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Intensives Spiel: Borussia Fulda um Marcel Trägler (unten) und die Gäste aus Watzenborn schenkten sich nichts - Fotos: Julius Böhm

FUSSBALL Borussia Fulda - Watzenborn/S. 3:3 (2:2)

Intensiv, ruppig, ansehnlich - SCHMEER rettet verdienten Punkt

17.04.16 - Vier Tore, eine Ampelkarte und einmal Rot: die erste Halbzeit in der Hessenliga-Begegnung zwischen Borussia Fulda und Teutonia Watzenborn-Steinberg am Samstag hatte es so richtig in sich. Die beiden Aufsteiger boten den knapp 1.000 Zuschauern eine intensive, ruppige und äußerst ansehnliche Begegnung und trennten sich letztlich verdientermaßen 3:3 (2:2)-Unentschieden.

„Siggi, den hättest du rein gehustet“, flachste ein älterer Herr auf der Tribüne über die Szene in der fünften Minute, als Borusse Ingmar „Inge“ Merle völlig frei vor Gäste-Torwart Yannick Dauth auftauchte. Roman Schad, der auf der rechten Verteidigerposition begann, hatte nach innen geflankt und Merle hätte Dauth fragen können, wo er den Ball gerne hinhaben möchte. Der Neuzugang aus Kassel verstolperte, Dauth parierte – die große Chance zur Führung vertan. Das war allerdings der Startschuss für eine unfassbar intensive, ruppige, aber auch sehr ansehnliche Begegnung. Zwei starke Mannschaften, tolle Kulisse, Kaiserwetter – der Samstagnachmittag hatte wirklich alles, was das Fußballer-Herz höher schlagen ließ.

Nur einer tanzte aus der Reihe: Schiedsrichter André Klein aus Offenbach. Gefühlt hatten in der Halbzeit schon alle Spieler auf dem Platz den gelben Karton gesehen. Die Aufsteiger schenkten sich wahrlich nichts, gingen teils grob zu Werke und agierten mit hoher Intensität. Dennoch: „Für meine Begriffe hat er die Schärfe ins Spiel gebracht“, kommentierte SCB-Trainer Thomas Brendel die Leistung des Unparteiischen, der nach dem Schlusspfiff mit Pfiffen bedacht wurde. Aus sportlicher Sicht ging es für die Hausherren perfekt weiter: Leon Pomnitz kam im Mittelfeld an den Ball, versetzte ein, zwei Watzenborner und setzte aus 16 Metern zum Schuss an – und der saß. Und wie. Das Leder schlug im langen Eck genau im Winkel ein – ein Sahnetor (17.).

Der Jubel war noch gar nicht richtig verhallt, da zappelte das Spielgerät schon auf der Gegenseite im Kasten. Vedran Jerkovic patzte, Denis Weinecker sagte danke und legte quer in die Mitte, wo Teutonias wandelnder Kleiderschrank, Raffael Szymanski, nur noch einschieben musste (18.). Aber es kam noch schlimmer: wiederum nur eine Minute und ein Patzer Jerkovic‘ später die Führung: Szymanski legte mit der Hacke auf Ilias Azaouaghi, der Torwart Tobias Wolf mit einem gefühlvollem Lupfer überlistete (18.). Ein Schock, den die Borussen erst einmal verdauen mussten. Zu allem Überfluss – und völlig unnötig - kassierte Matija Poredski nach 38 Minuten die zweite gelbe Karte und wurde zum Duschen geschickt. Für numerische Gleichheit sorgte dann Schiedsrichter Klein, der Torschütze Azaouaghi nach einem Luftduell mit Mark Jaksch die rote Karte zeigte. Warum? Das weiß wohl nur Klein. Jedenfalls wertete er Azaouaghis Aktion als Tätlichkeit. „Das war ja auch keine rote Karte“, gab auch Brendel zu.

Für den ausgeglichenen Halbzeitstand sorgte dann Merle, der einen Freistoß zum 2:2 in die Maschen köpfte (28.). In Halbzeit zwei ließen die Kräfte bei beiden Mannschaften spürbar nach. „Es war eine super erste Halbzeit von beiden. Dann haben, denke ich, beide Mannschaften dem hohen Tempo Tribut zollen müssen“, sagte Gäste-Trainer Daniel Steuernagel, dessen Schützlinge im zweiten Abschnitt dem Sieg näher waren. Zunächst brachte Weinecker die Gäste kurz nach Wiederanpfiff in Führung (48.), dann parierte Wolf eine Doppel-Chance von Barbaros Koyuncu und Weinecker (52.). Julian Simons Schuss strich knapp vorbei (56.), für Ungläubigkeit sorgte dann Szymanski, der das Kunststück fertig brachte, aus kürzester Distanz über das Tor zu schießen (56.). „Wie er das gemacht hat, weiß er wohl selbst nicht“, konnte Steuernagel den Fehlschuss nicht fassen.

Die Borussen, von denen lange nichts kam, steckten aber nicht auf und wurden für ihren tollen Einsatz belohnt: Sebastian Schmeer jagte einen Freistoß aus gut 20 Minuten aus halbrechter Position in die lange Ecke – Torwart Dauth sah nicht gut aus (74.). „Den hätte ich weggetreten. Keine Ahnung, warum er da spekuliert“, monierte Steuernagel, um seinen Schlussmann aber gleich in Schutz zu nehmen: „Er hat uns auch schon Punkte gerettet.“ Kurz vor Schluss hatten die Hausherren noch die große Möglichkeit zum Sieg, aber Marcel Trägler agierte zu eigensinnig und übersah den völlig blank stehenden Dennis Müller (90.). „Das wäre es gewesen, aber unterm Strich muss man sagen, dass das Unentschieden völlig in Ordnung geht. Wir haben heute wieder die Mentalität gezeigt, die uns zuletzt abhandengekommen war“, konnte Thomas Brendel mit dem Punkt leben. Und sein Gegenüber, Daniel Steuernagel, war auch nicht gänzlich unzufrieden. „Wir haben unser Teilziel, wieder auf Platz eins zu klettern, erreicht.“ (Tobias Herrling)

DIE STATISTIK ZUM SPIEL:

Borussia Fulda: Tobias Wolf – Roman Schad, Nikola Milankovic, Vedran Jerkovic (82. Felix Beck), Sasa Dimitrijevic (73. Dennis Müller) – Mark Jaksch – Marcel Trägler (90.+4. Jonathan Müller), Leon Pomnitz, Ingmar Merle – Matija Poredski – Sebastian Schmeer.

Watzenborn/S.: Yannik Dauth – Vaclav Koutny, Michael Bodnar, Viktor Talevski, Julian Simon (90. André Marius Jörg) – Christopher Schadeberg – Denis Weinecker, Ilias Azaouaghi, Barbaros Koyuncu (77. Keigo Matsuda) – Raffael Szymanski, Loius Goncalves.

Schiedsrichter: André Klein (Offenbach).

Zuschauer: 950.

Tore: 1:0 Leon Pomnitz (17.), 1:1 Raffael Szymanski (18.), 1:2 Ilias Azaouaghi (19.), 2:2 Ingmar Merle (28.), 2:3 Denis Weinecker (48.), 3:3 Sebastian Schmeer (74.).

Gelb-Rote Karte: Matija Poredski (Fulda, 38., wiederholtes Foulspiel).

Rote Karte: Ilias Azaouaghi (Watzenborn, 41., Tätlichkeit). +++


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