das Team lebt und kein autoritärer Typ, der sich hinstellt und sagt: ‚Passt auf, Leute, ich bin jetzt der Trainer hier und sage, wo es lang geht.' Sondern ich versuche, jeden mit einzubinden. Das mache ich in meinem Beruf auch, wo ich auch Führungsaufgaben übernehme. Es muss jeder das Gefühl haben, dass er an der Umsetzung mit beteiligt ist. Dass er auch gefragt wird und sich damit identifizieren kann, was man macht. Letztendlich entscheide ich das schon, aber die Kommunikation miteinander ist sicherlich im Seniorenbereich eine andere als im Juniorenbereich, in dem weniger diskutiert wird.“
Würde dann also die Bezeichnung ‚autoritärer Kumpeltyp‘ auf Sie zutreffen?
(lacht) „Ja, so könnte man es fast nennen. Letztendlich muss ich die Entscheidungen treffen, weil ich die Verantwortung trage, ganz klar.“
Abgesehen von der menschlichen Komponente, wie sieht es auf der technischen und taktischen Ebene aus. Wer lernt da einfacher und schneller?
„Im Juniorenbereich gibt es bestimme Phasen, in denen man sehr gut und sehr intensiv lernt. Das ist so im Alter zwischen zehn und 14 Jahre. Dann müssten die Jungs im technischen Bereich eigentlich so weit sein, dass man ihnen nicht mehr viel beibringen muss. Dann kommen andere Komponenten wie das Taktische hinzu. Auch im Ausdauerbereich wird anders gearbeitet, das zieht sich so durch. Ich habe bei den Bambinis angefangen und alle Altersklassen durchlaufen und es war immer etwas Neues. Jetzt im Seniorenbereich bekomme ich fertige Spieler, denen brauchst du in vielen Bereichen nichts mehr lehren, sondern du musst es immer wieder hervorrufen, dass sie auf einem gewissen Niveau bleiben. Im taktischen Bereich sieht das wieder anders aus, da sind die Herren sicherlich weiter, aber auch da kann man noch immer viel beibringen.“
Sie haben alle Jahrgänge durchlaufen und die verschiedenen Altersklassen kennen gelernt. War das für Ihren Werdegang als Trainer ein Vorteil?
„Das weiß ich jetzt nicht, ob das ein Vorteil ist. Mir persönlich hat es auf jeden Fall viel gebracht. Als Trainer habe ich natürlich ein relativ großes Spektrum kennen gelernt. Die einzelnen Entwicklungsphasen der Jugendlichen mitzuerleben und zu merken ‚Ja, da passiert etwas‘, das ist schon spannend. Ich habe ja auch viele Spieler ihre ganze Jugend begleitet, da ist ja auch etwas gewachsen. Wir sind ja fast eine Familie (lacht). Wenn du jetzt siehst, wie sie in der Verbandsliga ihren Mann stehen, dann ist das toll. Aber das ist auch wieder ein neue Lernprozess für die Jungs, da geht es ganz anders zu. Aber das schaffen wir zusammen.“
Kann da auch der Trainer von den Spielern noch etwas lernen?
„Immer. Ich bin da auch ehrlich und sage den Jungs: ‚Ich habe den Fußball nicht erfunden, aber ich kann euch sagen, wie er funktionieren kann.' Sicherlich kann ich auch noch in jeder Trainingseinheit dazulernen und ich bin froh, von erfahrenen Verbandsliga-Spielern etwas mitzunehmen.“+++