14.07.16 - Dominik Rummel (TSV Lehnerz), Younes Bahssou (SV Wiesbaden), Markus Gröger (Hansa Rostock), Sebastian Alles (Hünfelder SV), Daniel Kornagel (TSV Großbardorf) - neben weiteren "Perspektivspielern" sind das die Neuen bei Borussia Fulda. Das bringt neben erheblich mehr Möglichkeiten für Trainer Thomas Brendel auch einen enormen finanziellen Aufwand und somit Druck mit sich: Für welche Ziele hat der SCB aufgerüstet? Wo soll die Reise hingehen? ON|Sport traf den Vorsitzenden Peter Enders, den Beiratsvorsitzenden Markus Röhner und Hans-Dieter Alt, der ebenfalls im Beirat sitzt.
"In der kommenden Saison wollen wir uns ordentlich in der Hessenliga etablieren und nicht wieder so eine Katastrophensaison wie im letzten Jahr erleben", legt Peter Enders die Latte relativ niedrig, "ob es dann die Top fünf oder die Top acht werden, ist nicht so wichtig. Wir wollen in der Hessenliga ankommen."

"Wir wollen uns in der Hessenliga etablieren"
Rückblick: Im letzten Jahr startete der SCB nach dem Durchmarsch aus der Gruppenliga in Hessens Oberhaus - damals unter der Leitung von Oliver Bunzenthal - und fiel mächtig auf die Nase. Zwar wurde das Auftaktderby gegen Lehnerz vor gut 7.000 Zuschauern gewonnen, aber nach den ersten Wochen der Saison fiel das Team in ein tiefes Loch: Nach zehn Spielen ohne Sieg und dem vorletzten Tabellenplatz zogen die Verantwortlichen damals die Reißleine und feuerten Bunzenthal. Thomas Brendel übernahm und schaffte mit dem Ligaverbleib ein schließlich einen versöhnlichen Saisonabschluss.
"Es hatte uns an mannschaftlicher Geschlossenheit gefehlt", ist sich Hans-Dieter Alt sicher, "man kann so viele gute Einzelspieler haben, wie man möchte - ist das Team keine Einheit, wird es schwer, erfolgreich Fußball zu spielen. Bei der EM waren Island und Wales die besten Beispiele, wie viel Zusammenhalt ausmachen kann." Peter Enders glaubt, dass auch der direkte Durchmarsch aus der Gruppenliga ein Problem war. Die Strukturen seien bei den Aufstiegen nicht hinterher gekommen: "Man hat an allen Ecken und Enden Stellen gefunden, an denen es haperte", sagt Enders, "mit Thomas Brendel und Martin Hohmann ist eine wahnsinnige Professionalität in den Verein gekommen. Sie kennen sich in den höheren Ligen aus und helfen uns sehr weiter."

O|N-Reporter Julius Böhm spricht mit den Borussen-Funktionären.

Hans-Dieter Alt schwört auf den Zusammenhalt in der Mannschaft

Fernziel: Regionalliga

Peter Enders ist froh, dass im Juniorenbereich das Ehrenamt langsam wieder auflebt ...

Mehr als ein oberes Drittel als Ziel ließen sie sich nicht entlocken

R+S-Vorstandschef Markus Röhner engagiert sich als Beiratsvorsitzender bei Borussia. ...
Ein weitere Vorteil: Brendel sei nicht aus der Region und könne so ein "Stück neutraler" auf die Mannschaft blicken. "Er ist sehr direkt und sagt jedem Spieler, wo er sich verbessern kann. Geht man mit den Spieler direkt und fair um, gibt es auch selten Stimmungsprobleme innerhalb der Mannschaft", erklärt Enders, "und die gab es vorher leider." Mit Brendel, Hohmann und dem Sportmanager Sebastian Möller sei ein entscheidender Schritt in Richtung Professionalität getan worden - ein hauptamtlicher Betreuer/Zeugwart wird zudem in den nächsten Wochen seine Arbeit aufnehmen. Diese Professionalität und die vergangener Tage hat aber auch dafür gesorgt, dass rund um den SCB das Ehrenamt schwächelt: "Damit hatten wir schon immer Probleme - und haben sie auch heute", ist Alt ehrlich, "deshalb haben wir einen Caterer und einen Sportmanager - wir finden niemanden, der Würstchen grillt und verkauft." Peter Enders sieht aber einen Lichtblick: "Im Jugendförderverein gibt es engagierte Eltern. Wir hoffen das dieses zarte Ehrenamtspflänzchen weiter wächst."
Das "Aufrüsten" - sportlich und strukturell - des SCB wirft im Umfeld die Frage auf, wann der Aufstieg in die Regionalliga eingeplant ist. "Das Fernziel lautet Regionalliga, aber fix planen kann man das nicht. Das hat man schon an der letzten Hessenliga-Saison gesehen", sagt Markus Röhner, "unsere Verstärkungen braucht es allein, um in der Hessenliga Fuß zu fassen." Einig sind sich alle, dass ein Regionalligist aus Osthessen positiv für den gesamten Fußball der Region wäre: "Dann kann man heimische Talente besser an die Region binden. Die Frage ist eben, wo es Sinn macht, den Aufstieg zu wagen", sagt Röhner, "eigentlich kann das nur hier im Stadion geschehen."
Pauschalaussagen seien aber unmöglich. Zuschauerzahlen, Spielerwechsel, Entwicklung und Zusammenhalt der Mannschaft, Sponsorenverhalten - alles Variablen, die die Zukunftsvision "Regionalliga" unberechenbar machen würden. In der Gegenwart wartet direkt zum Saisonauftakt das Derby beim TSV Lehnerz. Der Zeitpunkt, um zur Nummer eins Osthessens zu werden? "Lehnerz ist aktuell die Nummer eins, da gibt es keinen Zweifel", gibt Peter Enders zu, "sie haben in den letzten Jahren gezeigt, dass sie zu den Topteams der Liga gehören. Trotzdem freuen wir uns auf die Derbies. Untereinander verstehen wir uns alle gut - es ist aber schön, dass eine kleine Rivalität entsteht. Das macht die Derbies gerade für die Zuschauer noch interessanter." (Julius Böhm) +++
