03.09.15 - Er ist ein Phänomen. Er hat im osthessischen Amateur-Fußball alles erlebt, was man erleben kann. Und er ist Torjäger. Auch im fortgeschrittenen Stürmer-Alter von 33 Jahren trifft Christian Winter wie eh und je. Für seinen neuen Verein, den Gruppenligisten FC Eichenzell, hat Winter in sieben Spielen neun Tore geschossen und führt die Torjägerliste gemeinsam mit Johannesbergs Osman Özlük an.
Im Sommer vor zwei Jahren übernahm Winter den Kreisoberligisten SG Wildeck. Als Spielertrainer - im Alter von 31 Jahren. Es schien der typische Verlauf einer Karriere eines angesehenen und erfolgreichen Amateur-Fußballers zu werden. Im Herbst der Karriere auf unterklassigem Niveau erste Erfahrungen als Trainer sammeln, um sich für die Zeit nach der aktiven Karriere vorzubereiten. Doch nicht so bei bei Christian Winter. Denn der Stürmer erlebt gerade seinen zweiten Frühling. "Ich habe festgestellt, dass es als Spielertrainer auf meiner Position schwierig ist und gemerkt, dass es nicht das Richtige ist", erzählt Winter über sein Intermezzo bei der SG Wildeck. Ein Jahr lang schnürte er noch als Spieler die Schuhe, ehe er diesen Sommer noch einmal den Schritt eine Liga höher wagte.

Foto: Julius Böhm
Der Gruppenligist FC Eichenzell hatte um die Dienste des Torjägers gebuhlt - und Winter sagte zu. "Ausschlaggebend waren Christian Kirbus, Jan Friedrich Meister und Dominik Möller, die mich überredet haben, nach Eichenzell zu kommen", erklärt Winter seine Beweggründe. Im Herbst der Karriere mit alten Kumpels kicken und das bei einem ambitionierten Gruppenligisten - da konnte der Knipser nicht nein sagen. "Der Wunsch war eigentlich schon noch da, aber ich hatte nicht konkret vorgehabt, noch einmal in die Gruppenliga zu gehen", entgegnet der Stürmer auf die Frage, ob es für ihn klar war, dass er sich noch einmal eine Liga höher austoben möchte.
Ausgetobt, das hat sich Christian Winter in der Blüte seiner Karriere lange genug. Borussia Fulda, SVA Bad Hersfeld, Hessen Hersfeld - das waren seine Stationen, bei denen er im hiesigen Fußball seine Spuren hinterließ. Und überall bewies er seine Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor. Lange Jahre spielte er in der Oberliga Hessen, mit der Borussia spielte er als junger Akteur sogar für eine Saison in der Regionalliga. "Es war eine interessante und auch sehr schöne Zeit. Die Auswärtsfahrten damals waren sehr, sehr lustig und spannend als junger Kerl. Die Zeit kann einem keiner nehmen – das war wunderbar."
Nun kehrt Christian Winter mit 33 Jahren auf die Bühne Gruppenliga zurück und macht genau das, wofür er bekannt ist - Tore schießen. "Mich freut es natürlich, dass ich bisher gut treffe. Aber ich bekomme auch gute Anspiele", will Winter nicht alleine das Lob ernten. Mit den Britannen legte Winter einen ordentlichen Saisonstart hin und liegt nach sieben Begegnungen auf Rang drei. Die Derby-Niederlage gegen Bronnzell sei abgehakt, versichert er. Der Fokus liegt auf der Partie am Sonntag (15 Uhr) bei Aufsteiger Schlitzerland. "Wenn man die Ergebnisse verfolgt hat, dann darf man diese Mannschaft auf keinen Fall unterschätzen", warnt Christian Winter. Vor allem gelte es auf Stürmer Christian Schmidt und Mittelfeldmann Thomas Matthes aufzupassen. "Auf der anderen Seite haben sie auch schon ordentlich Tore kassiert. Das zeigt, dass sie auch irgendwo Schwächen haben", weiß der Stürmer, wie der Aufsteiger zu knacken ist.
Wie lange Christian Winter noch gegen Ball treten möchte, das weiß er noch nicht. "Solange der Körper mitmacht", flachst Winter, der als Industriemechaniker und dreifacher Familienvater eingespannt ist. Auch wenn sein Versuch als Spielertrainer nicht das Richtige für ihn war, der Trainerjob sei für die Zeit nach der Karriere auf jeden Fall eine Option. Aber bis es so weit ist, macht Christian Winter, das, wofür er bekannt ist: Tore schießen. (Tobias Herrling)+++
