09.06.16 - Hervorragend war die Bronnzeller Ausgangslage, umso hängender waren die Köpfe, als die 0:5 (0:1)-Klatsche bei Bosporus Kassel besiegelt war. Die Viktoria stand im dritten Spiel der Verbandsliga-Relegation 40 Minuten lang solide und hielt die Null. Aus dem Nichts fiel kurz vor der Pause das erste Gegentor. Und nach der Pause wurden sie von der Atmosphäre, von motivierten Nordhessen und jeder Menge Kontern überrollt. Aus der Traum vom Aufstieg in die Verbandsliga. Zumindest wenn Schwalmstadt am Samstag kein Fußballwunder fabriziert.

Fans und Spieler von Bosporus Kassel sind durchgedreht...

...bei Bronnzell sah das anders aus
"Wir wussten, dass es hier heute sehr schwer werden würde", sagte ein sichtlich niedergeschlagener Stefan Dresel nach Schlusspfiff, "wir sind nicht so in die Zweikämpfe gekommen, wie wir uns das vorgestellt hatten - das war unser Problem. Und die Platzverhältnisse taten ihr übriges." Auf dem Kunstrasen in der Kasseler Nordstadt dominierten die Nordhessen von der ersten Minuten an. Keeper Marcel Blum musste mehrere Male zupacken, um seine weiße Weste zu behalten. Die beste Chance hatte Kassels Azizi, der, nachdem Blum eine Flanke mit der Faust klärte und dabei seine Abwehrreihe umräumte, aus 15 Metern frei abschließen konnte, aber verzog (30.).
Bei Bronnzell gab es wenig Entlastung. Eine Möglichkeit hatte Jens Keim nach einer Flanke: Kassel konnte nicht richtig klären, Keim zog aus 16 Metern mit dem Vollspann ab, aber fand im Keeper seinen Meister (36.). Auf der andere Seite dann das Tor aus dem Nichts. Tolga Yantut kam aus gut 25 Metern an den Ball, legte sich den Ball auf den starken Fuß und zog einfach ab - Marcel Blum stand vielleicht ein paar Zentimeter zu weit vor dem Tor. Der Ball ging an die Unterkante der Latte und hinein (40.) - 1:0 für Bosporus Kassel.

Über 90 Minuten gesehen waren die Hausherren klar besser
"Dann waren wir natürlich nervös. Wir wussten genau, dass wir kein Tor mehr fangen durften - eigentlich wollten wir mehr Druck nach vorne ausüben, um ein eigenes Tor zu schaffen, aber das ist uns ganz und gar nicht gelungen", sagte Dresel. Kassel nahm den Schwung der Führung mit in Halbzeit zwei, die 700 heißblütigen Zuschauer - darunter mindestens 100 aus Bronnzell - lieferten mit guter Stimmung und Anfeuerungsrufen die zweite Luft. Was bei Bronnzell schief ging, klappte bei Ismet Yegül umso besser. Vier Tore in neun Minuten und der Aufstieg war besiegelt - die Viktoria abgeschossen.
"Mir war egal, wieviele Tore ich schieße - ich wollte gewinnen, ich wollte aufsteigen", sagte der Relegationsheld von Bosporus, der insgesamt auch nur vier Mal aufs Tor schoss. Mit einem Doppelschlag und zwei Lupfern im Eins-gegen-Eins brach er Bronnzell das Genick. Danach fiel die Viktoria wie ein Kartenhaus zusammen. "Einer musste heute traurig sein. Ich freue mich einfach, dass wir der erste türkische Verein in Nordhessen sind, der den Aufstieg in die Verbandsliga geschafft hat. Wir sind hier wie eine Familie", sagte Yegül.
Dresel war zwar enttäuscht, aber machte seinem Team keinen Vorwurf: "Natürlich ist man traurig, wenn man mit einer solch guten Ausgangslage hierher kommt. Wir reden jetzt aber nicht alles schlecht und können unsere Leistung in dieser Saison genau einschätzen." Ein winzige Hoffnung besteht noch: Sollte Schwalmstadt am Samstag gegen Ederbergland mit drei Toren Unterschied gewinnen und somit in die Hessenliga aufsteigen, würde Bronnzell wegen des besseren Torverhältnisses nachfutschen und aufsteigen. (Julius Böhm)

Aus Bronnzell kamen 100 Anhänger mit

Stürmer Marian Weber blieb wie die komplette Bronnzeller Offensive unauffällig ...
DIE STATISTIK ZUM SPIEL:
Bosporus Kassel: Rega - Di Carlo, Kahraman, Azizi, Yantut, Bilir, Neumann, Hess, Yegül, Nasseri, Timocin.
SG Bronnzell: Blum - Bohl, Ganss Fiedler, Harbusch - Keim, Hohmann - Weiss, Heil, Kremer - Weber.
Schiedsrichter: Marcus Rolbetzki (Marburg).
Tore: 1:0 Tolga Yantut (40.), 2:0, 3:0, 4:0 und 5:0 Ismet Yegül (61., 62., 65., 71.).
Zuschauer: 700. +++
