19.07.16 - Man schwankt zwischen Märchen und Fußball-Wunder bei dem, was der Sportverein aus dem 1.450 Seelen-Örtchen Steinbach (Gemeinde Burghaun) im letzten Jahr auf die Beine gestellt hat. Eine überragende Saison wurde mit der hochverdienten Meisterschaft in der Verbandsliga Nord gekrönt. Heißt: Im kommenden Jahr tritt der SVS erstmals in der Vereinsgeschichte in der Hessenliga gegen Teams wie Rot-Weiß Frankfurt oder Borussia Fulda an. Auf den Begriff „Abenteuer“ lässt sich Berthold Helmke aus dem Führungsteam der Steinbacher aber nicht ein: „Die gibt’s nur im Dschungel - unsere Meisterschaft war am Ende die logische Folge einer guten Saisonleistung. Und mit dieser Leistung wollen wir uns auch möglichst lange in der Hessenliga behaupten.“ ON|Sport hat ihn und Cheftrainer Jürgen Wiegand im Mühlengrund getroffen, um über die Zukunft des Aufsteigers zu sprechen.

ON|Sport-Redakteur Julius Böhm löcherte die SVS-Führungsriege
Feststeht: Niemand hatte mit der fulminanten Meisterschaft gerechnet - auch im Verein nicht. „Wir wären ausgelacht worden, hätten wir dieses Ziel angepriesen“, ist sich Helmke sicher, „aber im Laufe der Saison hat sich die Mannschaft super entwickelt, immer unter den Top drei gespielt und schließlich Blut geleckt.“ Ganz steinbach-untypisch wurden die sogenannten „Sechs-Punkte-Spiele“ gegen Sand, Hünfeld oder Kassel II überwiegend positiv gestaltet. Als vier Spieltage vor Schluss der SVS mit neun Punkten Vorsprung an der Spitze der Tabelle stand, zweifelten selbst die größten Pessimisten nicht mehr. „Wir haben uns einen Traum erfüllt. Wir haben 24 Spiele am Stück nicht mehr verloren. Am Ende war es auch einfach nur verdient“, sagt Helmke.
Am 23. Juli startet das "Abenteuer Hessenliga". Nicht aber mit Angst oder einem entsprechenden Mauerfußball. "Kalle Müller ist für Offensivfußball bekannt. Er war selbst einst Mittelstürmer. In Steinbach wurde seit jeher attraktiver und ansehnlicher Fußball geboten, und das soll auch so bleiben", sagt Helmke. Und auch die Ligazugehörigkeit soll sich in naher Zukunft nicht ändern: "Ich glaube, wir können in der Hessenliga mithalten", sagt Cheftrainer Jürgen Wiegand, "spielerisch und taktisch allemal - einzig an der körperlichen Präsenz müssen wir noch arbeiten. Qualitativ sind wir auch im letzten Jahr schon gut aufgestellt gewesen."
Namen wie Münkel, Paliatka, Kvaca, Rohde, Bott, Terentew und Wiegand haben in der Verbandsliga für Aufsehen gesorgt - das Besondere: Viele kommen sogar aus dem Dorf oder der Umgebung oder sind so gut integriert, dass sie Quasi-Steinbacher sind. "Vor 20 Jahren hatten wir mächtig Glück mit den Fußballergenen, die vererbt wurden", sagt Helmke und lacht, "mit übermäßig viel Geld haben wir den Aufstieg sicher nicht geschafft." Aber wie bindet man dann talentierte Spieler an den Verein? "Es sind viele kleine Pluspunkte, die sich aufhäufen. Wie gesagt: Geld ist es nicht, aber vielleicht der gewisse Wohlfühlfaktor."

Wir sind qualitativ gut aufgestellt
Zum Beispiel gibt es da Jan Händler, den Betreuer des Teams. Vor jedem Training und jedem Spiel liegen wie in der Bundesliga Trikots, Hosen, Trainingsanzüge und was sonst noch dazugehört frisch gewaschen in der Kabine - die Spieler brauchen eigentlich nur ihren "Kulturbeutel". Das Vereinsgelände ist gut ausgebaut und das Fußballstadion bringt eine "gewisse Aura" und viel Tradition mit sich. Rund um den Verein funktioniert das Ehrenamt noch vorbildlich gut und die Bratwurst im Steinbacher Mühlengrund ist legendär. "Man kann das nicht so richtig erklären. Wir versuchen einfach, dass es den Spielern gut geht und helfen auch bei Problemen. Und wir sind ein zuverlässiger Verein: Wir backen zwar kleine Brötchen, aber sie sind da", versucht Helmke, den SVS zu erklären, "natürlich gibt es bei uns auch eine Aufwandsentschädigung, denn die Jungs haben schließlich einen großen Aufwand mit Training und Spielen. Aber einem Spieler, der viel Geld haben möchte, müssen wir absagen. Er würde auch nicht zu uns passen."
Ein weiteres Erfolgsgeheimnis ist der richtige Riecher bei Neuverpflichtungen: "In Fulda heißt es oft, es gibt keine hessenligatauglichen Spieler mehr in der Region. Das ist zum einen ein schlechtes Zeichen für den Nachwuchs und zum anderen nicht unbedingt wahr - in unseren Augen zumindest. Man muss nur richtig suchen", sagt Helmke, der selbst schon für Steinbach spielte. Dennoch: Auch in Steinbach wurde auf die besondere Lage und die neue Herausforderung in der Hessenliga reagiert. "Wir haben mit Sasa Dimitrijevic und Cino Schwab zwei Spieler geholt, die uns qualitativ verbessern", sagt Wiegand und erwartet viel von den beiden. (Julius Böhm) +++
