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LEICHTATHLETIK Zu fünft nach Rio?

Fuldas Top-Sprinter Philipp KLEEMANN: "Alltag wie ein Profi"

02.02.16 - „Welche Runde?“, fragt Michael Franz und bekommt ein entschlossenes „Beste Runde!“ zu hören. Die Antwort kommt von Philipp Kleemann. Franz ist Physiotherapeut in Eichenzell, Kleemann Leichtathlet aus Fulda-Johannesberg. Gemeinsam arbeiten die beiden an der sportlichen Zukunft des 24-Jährigen, dessen Leibstrecke die 400 Meter ist.

Seit Anfang November trainiert Philipp Kleemann zweimal pro Woche neben seinem Leichtathletik-Training mit Michael Franz (Zentrum Mensch), um seine sportliche Entwicklung voran zu treiben. „Vom Alltag her ist das, was ich mache, Profi-Sport“, erzählt Philipp Klemann in einer seiner Pausen zwischen den Sätzen. Denn der Sprinter hat extra sein Praxisjahr von der Uni verschoben, um sich voll auf seinen Körper und den Sport zu konzentrieren. Das zweite Staatsexamen seines Medizinstudiums hat er bereits in der Tasche. Profi-Sportler will und wird Philipp Kleemann aber nie werden, denn er weiß, dass das nur die allerbesten schaffen. Seinen Traum lebt er dennoch.

Insgesamt neun Einheiten absolviert Philipp Kleemann pro Woche, bei der Arbeit mit Michael Franz stehen vor allem die Kraftentwicklung und koordinative Fähigkeiten im Mittelpunkt: Schnellkraft, Reaktivkraft, Kraftausdauer. Der Eichenzeller fordert und fördert Kleemann und treibt ihn immer wieder an. „Er kannte das gar nicht und hatte früher nie ein zusätzliches, individuelles Training. Dementsprechend sind die Fortschritte enorm, die Philipp macht“, sagt Michael Franz, der sich als unterstützender Trainer zum üblichen Programm Kleemans sieht. Denn der Johannesberger hat ein Fernziel im Blick: Rio, 2016. Olympische Spiele.

Sein Antrieb: Grenzerfahrungen sammeln

Dafür müsste Philipp Kleemann seine Bestzeit um über seine Sekunde toppen. Derzeit liegt die nationale Norm bei 45,40 Sekunden, Kleemanns schnellster Lauf stoppte nach 46,85 Sekunden. Seine primäre Motivation, derzeit alles auf die Karte Leistungssport zu setzen, war jedoch eine andere. „Mein Antrieb ist eigentlich, meine Grenzen auszuloten und zu sehen, was möglich ist, wenn ich mich nur auf den Sport konzentriere“, sagt Kleemann, der körperliche Grenzerfahrungen sammeln möchte und erklärt: „Angenommen ich würde ohne dieses ganze Training 45,41 Sekunden laufen würde ich mir in den Hintern beißen, dass ich es nicht ordentlich probiert habe.“

Dass er mit Michael Franz einen privaten Personal-Trainer hat, kam eher durch Zufall zustande. „Er kam als Verletzter zu mir und dann ist nach und nach die Idee entstanden, dass ich mit ihm trainiere“, erklärt Franz die Hintergründe. Mit einer Verletzung am Sprunggelenk, die als Folge auch für Knieprobleme sorgte, suchte Kleemann Franz‘ Praxis in Eichenzell auf. Aus der physiotherapeutischen Behandlung wurde quasi ein Privat-Trainer. „Ich bin nicht mehr los gekommen“, lacht Kleemann, der von Franz das komplette Paket bis zu Massagen bekommt und sagt: „Die Fortschritte sind sicht- und messbar. Das stimmt mich positiv, dass ich auf dem richtigen Weg bin.“

Privat-Jet für Osthessen?

Abgestimmt ist alles mit Jörg Peter vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV), der für Philipp Kleemann die Trainingspläne schreibt. „Er ist von unserem Konzept völlig überzeugt“, sagt der 24-Jährige, der mit den neuen Trainingselementen vor allem eines erreichen möchte: sein Kraftniveau steigern, um seine Leistung beim Sprint – und vor allem den Antritt beim Start – zu verbessern. „Ob es reicht, ist natürlich schwer zu sagen. Zumal seit Jahren kein Deutscher mehr so eine Zeit gelaufen ist“, sagt Kleemann mit Blick auf die nationale Norm von 45,40 Sekunden. Die Norm für eine Teilnahme an den Europameisterschaften liegt bei 46,00 Sekunden.

„Das entscheidende Datum ist das Wochenende vom 18. und 19. Juni“, sagt Philipp Kleemann. Denn da finden in Kassel die Deutschen Meisterschaften statt mit der Möglichkeit, sich für EM oder Rio zu qualifizieren. Seine Freiluft-Saison startet dieses Jahr früher als gewöhnlich, bereits am 24. April findet das erste Rennen statt. „Zuvor geht es über Ostern noch einmal ins Trainingslager, um am Feinschliff zu arbeiten“, skizziert Kleemann seinen Fahrplan, der im optimalsten Falle nach Rio de Janeiro führt. Er könnte nach Jan-Philip Glania, Anna und Lisa Hahner und Julian Flügel – die drei letzt genannten haben das Ticket so gut wie sicher – der fünfte Osthesse am Zuckerhut sein. Da würde sich fast ein Privat-Jet lohnen. „Ein Fuldaer Dorf im Olympischen Dorf hätte natürlich was“, lacht Philipp Kleemann und macht sich wieder an die Arbeit. Sein Trainer Michael Franz ruft. (Tobias Herrling) +++


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