06.06.16 - Acht Jahre lang kickte der SV Steinbach zuletzt in der Verbandsliga. In der kommenden Spielzeit wird der Verein aus dem Burghauner Ortsteil erstmals in der Hessenliga spielen. Es ist die logische Konsequenz einer stetigen Entwicklung, die Trainer Karl-Josef Müller vor viereinhalb Jahren einleitete. Aber was ist das Geheimnis des kleinsten Dorfes der Hessenliga?
Als Hugo Kochanski vor zehn Jahren sein Engagement als Spielertrainer bei der FSG Kiebitzgrund/Rothkirchen beendete und zum SV Steinbach zurückkehrte, war dieser gerade in die damalige Bezirksliga abgestiegen. Sein Heimatverein war von der Hessenliga so weit entfernt wie Lothar Matthäus von einem Trainerjob in der Bundesliga. „Ich wollte eine Aufgabe übernehmen, bei der ich Einfluss auf Entscheidungen nehmen konnte“, sagt Kochanski, der seitdem im Führungsteam des SVS tätig ist. „Wir haben gesagt, dass wir auf den Nachwuchs setzen wollen. Damals waren wir in der Jugend noch eigenständig.“

Vor zehn Jahren kehrte Kochanski zu seinem Heimatverein zurück und steuerte die Entwicklung ...

Trotz des Aufstieges hält Kochanski an Steinbachs Konzept fest ...
Zehn Jahre später schaffte der Klub den Sprung in Hessens höchster Liga. „Das Wunder von Steinbach“ ist seit wenigen Wochen in aller Munde. Das 1.400-Einwohner-Dorf aus der Nähe Burghauns wird künftig der kleinste Ort der Hessenliga-Landkarte sein. Und das mit einer Mannschaft, die zum Großteil aus einheimischen Akteuren besteht. „Das war unser Konzept, um die Steinbacher die Mannschaft punktuell zu verstärken“, erzählt der 50-Jährige. Die Steinbacher, das sind Spieler wie Sebastian Bott, Marcel Ludwig, Fabian und Michael Wiegand oder Florian Münkel. Zu ihnen gesellten sich externe Kräfte wie etwa Petr Paliatka und Petr Kvaca. Sie sind im Burghauner Ortsteil sesshaft geworden und gehen fast schon als Steinbacher durch.
Wie ist das „Wunder von Steinbach“ zur erklären? Natürlich in aller erster Linie durch das Sportliche. Trainer Karl-Josef „Kalle“ Müller hat das Glück, über eine Vielzahl an starken Kickern zu verfügen, die seine Idee vom offensiven Fußball fast perfekt umsetzen. Müller übernahm Steinbach vor viereinhalb Jahren im Abstiegskampf der Verbandsliga und führte den Dorfverein Stück für Stück nach oben. Die Meisterschaft in diesem Jahr ist fast schon die logische Konsequenz. Aber da ist noch etwas mehr, als die bloße sportliche Qualität auf dem Rasen.

... auf junge Nachwuchskräfte zu setzen und den Kader punktuell zu verstärken ...

Der Macher des Erfolgs: Steinbachs Trainer Karl-Josef Müller Archivfoto: Carina Jirsch
„Es ist ein unglaublich großer Zusammenhalt im Verein und eine verschworene Gemeinschaft“, erzählt Hugo Kochanski. An den Spieltagen wickeln Ehrenamtliche und Jugendliche aus dem Verein den Betrieb ab, nach dem Spiel kommt die Mannschaft ins Sportlerheim, trinkt mit den Zuschauern ein Bier, diskutiert. Der Geist von Steinbach. „Es ist alles sehr familiär. Natürlich geht es nicht ohne gewisse finanzielle Mittel. Aber in Steinbach wird sich das immer im Rahmen halten“, betont Hugo Kochanski.
Ende Juli beginnt für den SVS das neue Kapitel und das Abenteuer Hessenliga. „Vor zwei, drei Jahren hätte das niemand für möglich gehalten“, so Kochanski, der sich noch genau an den Moment, in dem Steinbach an einem Freitagabend auf dem Sofa Meister wurde, erinnert. „Ich dachte nur: Wahnsinn, überragend. Mit Worten ist das kaum zu beschreiben.“ In der Hessenliga seien die Vorzeichen natürlich andere. „Wir sind der Underdog und werden bestimmt auch mal fünf oder sechs Spiele am Stück verlieren“, so der Polizeibeamte. Als ganz chancenlos sehe er die Schützlinge von „Kalle“ Müller allerdings nicht.
„Der Klassenerhalt wäre das zweite Wunder“, weiß Kochanski, der zusammen mit Berthold Helmke und Jürgen Wiegand das Führungsteam bildet. Ihr Verein ist in Hessens höchster Liga angekommen. Und Lothar Matthäus wartet noch immer auf einen Trainerjob in der Bundesliga. (Tobias Herrling) +++ 